Diverses Transportversicherer geraten ins Schleudern

Transportversicherer geraten ins Schleudern

Transportversicherer geraten ins Schleudern

Beitragsschock für Fuhrunternehmer: Per Gesetz zur Verkehrshaftungsversicherung verpflichtet, setzen ihnen die Versicherer nun massiv die Prämienzahlungen herauf. impulse.de gibt einen Überblick über die Branche und hat Angebote der Versicherer für zwei Modellfälle eingeholt.

Nach mehreren schlechten Geschäftsjahren, in denen Axa, Allianz, Gerling und Co. im Transportbereich für Schadenregulierung und Verwaltung mehr ausgaben als sie an Prämien einnehmen konnten, ziehen sich einige Anbieter komplett aus dieser Versicherungssparte zurück. Für Fuhrunternehmer, die nach Paragraf 7a Güterkraftverkehrsgesetz ihre Güterschaden-Haftpflicht bei einer Versicherung decken müssen, wird es immer schwieriger, günstige Angebote zu finden.

Ein undurchsichtiger Markt

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impulse.de hat Angebote der Versicherer für zwei Modellfälle eingeholt. Wie sich zeigte, sind die Unterschiede bei den Prämien – aber auch bei den Leistungen – hoch. Dazu kommt, dass die Versicherer für die interne Risikobewertung immer mehr und unterschiedliche Faktoren zu Rate ziehen. Das können Umsatzzahlen, bisherige Schadensquoten oder verwendete Sicherungssysteme sein – die Vergleichbarkeit der Angebote leidet. Bei manchen Anbietern gibt es Transportversicherungen nur noch für Kunden, die gleichzeitig auch andere Policen kaufen. Andere ziehen sich einstweilig vom Markt zurück.

So teilte der Versicherungskonzern Axa auf impulse.de-Anfrage mit, dass keine Angebote gemacht werden könnten. Der Geschäftsbereich werde momentan komplett restrukturiert. Erst ab Herbst stehen die neuen Konditionen fest. Der in der Branche sehr bekannte Versicherungsmakler Schunck lehnte ein Angebot ebenfalls ab. Die Lage sei „außerordentlich gespannt“ und es könne keine Vergleichbarkeit hergestellt werden. Auch die Allianz zierte sich, ihre Karten auf den Tisch zu legen: „Die Allianz möchte sich an diesem Vergleich nicht beteiligen. Ein solch standardisiertes Angebot berücksichtigt nicht die objektiven und subjektiven Risikoverhältnisse eines Kunden.“ Wie der sich dann ein faires Bild vom Markt machen soll, bleibt offen.

Ruinöser Preiskampf mit Konsequenzen

Branchenkenner bestätigen die prekäre Lage bei den Transportversicherern: „Dieser Bereich ist das Sorgenkind der gesamten Versicherungswirtschaft“, sagt Katrin Rüter de Escobar vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. „Die guten Jahre der Transportversicherer waren die späten Achtziger“, erinnert sich Manfred Sievers vom Hamburger Versicherer Kravag. Seitdem seien die Schadensquoten im zunehmenden Transport nach Osteuropa und auch innerhalb des europäischen Binnenmarktes permanent gestiegen. Die Versicherer hätten sich dennoch einen ruinösen Preiskampf geliefert, um ihre eigenen Marktanteile auszuweiten. Die Quittung: Für 100 Euro eingenommene Prämien mussten sie im letzten Jahr 126 Euro für Schadensabwicklung und Verwaltung ausgeben.

Der Prämienvergleich

Impulse.de hat Angebote für folgende zwei Beispielfälle eingeholt:

  • Fall 1: Ein mittelständisches Fuhrunternehmen mit Zielschadenquote von 60 Prozent (d.h. bei 100 Euro Prämienzahlung erwartet der Versicherer eine Schdenssumme von 60 Euro) möchte einen Lkw mit einer Haftungssumme von 1 Million Euro decken. Das Transportgut besteht aus Unterhaltungselektronik (Fernsehgeräte, Audioanlagen). Versicherungsdauer 1 Jahr.
  • Fall 2: Transportgut: normales Stückgut von variablem Wert, alle anderen Parameter wie in Fall 1.

Anmerkungen zu den Versicherern:

1) Gerling: Gilt für Deutschland und Europa (außer Italien, Rumänien, Bulgarien und ehemalige GUS-Staaten)

2) Gothaer: Prämie unabhängig von Güterart, Maximaldeckung 40 SZR pro Kilo. Rechnerische Haftungssumme daher nur 542.416 Euro. Selbstbeteiligung 100 Euro je Schaden. Keine Einzelversicherung

3) Kravag: Zzgl. Versicherungssteuer; Voraussetzung: innerdeutscher Transport mit Kofferfahrzeug, Haftungsbegrenzung 8,33 SZR, nur in Verbindung mit Betriebshaftpflichtversicherung erhältlich.

4) Securitas: Jeweils netto, Haftungsgrenze 8,33 SZR; 40 SZR mit 50% Aufschlag, Flottenrabatt ab 6 Fahrzeuge 20%, keine Selbstbeteiligung.

Doch Achtung: Hinter den günstigen Angeboten verstecken sich oft starke Begrenzungen der Haftungssummen. Viele Versicherer unterbreiten nur noch Angebote mit individueller Risiko-Analyse, so dass sich im konkreten Einzelfall andere Prämien ergeben können.

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