Diverses Susanne Reinker – Die Faultier-Strategie

Wenn es darum geht, Arbeit zu simulieren, entwickelt so mancher Arbeitnehmer offenbar ungeahnte Kreativität. Autorin Susanne Reinker kennt die Tricks und weiß, was hinter der Verweigerung steckt.

Im Schnitt vertrödeln
einige bis zu 40 Prozent ihrer
Arbeitszeit,
heißt es im „Global Productivity
Report“ von Proudfoot Consulting.
Die Ex-Managerin Susanne Reinker hat
das Phänomen heimliche Verweigerung
untersucht und vergleicht in ihrem neuen
Buch den gemeinen Nichtstuer mit
einem
Faultier: „Das hat ein dickes Fell
und lebt gemütlich“, sagt Reinker. „Dass
es sehr gut klettern und schwimmen
kann, lässt es niemanden wissen.“

Entsprechend richtet sich das Bürofaultier
seine Umgebung ein: Der Schreibtisch
wird so aufgestellt, dass kein Dritter
sieht, was gerade auf dem Bildschirm
ist. „27 Prozent der Mitarbeiter surfen
mehr als zwei Stunden privat im Netz“,
sagt die Autorin.

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Der Protokoll-Trick

Bürofaultiere sind perfekte
Schauspieler: „Eindruck statt Einsatz“
lautet ihr Lebensmotto, das sie hingebungsvoll
pflegen. Verbreitet ist etwa
der Protokoll-Trick. „Mitschreiben, wenn
der Chef in der Besprechung etwas sagt“,
lautet eine wichtige Faultierstrategie,
„das macht immer einen guten Eindruck.“
Außerdem sollte der Schreibtisch
stets perfekt aufgeräumt sein, Aufträge
vom Chef werden ordentlich in der Ablage
„Bearbeiten“ gestapelt. „Vorgesetzte
wollen es so, Ordnung strahlt Vertrauen
aus“, sagt Reinker, deren letztes Buch
„Rache am Chef“ zum Bestseller wurde.

Der äußere Schein sei wichtiger als die
Qualität der Arbeit: „Leistung ist das,
was der Chef für Leistung hält.“
Beim Projekt-Trick gibt sich der Mitarbeiter
grundsätzlich erst einmal skeptisch,
wenn er eine Aufgabe übernimmt.
Beliebte Erwartungsbremser sind „Wird
schwierig“ oder „Bin nicht sicher, ob das
hundertprozentig klappt“. So bekommt
er selbst für einfache Projekte reichlich
Zeit und heimst im besten Fall später
sogar
Pluspunkte vom Chef ein.

Vorgesetzte tragen Mitschuld

Dass die Vorgesetzten an der Misere
mitschuldig sind, liegt für die Autorin auf
der Hand. Sie nennt fehlende Anerkennung
und schwindendes Interesse an den
Mitarbeitern als wichtigste Gründe für
die Verweigerung. Viele Arbeitnehmer
seien davon überzeugt, dass sich Extraleistung
nicht mehr lohne. „Selbst jahrelanger
Einsatz schützt niemanden davor,
im Zuge einer Rationalisierungsmaßnahme
vor die Tür gesetzt zu werden“, so
Reinker.

Wer heute sein Bestes gibt, wird
„nur noch selten mit Beförderung oder
einem sicheren Arbeitsplatz belohnt“.
Das Buch ist nicht nur unterhaltsam
zu lesen, es ist auch lehrreich. Schließlich
muss der Chef erst einmal in Erfahrung
bringen, welche Abwehrstrategien
das Bürofaultier im Laufe der Evolution
entwickelt hat – bevor er es zur Arbeit
antreibt.

Die Faultier-Strategie – Clever durch den Arbeitsalltag

Autorin: Susanne Reinker

Verlag: Econ, 223 Seiten

Preis: 16,90 Euro

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