Diverses Todsünden per Mail

Per elektronischer Post erreichen Firmen mit wenig Aufwand eine Vielzahl von Adressaten. Derlei Massenmails sind aber oft kontraproduktiv.

Plink, plink tönt es schon wieder, hektisch blinkt das E-Mail-Symbol. Das allein macht Katrin Sitte-Zöllner zwar noch nicht nervös, denn ihr flattern am Tag bis zu 100 und mehr Mails auf den Bildschirm. Doch diese Nachricht – die Einladung einer weltweit tätigen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft zu einer Veranstaltung nach Bitterfeld – raubt der Chefin der PR-Agentur Wort-Reich den letzten Nerv. Denn sie bekommt dieselbe Botschaft immer wieder. „Nach einem Tag hatte ich endlich die Einstellung gefunden, um diesen Absender zu blockieren“, erinnert sich die Unternehmerin.

Gleichzeitig monierte sie telefonisch, dass 300 Empfänger im Adressfeld aufgeführt waren, schließlich „gehen meine Geschäftsbeziehungen andere nichts an“. Zudem war der Riesenverteiler die Ursache für den Dauerbeschuss – ein anderer Eingeladener hatte einen einschlägig bekannten Virus auf dem PC.

Anzeige

Dieses Beispiel zeigt, dass selbst bei namhaften Firmen ein sorgfältiger Umgang mit dem Medium E-Mail nicht unbedingt gewährleistet ist. „Die Qualität der Mail-Kommunikation ist bei vielen Unternehmen optimierungsbedürftig“, bestätigt Holger Geißler, Forschungsleiter des E-Commerce-Centers Handel (ECC), in vornehmer Untertreibung.

Jede dritte Mail landet im Papierkorb

Vor kurzem hat der Kölner Marktforscher mit einer fingierten Mail-Anfrage an 100 bekannte Firmen deren Umgang mit digitaler Post getestet. Nicht nur, dass jede dritte Mail im Papierkorb landete: In jeder zweiten Antwort steckten Verstöße gegen die Grundregeln der Kommunikation, bis hin zu Absurditäten bei Rechtschreibung und Zeichensetzung.

74 Milliarden Mails jagen täglich durch das weltweite Netz. Das sind nach Aussagen des Marktforschungsinstituts IDC mehr als doppelt so viele wie 2002. Fast die Hälfte sind Spams, also unaufgefordert zugesandter Werbemüll. Umso größer die Versuchung für gestresste Mail-Empfänger, unpersönlich klingende Nachrichten ungelesen zu entsorgen.

Doch selbst wenn die erste Hürde genommen ist: Mündet beispielsweise der Aufruf zum sächsischen Business-Plan-Wettbewerb ohne jede persönliche Anrede in einen unstrukturierten Zeilenfriedhof, ist das kontraproduktiv. Erst recht gilt dies für ein Dienstleistungsangebot (DVD zum Messeauftritt), das sich nach einer hiero­glyphenbeladenen Kopfzeile auf zwei Internetlinks beschränkt. Und wenn die IHK Leipzig die Einladung zu einer Infoveranstaltung mit „hoher Dringlichkeit“ versieht, könnte dies mancher Empfänger als ebenso daneben empfinden wie eine wichtigtuerische Bandwurmsignatur.

Den vollständigen Artikel können Sie in der impulse-Ausgabe 08/2005, Seite 68, nachlesen.

Neugierig geworden, aber noch kein Heft-Abonnent? Dann Geschenk auswählen und online abonnieren

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...