Diverses Teddyhersteller Steiff kehrt China den Rücken

Gerd Kühlhorn: stellvertretender impulse-Chefredakteur

Gerd Kühlhorn: stellvertretender impulse-Chefredakteur© Michael Dannenmann

Deutsche Firmen setzen wieder auf "Made in Germany" - und verlagern ihre Produktionen zurück in die Heimat. Angeblich, weil Deutschland die weltbesten Fachkräfte hat und damit automatisch hochwertiger produziert. Ein gefährlicher Irrtum, sagt Gerd Kühlhorn, stellvertretender impulse-Chefredakteur. Sein Kommentar zeigt, warum chinesische Firmen längst mit deutschen mithalten können.

Das deutsche Traditionsunternehmen Steiff, Hersteller der berühmten Teddybären, holt seine Produktion wegen Qualitätsproblemen aus China zurück nach Deutschland. So wie inzwischen jede fünfte deutsche Firma, die aus gleichem Motiv die Fertigung aus dem Ausland wieder in die Heimat verlagert. Hier glauben sich die Unternehmer auf sicherem Terrain, weil sie das hohe Qualitätsniveau deutscher Ingenieure und Facharbeiter quasi als ihr Monopol betrachten. Ein gefährlicher Irrtum.

Tatsächlich haben chinesische (und indische) Unternehmer längst erkannt, wie sie dieses Monopol knacken können. Weil ihre eigene Wirtschaft europäisches Leistungsniveau noch nicht erreicht, gehen Sie jetzt gezielt dort hin, wo es die besten Fachkräfte der Welt gibt – nach Deutschland. Über 1000 chinesische Firmen haben bereits hierzulande ihr Geld investiert, noch überwiegend in Vertriebseinheiten, zunehmend aber auch in die Produktion. Das ist erst der Anfang einer gewaltigen Investitionswelle. Je nach Branche will fast jedes zweite chinesische Unternehmen in den nächsten zwölf Monaten im Ausland investieren, vor allem in Produktionsbereichen, in denen sich deutsche Hersteller weltweit besonders stark fühlen, zuvorderst im Automobilsektor und im Maschinenbau.

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Auch das deutsche Arbeitsrecht und die im internationalen Vergleich hohen Löhne schrecken die chinesischen Investoren nicht ab, seit sie erkannt haben: Das Etikett „Made in Germany“ verzinst ihr Kapital deutlich höher als der image-schädigende Hinweis auf das Herstellerland China.

Die Ankunft der neuen chinesischen Firmenherren in Deutschland wird die hiesigen Unternehmer unter Druck setzen – auf den Absatzmärkten, wo sie nun mit gleicher Qualität mithalten können, und auch auf dem Arbeitsmarkt, wo sie den Wettkampf um die Besten verschärfen. Gegen diesen Angriff auf eigenem Territorium sind deutsche Premiumhersteller bislang nicht gewappnet. Man hat den Eindruck, sie haben die Bedrohung bislang nicht einmal erkannt.

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