Diverses Teure Eltern

Teure Eltern

Teure Eltern

Ein Fall wie aus dem Lehrbuch: Die Eltern ziehen sich zurück, der Sohn übernimmt den Betrieb - eine Gaststätte. Die Senioren dürfen bei Speisen und Getränken zugreifen. Außerdem überweist der Sohn ihre Miete und Versicherungen.

Bis jetzt können Kinder den Unterhalt für die Eltern bei der Steuer absetzen. Bedingung: Das Unternehmen muss genug Gewinn machen. Profit allein reicht aber nicht, befindet nun der Bundesfinanzhof (BFH). Zur Überraschung aller Experten entschied das höchste Steuergericht: Zusätzlich muss der Betrieb einen positiven Unternehmenswert aufweisen (Aktenzeichen GrS 2/00).

„Das erschwert den Generationswechsel“, kommentiert Thomas R. Jorde, Steueranwalt und Experte für Familienunternehmen bei BDO Deutsche Warentreuhand in Düsseldorf. impulse sagt, worauf besonders zu achten ist: beim Übertragen von Betrieben, Firmenanteilen und Immobilien.

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Familien-Splitting nutzen

Die BFH-Entscheidung zwingt viele Selbständige, bereits angepeilte Nachfolgeregelungen zu überdenken. „Etwa jeder vierte plant, Betrieb oder Praxis an die Kinder gegen Rente weiterzureichen“, schätzt der Hamburger Steueranwalt Werner Irrgang. Meist sollen Sohn oder Tochter pro Monat einen festen Betrag überweisen, der aber jederzeit angepasst werden kann – an die Bedürfnisse der Eltern oder die Möglichkeiten der Kinder.

Zwar müssen die Senioren die Rente (steuertechnisch: dauernde Last) voll versteuern. Dafür dürfen die Kinder die Zahlungen komplett absetzen. Wegen Altersfreibetrag und Steuerprogression zahlen die Eltern aber meist weniger Steuern, als die Kinder durch den Abzug der Rente sparen. Effekt: Je weiter die Steuersätze auseinander klaffen, desto größer ist der Vorteil für die Familie insgesamt.

Diese Art Splitting können Familien mit gewinnstarken Firmen voll ausschöpfen. Sie erfüllen die neuen Bedingungen locker. Kritisch wird es dagegen für Firmenchefs, die jetzt mit Ertragseinbrüchen zu kämpfen haben und demnächst aussteigen wollen. Der BFH erlaubt ihnen den Deal nur dann, wenn der durchschnittliche Gewinn der letzten drei Jahre (im Jahr der Übergabe und zwei Jahre zuvor) immer noch ausreicht, um die anvisierte Rente zu finanzieren.

Außerdem: Nach neuem Recht muss die Firma bei Vertragsabschluss einen positiven Unternehmenswert haben. Dies erweist sich – wie im Urteilsfall – vor allem für kleine und mittlere Dienstleister, Händler und Handwerker oft als Fallstrick. Denn den Unternehmenswert ermittelt das Finanzamt als Durchschnitt von Substanz- und Ertragswert.

Erfreulich: Hier müssen die Beamten nach der neuen BFH-Entscheidung erst einmal unvoreingenommen davon ausgehen, dass die Firma auf Dauer Erträge erwirtschaften kann. Problem: Für den Ertragswert zählen die künftigen Erträge. Und über deren Höhe lässt sich trefflich streiten.

Je nachdem von welchen Annahmen das Finanzamt und die Unternehmerfamilie mit ihrem Steuerberater über die künftige Entwicklung der Firma ausgehen, sind völlig unterschiedliche Ergebnisse möglich. Von dem so ermittelten Firmenwert ist nun ein kalkulatorischer Unternehmerlohn abzuziehen. Ist der Firmenwert gering, können kleine und mittlere Firmen schnell in die roten Zahlen rutschen. Kein Problem für ertragsstarke Firmen.

