Diverses Toyota-Chef gründet Pannen-Taskforce

Lange hatte er eisern geschwieg, nun trat Firmenchef Akio Toyoda erstmals hektisch vor die Presse. Mit einer weltweiten Taskforce will er das Qualitätsdesaster bei Millionen Autos bekämpfen - und sich selbst mehr einbringen.

Der Präsident des japanischen Autobauers Toyota hat nach dem Rückruf von acht Millionen Autos die Qualitätssicherung zur Chefsache erklärt. Der Konzern werde eine weltweite Taskforce zur Qualitätsverbesserung einsetzen, sagte Akio Toyoda am Freitag in einer eilig einberufenen Pressekonferenz in Japan. „Bitte glauben Sie mir. Wir stellen den Kunden immer an die erste Stelle.“ Er werde die Taskforce persönlich überwachen.

„Ich entschuldige mich aufrichtig dafür, bei vielen unserer Kunden Besorgnis wegen der Rückrufe mehrerer Modelle in mehreren Regionen verursacht zu haben.“ „Glauben Sie mir! Die Autos von Toyota sind sicher“, beteuerte Toyota und Und entschuldigte sich nach Landessitte
mit tiefer Verbeugung. Er räumte ein, dass sich der Konzern in einer Krise befinde.

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Größte Rückrufaktion in der Toyota-Geschichte

Der Enkel des Unternehmensgründers äußerte sich erstmals in aller Öffentlichkeit zu dem Debakel. Kritiker werfen ihm vor, zu lange geschwiegen zu haben. Bisher hatte er sich nur am Rande des Weltwirtschaftsforum in Davos geäußert und in einem Brief die Kunden um Entschuldigung gebeten.

Toyota musste vor zwei Wochen eine der größten Rückrufaktionen der Geschichte starten. Weltweit sind rund acht Millionen Autos von klemmenden Gaspedalen und von Fußmatten betroffen, die die Pedale zu verkeilen drohen. Besonders häufig sind in den USA verkaufte Fahrzeuge betroffen. Das US-Verkehrsministerium hatte am Donnerstag eine offizielle Untersuchung der Probleme bei Toyota eingeleitet. „Sicherheit ist unser höchstes Anliegen“, sagte US-Verkehrsminister Ray LaHood.

Beschwerden in den USA und Japan

Der Autobauer plant nach Angaben des japanischen Verkehrsministeriums auch, sein wegen Bremsproblemen in die Kritik geratenes Erfolgsmodell Prius zurückzurufen. Ressortchef Seiji Maehara sagte am Freitag, er habe von seinen Mitarbeitern erfahren, dass der Konzern die Hybridfahrzeuge in die Werkstätten beordern wolle.

Toyota selbst wollte das nicht bestätigen. „Ich habe angewiesen, so schnell wie möglich
Maßnahmen auszuarbeiten“, sagte Akio Toyoda. Sobald eine Entscheidung getroffen sei, würden die Schritte bekanntgegeben.

Nach Medienberichten bereitet der Konzern einen Rückruf von bis zu 300.000 Autos vom jüngsten Modell der Prius-Reihe vor. Der Hybrid war im vergangenen Jahr das bestverkaufte Auto des Konzerns. Der Wagen gilt als Pioniermodell. Die neueste Prius-Version kam im Mai 2009 auf den Markt. Seitdem wurden 311.000 Exemplare verkauft.

In den USA und Japan hat es beinahe 200 Beschwerden wegen des Problems gegeben. Vier Unfälle mit zwei Leichtverletzten sollen passiert sein, weil die Bremswirkung mitunter erst nach kurzer Verzögerung oder plötzlich zu stark eingetreten sei, teilte die US-Autobahnsicherheitsbehörde mit.

Wie der Prius funktioniert

Der Prius besitzt nicht nur zwei Motoren – Elektro- und Benzinantrieb -, sondern auch zwei verschiedene Möglichkeiten abzubremsen: durch ganz gewöhnliche Scheibenbremsen oder durch den elektrischen Widerstand des Generators. Eine Software entscheidet, wie der Prius verzögert. Drückt der Fahrer nur leicht aufs Bremspedal, verzögert der Generator. Bei einem stärkeren Tritt aufs Pedal, greift die herkömmliche Bremse. Beim zögerlichen Betätigen der Bremse kann es darum zu einem synthetischen Pedalgefühl wie in einem Computerspiel kommen.

Nach dem weltweiten Rückrufdebakel wegen klemmender Gaspedale sind die Prius-Probleme ein weiterer Schlag für den größten Autobauer der Welt. Toyota hatte am Donnerstag allerdings angekündigt, trotz des bisherigen Rückrufdebakels im laufenden Geschäftsjahr den operativen Verlust deutlich zurückzufahren und unter dem Strich sogar in die Gewinnzone zurückkehren zu können.

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