Diverses Tausende Meilen über das Meer

Am Anfang des 19. Jahrhunderts reisten Hunderttausende Auswanderer von europäischen Häfen aus mit Schiffen in die Neue Welt. Noch heute begeben sich Passagiere auf den weiten Weg über das Meer - wenn auch aus anderen Gründen: Sie suchen die besondere Erholung auf den Weiten der Ozeane. Auf den alten Routen der Auswandererschiffe sind heute komfortable bis luxuriöse Transatlantik-Kreuzfahrer unterwegs.

Die Transatlantik-Kreuzfahrer sind auf den alten Routen der Auswandererschiffe unterwegs. Es gibt drei klassische Strecken. Die nördliche ist die „Titanic-Route“ von Southampton nach New York, entlang der Südküste Grönlands. Deren Eisberge wurden 1912 dem Stolz der britischen White Star Line zum Verhängnis. Diese Strecke ist die kürzeste, die Schiffe sind hier im Schnitt sieben Tage unterwegs.

Die mittlere Strecke führt von Madeira oder Teneriffa, mitunter auch von Gran Canaria aus quer über den Atlantik in die Karibik oder nach Südamerika. Diese Route wurde bereits 1492 von Kolumbus gewählt. Vor allem Segelschiffe lassen sich gerne vom Passatstrom gen Westen vorantreiben. Die südlichste Transatlantikstrecke ist die von Kap zu Kap: vom Kap der Guten Hoffnung in Südafrika nach Kap Hoorn in Chile.

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Die „Queen Mary 2“ fährt auf der klassischen Transatlantikroute von Southampton nach New York. „Die Buchungszahlen für den deutschsprachigen Raum haben sich im vergangenen Jahr gegenüber dem Vorjahr verdoppelt“, sagt Cunard-Sprecher Ingo Thiel in Hamburg.

Eine große Auswahl an Transatlantik-Strecken hat die US-Reederei Royal Caribbean International (RCI). Sie bietet 14-tägige Touren von Barcelona nach Miami, von Southampton nach Tampa in Florida, von Venedig nach Galveston in Texas, von Fort Lauderdale ins britische Harwich und vom englischen Fährhafen Dover nach New York. „Und wir haben dabei eine Passagierauslastung von über 100 Prozent“, sagt Olaf Amm, Pressesprecher für die Reederei in Deutschland. Die Gäste verteilen sich auf Eislaufbahnen, in Boxringen und an Kletterwänden.

Auf den Spuren der Auswanderer

Auf die Spuren der Auswanderer begibt sich die „Astor“ von Transocean Tours in Bremen. Sie startet in diesem Jahr am 24. Juli in Bremerhaven, wo einst Auswanderer von der Columbuskaje, im Volksmund „Kaje der Tränen“ genannt, nach New York aufbrachen. Auf der zehntägigen Reise wird Wolfgang Grams, der Leiter des Auswandererinstituts an der Universität Oldenburg, Vorträge halten. Am 5. August wird die „Astor“ in Ellis Island eintreffen. Auf der „Insel der Hoffnung“ vor New York kamen die Auswanderer einst an.

Die „Aidaaura“ von Aida Cruises in Rostock fährt Ende November von Mallorca aus in die Dominikanische Republik. Der Spätherbst ist eine klassische Zeit für die so genannten Crossings, wenn die Schiffe vom Mittelmeer in die Karibik wechseln. Dann fährt auch die „Hanseatic“ von Hapag-Lloyd von Dakar im Senegal nach Bridgetown auf Barbados.

Die „Deutschland“ der Deilmann Reederei in Neustadt/Holstein startet von Teneriffa aus nach Bridgetown. Die „Sinfonia“ und die „Armonia“ der italienischen Reederei MSC verlassen Genua mit Ziel Rio de Janeiro.

Das Segelschiff „Sea Cloud“ der Hamburger Reederei Sea Cloud Cruises setzt von Las Palmas nach Bridgetown über. „Und die diesjährige Reise ist schon fast ausgebucht“, sagt Sprecherin Antje Borstel in Hamburg. Im Frühling kommen die Schiffe dann alle zurück.

Im Unterschied zu anderen Kreuzfahrten haben Transatlantik-Touren fast nur Seetage. Und hier scheiden sich auch die Geister bei den Kreuzfahrtfreunden. Für viele ist der Gedanke „Tagelang kein Land in Sicht“ ein Graus. Andere reizt gerade diese Gleichförmigkeit an einer Kreuzfahrt: Keine Schaukelei im Tender, kein Geschubse im Sightseeingbus, keine Hafenkneipe und kein Museum. Dafür endlich Muße für die 11-Uhr-Bouillon, und zu müde vom Landgang für das Mitternachts-Büfett ist der Gast auch nicht.

Echtes Seefahrtsgefühl

„Es gibt eindeutige Crossing-Liebhaber – Passagiere, die wegen der Langsamkeit beim Reisen und dem echten Seefahrtsgefühl an Bord kommen“, sagt Negar Etminan, Pressereferentin bei Hapag-Lloyd Kreuzfahrten in Hamburg. „Die Passagiere, die Überfahrten buchen, entscheiden sich ganz bewusst dafür und genießen die Seetage besonders“, so Aida-Cruises-Sprecher Hansjörg Kunze.

Der Tag während eines Crossings scheint sehr lang. Das Schiff ist ein winziger Punkt, umgeben von 100 Millionen Quadratkilometern Wasserfläche. Und die Messlatte für aufregende Dinge sinkt: Schon bald rennt das ganze Schiff nach rechts, wenn der Kapitän auf einen „Schwarm Fliegender Fische an Steuerbord“ hinweist. Nicht jeden Gast fesselt diese Einöde. „Ich habe an den beiden ersten Tagen schon meckrige Gatten oder Gattinnen gesehen, die von ihrem Partner zu der Reise überredet wurden“, erzählt Ingo Thiel von Cunard. „Aber die kommen nach einiger Zeit auch zur Ruhe.“

Damit die Zeit nicht doch zu lang wird, sorgen die Reedereien für Unterhaltung wie Sprach- oder Tanzkurse, Workshops zu Kunst und Kultur, Yoga, Pilates, Gymnastik oder Mal- oder Computerkurse. Fast alle Schiffe haben Spielkasinos, Diskos und Golfsimulatoren, und manche klassischen Liner auch traditionelle Unterhaltung wie den Tanztee, Bingo oder Shuffleboard. An Bord sind außerdem mindestens fünf Mahlzeiten am Tag üblich, viele bieten Essen rund um die Uhr an. „Noch mehr geht nicht“, sagt Cunard-Sprecher Thiel.

(Quelle: dpa)

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