Diverses Streit um Kernkraft

Gerd Kühlhorn: stellvertretender impulse-Chefredakteur

Gerd Kühlhorn: stellvertretender impulse-Chefredakteur© Michael Dannenmann

Der Streit zwischen Union und SPD über die Modalitäten des Ausstiegs aus der Kernenergie ist verlogen. Beide Parteien gaukeln den Wählern vor, es ginge um eine Grundsatzentscheidung für oder gegen den Einsatz von Atomkraft. Dabei ist diese Entscheidung doch längst getroffen. Niemand - auch die Union nicht - will neue KKWs.

Jetzt geht es nur noch um die Abwicklung des Ausstiegs. Das ist wichtig für die Energiekonzerne, denn je nach Modell verdienen sie ein paar Milliarden mehr oder weniger. Wichtig für uns Bürger wäre es nur, wenn mit dem Ausstieg aus der Kernenergie die Welt sicherer würde. Wird sie aber nicht. Denn rund um Deutschland entstehen neue Kernkraftwerke, einige sind schon im Bau, andere in Planung. Ein Störfall, gar ein GAU in einem dieser Werke etwa in Polen, der Schweiz, in Slowenien oder in Frankreich wäre keinen Deut weniger gefährlich als ein Unglück in Deutschland. Mithin ist ein Ausstieg aus der Kernenergie in Deutschland gar nicht möglich – solange wir nicht auch unsere neun Nachbarstaaten davon überzeugen.

Warum machen Union und SPD dennoch einen Grundsatzstreit daraus? Weil sie endlich ein Thema gefunden haben, mir dem sie ihre traditionellen Wählergruppen wieder erreichen können. Hier kann die Union wieder die technologiefreundliche Wirtschaftspartei spielen, die SPD als standhafter AKW-Gegner auftrumpfen – das wühlt bei einigen Wählern alte Emotionen auf und es schafft Hoffnung für die kommenden Wahlen. Mit der Wirklichkeit allein hat dies nichts zu tun – es ist Polit-Retro, das mit viel Kalkül eingesetzt wird.

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