Diverses Telekom-Skandal: Der Chor der Anständigen

Sebastian Callies: Ressortleiter Computer + Solutions

Sebastian Callies: Ressortleiter Computer + Solutions© Mario Theimer

Topmanager besitzen keinen Anstand und keine Moral. Sie schaden dem Ansehen der Unternehmer in Deutschland. Die Reaktionen auf die Skandale bei Siemens, Lidl oder der Telekom sind zwar verständlich, findet impulse-Redakteur Sebastian Callies. Aber: Das Einteilen der Firmenlenker in gut und böse bedrohe die Soziale Marktwirtschaft.

Korruption bei Siemens, Überwachung bei Lidl, jetzt auch noch Stasi-Spitzel im Dienste der Telekom: Kein Monat ohne wahrhaft unfassbare Enthüllungsgeschichten aus deutschen Vorstandsetagen. Gleich einem Ritual hallt nach jeder Story ein wütender Choral durch die Republik – der Refrain ist immer derselbe: Topmanager sind eitel und unfähig, von Anstand und Moral keine Spur.

Gebetsmühlenartig wird dabei wiederholt, Unternehmer seien mit korrupten und maßlosen Entscheidern in Konzernen nicht gleichzusetzen. Diese Feststellung mag richtig und wichtig sein. In letzter Konsequenz allerdings teilt sie die Wirtschaftselite in der öffentlichen Wahrnehmung pauschal in gut und schlecht.

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Der Erfolg unserer Sozialen Marktwirtschaft beruht jedoch seit jeher gerade auf dem austarierten Zusammenspiel kleiner, mittlerer und großer Unternehmen. Gemeinsam sind sie stark, gemeinsam machen sie unseren Aufschwung möglich. In dieser aufgeheizten Phase sollten wir deshalb tunlichst darauf achten, dass uns der Laden nicht um die Ohren fliegt.

Denn die Systemkritiker stehen schon parat – an erster Stelle die Linkspartei. Sie hat ein feines Gespür für gesellschaftliche Spaltungstendenzen, will sich jetzt im bayerischen Landtagswahlkampf deshalb dreist als Sprachrohr der Selbständigen positionieren. Getreu dem Motto: Wir hier unten gegen die da oben. Der Startschuss für einen neuen Klassenkampf zwischen kleinen und großen Wirtschaftslenkern?

Wenn der Chor der Anständigen in den nächsten Wochen wieder lautstark das Lied von den feisten Konzernvorständen singt, sollten Unternehmer daher genau abwägen, ob sie einstimmen wollen oder nicht.

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