Diverses Südamerika erlesen

Reiseliteratur ohne einseitige Berichte über touristische Attraktionen, ohne Restaurantempfehlungen oder andere so genannte Insider-Tipps. Wer glaubt das geht nicht, sollte Andreas Altmann durch Kolumbien, Ecuador, Peru, Bolivien und Chile folgen. Sein Buch "Reise durch einen einsamen Kontinent" ist der Bericht eines Reisenden, der mehr sieht, als viele andere - und der dem Leser das Land vor allem durch Begegnungen mit Menschen näher bringt.

Ob Señora Botero de Mejia, eine Greisin, die in Kolumbiens Hautstadt Bogota Nahrungsmittel an die Ärmsten verteilt, der Schuhputzer Xavier in Ecuador, der sich für die Geheimnisse der Sprache interessiert oder eifersüchtige Rentner und streng¬gläubige 16-jährige Mütter. Auf 270 Seiten bekommt der Lehnstuhlreisende Einblicke in das Leben der Menschen Südamerikas. Andreas Altmann destilliert aus ihren Lebensgeschichten ein unsentimentales Porträt des Landes und zeigt, dass Gier und Zerstörung nur eine Handbreit von Barmherzigkeit und Liebe entfernt sind. Dabei mischt sich in seine Wut über den Zustand der Welt immer wieder auch Liebe zu den Menschen und deren Lebenswille.

Auf unbeugsamen Lebensmut trifft er etwa bei einem Fußballspiel im kolumbianischen Cali, in dem blinde Spieler einem klingenden Fußball hinterher jagen. In Ayacucho begegnet er der 78-jährigen Angelica, die mit ihrer Organisation Anfasep den Angehörigen der Opfer aus den peru¬anischen Terrorjahren hilft. Und in Quito lernt er, was Einsamkeit bedeutet, als er im Frauenzuchthaus „El Inka“ die zu acht Jahren Haft verurteilte Deutsche Anna besucht.

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Autor Andreas Altmann ist einer der renommiertesten Auslandsreporter, der 1992 mit dem Egon-Erwin-Kisch-Preis und 2005 mit dem Seume-Literatur-Preis ausgezeichnet wurde. Er hat bereits in vielen Branchen gearbeitet, etwa als Anlageberater, Straßenbauarbeiter oder Schriftsteller. Inzwischen aber ist er vor allem als professioneller Reisender unterwegs. Für das 2004 erschienene Buch „34 Tage/33 Nächte“ ist er zu Fuß von Paris nach Berlin gelaufen und in „Notbremse nicht zu früh ziehen“ erzählt er 2003 von einer Reise mit dem Zug durch Indien. Altmann ist außerdem mit dem Grey¬hound durch die Staaten („Im Land der Freien“, 1999) gefahren; von Kairo in den Süden Afrikas („Im Herz das Feuer“, 2001) und durch Thailand, Kambodscha und Vietnam („Der Preis der Leichtigkeit“, 2006) gereist.

Andreas Altmanns neuester Reisebericht ist im DuMont Literatur und Kunst Verlag erschienen und kostet 17,90 Euro.

Auf einer Lesereise können Sie den Reisereporter in diesem Monat auch live erleben: zum Beispiel am 16. Januar um 19 Uhr im Rammelsberger Bergbaumuseum in Goslar, am 22. Januar um 20 Uhr in der Buchhandlung Rombach in Freiburg sowie am darauf folgenden Tag um 19.30 Uhr in der Stadtbibliothek Mühlhausen. Mehr Informationen unter www.dumontliteraturundkunst.de

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