Diverses Turnarounder des Jahres – „Es gibt kein Unternehmen, bei dem es immer nur aufwärts geht“

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Ungleiches Paar: Josef Kleebinder (l.) und Rainer Mayer

Ungleiches Paar: Josef Kleebinder (l.) und Rainer Mayer© Uli Regenscheit für impulse

Als in der Finanzkrise 2009 die Bestellungen wegbrachen, musste die Firma Mayer & Cie GmbH & Co. KG in die Planinsolvenz. Gemeinsam schafften die Geschäftsführer Rainer Mayer und Josef Kleebinder den erfolgreichen Turnaround. Hier lesen Sie die Laudatio von Albrecht von der Hagen, Hauptgeschäftsführer beim Verband „Die Familienunternehmer – ASU“.

Heute Abend ehren wir ein besonderes Unternehmen. Die jüngere Geschichte der Mayer & Cie GmbH & Co. KG hat es wirklich in sich. Auf der einen Seite sieht man, wie schnell es eng werden kann für ein Unternehmen. Auf der anderen Seite aber, sieht man auch wie wichtig es ist, durchzuhalten.

Herr Mayer, Herr Kleebinder, nachdem ich mich mit Ihrem Turnaround beschäftigt habe, kann ich nur sagen: Hut ab! Sie haben nicht nur eine schwierige Situation gemeistert, sondern auch richtig Mumm bei Ihren Entscheidungen bewiesen!

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Was war passiert? Eine gute Auftragslage verdeckte strukturelle Defizite. Es gab zwar schon 2004 Restrukturierungsmaßnahmen, aber nicht beherzt genug. Vor allem brachte die damalige Sanierungs-Betriebsvereinbarung eine gefährliche Unflexibilität für jeden künftigen Personalabbau. Als 2009 die Bestellungen wegbrachen, half nur noch eine Planinsolvenz. Ein solcher Schritt ist nicht schön für die Mitarbeiter und auch nicht schön für die Gesellschafter-Familien. Aber eine Planinsolvenz funktioniert nach dem Motto der Bremer Stadtmusikanten: „Etwas Besseres als den Tod finden wir überall.“ Man muss allerdings auch eine klare Idee davon haben, wie man die Planinsolvenz nutzen will. Ab 2010 ging es bereits wieder aufwärts. Diese Leistung ist vor allem Ihnen, den Geschäftsführern, zu verdanken.

Bemerkenswert ist die Aufgabenteilung zwischen Ihnen: Herr Mayer als in der Branche bekannter Vertreter der Familie kehrte ins operative Geschäft zurück, was bei den Kunden beruhigend wirkte. Und Herr Kleebinder kam als familienfremder Geschäftsführer dazu, weil Sie Sanierungserfahrung haben.

Sie haben teils unpopuläre, teils sehr mutige Schritte vollzogen, um das Unternehmen zu sichern und Ihren Standort in Deutschland zu erhalten. Im gleichen Zuge haben Sie sich aber international breiter aufgestellt. In einer solchen Krisen-Situation im Ausland Zukäufe zu tätigen, meine Herren, das nötigt mir viel Respekt ab. In jedem Falle ist es Ihnen so gelungen, das Unternehmen wieder auf Kurs zu bringen. Die Banken und Lieferanten, wie auch die Mitarbeiter – das wollen wir nicht verschweigen – haben ihren Teil beigetragen. Aber auch die Gesellschafter haben mitten in der Krise neues Kapital nachgeschossen. Und das nicht zu knapp.

Es ist faszinierend zu sehen, wie Sie beide in einem hart umkämpften Weltmarkt so an das Unternehmen geglaubt haben.

All dies zusammen brachte die gewünschten Wirkungen, die Geschäftszahlen verbesserten sich stetig und die Eigenkapitalquote wuchs in Höhen, die eine gewisse Sicherheit gaben. Sie wachsen gegen den Branchentrend und finanzieren Ihre Investitionen aus dem Cash-Flow! Ihr Unternehmen ist wieder wer!

Diese Geschichte, die Sie da geschrieben haben, ist nicht nur für Sie persönlich ein großartiger Erfolg, sondern sollte allen Mut geben. In Deutschland wird Scheitern viel zu oft verurteilt. Dabei wissen alle Unternehmer, wie schnell man in Schwierigkeiten kommen kann. Aber Sie haben bewiesen, dass man mit Tatkraft, mutigen Reformen und dem Durchsetzen notwendiger Entscheidungen zurück in die Erfolgsspur kommt. Man muss halt im Wortsinne etwas „unternehmen“, um vorne dabei zu bleiben und einen Abwärtstrend zu brechen.

Bei Lichte betrachtet gibt es eigentlich kein Unternehmen, bei dem es immer nur aufwärts geht. Vom früheren Forschungsminister Riesenhuber stammt ein Satz, der auf die Geisteshaltung von Unternehmern passt: „Der einzige Weg, nie auf die Schnauze zu fallen, ist der, ständig auf dem Bauch zu kriechen.“ Auf die Schnauze zu fallen gehört zum Leben. Entscheidend ist: Wieder aufstehen! Das sollten alle etablierten Unternehmer häufiger kommunizieren! Denn gerade potenzielle Unternehmens-Nachfolger und noch mehr potentielle Gründer lassen sich allzu oft abschrecken. Dabei ist es für unsere Gesellschaft von immenser Wichtigkeit, dass Menschen Innovationen antreiben, Investitionen tätigen und Arbeitsplätze schaffen.

Daher sollten wir Gründer ermutigen, selbstbewusst unternehmerisch tätig zu sein und auch in schwierigen Zeiten den Kopf hochzuhalten und weiter zu machen. Deshalb ist die Signal-Wirkung dieses Turnarounder-Preises so wichtig!

Sie, Herr Mayer und Herr Kleebinder, haben gezeigt, was alles möglich ist, wenn man an sich und das Potenzial seines Unternehmens glaubt. Und für dieses Signal sind wir hier im Saal Ihnen sehr dankbar! Ich denke, dass wir mit Ihnen beiden die richtigen Turnarounder auszeichnen. Sie haben sich diese Ehrung sehr verdient.

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