Diverses Tarifverhandlungen: Die Stunde der Flexi-Löhne

Dirk Horstkötter leitet bei impulse den Bereich Politik

Dirk Horstkötter leitet bei impulse den Bereich Politik© Rudolf Wichert

Die kniffligste Lohn- und Gehaltsrunde der letzten Jahre steht vor der Tür. Gemeint ist nicht der aktuelle Lufthansa-Konflikt: Hier wollen Spezialisten ein ohnehin schon üppiges Angebot von 6,7 Prozent weiter nach oben drücken. Nein, es geht um die Kernbranchen unserer Volkswirtschaft, sagt impulse-Redakteur Dirk Horstkötter.

In der Metall- und Elektroindustrie läuft die neue Tarifrunde an, mit Showdown vermutlich im November. Es geht um einen Leuchtturmabschluss – was am Ende raus kommt, wird abstrahlen in andere Bereiche.

Das Land erlebt gerade eine Fast-Flaute-vielleicht-Abschwung-auf-jeden-Fall-satte-Inflations-Phase. Und so bringen beide Lager nachvollziehbare Argumente mit an den Verhandlungstisch. Der Arbeitnehmer verweisen auf die hohe Preise für Lebensmittel und Energie und registrieren aktuell ganz ordentliche Unternehmensgewinne. Die Arbeitgeber sehen steigende Material- und Rohstoffpreise sowie ihre dünner werdenden Auftragsbücher. Wobei es die Unternehmen unterschiedlich heftig trifft. Eine einzige Zahl kann dieser diffizilen Situation nicht gerecht werden. Heraus kommt am Ende sinkende Kaufkraft (bei Bescheidenheit) oder Jobabbau (bei Maßlosigkeit)

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Es spricht alles dafür, endlich das Tarifinstrument hervorzuholen, mit dem intelligent auf dieses Dilemma geantwortet werden kann: variable, vor Ort auszuhandelnde Gehaltsbestandteile – den Flexi-Lohn. Es gibt einen Basisabschluss, den alle Betriebe quer durch die Republik verkraften können. Und dort, wo es trotz allgemeiner Flaute weiter gut läuft, gibt es nach einem vorher vereinbarten Schlüssel noch ein paar Lohnprozente oben drauf. Die Idee ist schon länger im Raum. Dafür müssen beide Seiten über ihre Schatten springen. Die IG Metall muss ihre Urangst davor ablegen, sowieso immer über den Tisch gezogen zu werden. Und Gesamtmetall muss die Mehrheit ihrer Unternehmer zu mehr Transparenz ermutigen. Ohne einen Blick in die Bücher lässt sich natürlich kein Gewerkschafter auf den Flexi-Lohn ein.

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