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Unternehmer, die aber fürchten müssen, dass die Finanzämter wegen des Firmenwerts Probleme machen, sollten dem Vertrag eine grobe Wertberechnung beifügen – die angenommene zukünftige Erträge plausibel macht. „Das hilft bei späteren Diskussionen mit dem Finanzamt ungemein“, sagt Berater Irrgang.

Eigenheim gegen Rente

Erheblich einfacher ist künftig das Übertragen von Mietshäusern gegen Rente: Reicht der durchschnittliche Nettomietertrag (ohne Abschreibung) der letzten drei Jahre aus, um die Jahresrente der Eltern zu finanzieren, dürfen die Kinder alle Zahlungen als Sonderausgaben abziehen. Die BFH-Entscheidung erlaubt Eltern sogar wieder, das Eigenheim gegen Rente zu überschreiben.

Voraussetzung: Die Mietersparnis der Kinder entspricht mindestens der versprochenen Rente. Maßstab ist hier die ortsübliche Miete. Ein attraktives Modell, das obendrein noch rasant Schenkung- oder Erbschaftsteuer spart – bevor das Verfassungsgericht den Gesetzgeber 2005 auffordert, für höhere Steuerwerte bei Immobilien zu sorgen.

DIE NEUEN REGELN

Der Bundesfinanzhof hat entschieden. Worauf Familien achten müssen, wenn sie Firma oder Immobilien verrenten.

Unternehmensgewinn

Er muss so hoch sein, dass die Kinder damit die Rente für die Eltern zahlen können, wenn sie die Firma übernehmen. Es zählt der durchschnittliche Gewinn der letzten drei Jahre.

Firmenwert

Kinder können Rentenzahlungen bei der Steuer nur dann absetzen, wenn der Betrieb der Eltern bei Übernahme einen positiven Firmenwert aufweist – nach Abzug vom „Unternehmerlohn“.

Mieteinnahmen

Sie müssen so hoch sein, dass die Kinder damit die Rente zahlen können, wenn sie Häuser der Eltern übernehmen. Es zählt der durchschnittliche Nettoertrag der letzten drei Jahre.

Eigenheim

Eltern können den Kindern das Einfamilienhaus oder die Eigentumswohnung gegen Rentenzahlung überschreiben.

WAS IM VERTRAG STEHEN SOLLTE

Wenn Eltern die Firma gegen Rente an die Kinder weiterreichen: fünf Vertragsklauseln, die solche Transaktionen steuersicher machen.

Unterhalt sichern

Es sollte ausdrücklich festgehalten werden, dass die Erträge der Firma (Einzelunternehmen, Anteil an Personen- oder Kapitalgesellschaft) den Lebensunterhalt der Eltern sichern sollen – damit das Finanzamt aus der Schenkung keinen Verkauf fingieren kann.

Rente festlegen

Das kann ein fester Monatsbetrag sein, der an den Lebenshaltungskostenindex angepasst wird. In diesem Fall setzen die Kinder die Zahlungen in Höhe des Ertragsanteils als Sonderausgaben ab. Das sind zum Beispiel 27 Prozent der Rente, wenn der Senior bei Rentenbeginn 65 Jahre alt ist.

Dauernde Last

Alternativ zur festen Rente lässt sich verabreden, dass die Zahlungen an den Bedarf der Eltern oder die Möglichkeiten der Kinder angepasst werden sollen (Steuerdeutsch: dauernde Last). Dann sollte definiert sein, wann oder zu welchem Anlass neu zu verhandeln ist. Hier setzen die Kinder die Rente voll bei der Steuer ab, für den Senior ist sie komplett steuerpflichtig.

Verkauf ausschließen

Es sollte ausdrücklich vereinbart werden, dass die Kinder die Firma nicht veräußern dürfen. Denn sonst macht das Finanzamt aus der Schenkung rückwirkend einen Firmenverkauf – mit Steuern auf stille Reserven im Betriebsvermögen.

Firmenpleiten vorbeugen

Für den schlimmsten Fall: verabreden, ob und wie viel Rente die Kinder aus dem Privatvermögen weiterzahlen. Außerdem sollte festgehalten sein, dass die Firma rückübertragen wird, falls den Kindern eine Zwangsvollstreckung droht.

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