Diverses Über Kartensysteme lokal positionieren

Kunden suchen Unternehmen heute lokal im Internet über Kartendienste wie Google Maps oder Bing. Für Firmen heißt das: Sie müssen gefunden werden.

Als Innenarchitekt kann Holger Beisitzer nicht auf Laufkundschaft warten. Denn es ist unwahrscheinlich, dass jemand an seinem Büro in der Köpenicker Straße in Berlin-Kreuzberg
vorbeischlendert und dann spontan entscheidet, Parkettfußboden und Wandfarbe
besser aufeinander abzustimmen.

Kunden finden den Innenarchitekten per Internet: Der Unternehmer und seine beiden Kolleginnen Juliane Moldrzyk und Inga Schulze, die sich vor drei Jahren als Raumdeuter GbR selbstständig gemacht haben, erscheinen auf Rang zwei der Ergebnisliste, wenn jemand in
der Internetsuchmaschine Google Maps „Innenarchitekt + Berlin“ eintippt. Auf einer Karte der Hauptstadt ist das Büro mit einer stilisierten Stecknadel markiert. Sogar mit Foto. „Die Hälfte unserer Kunden stoßen so auf uns“, sagt Beisitzer. „Und seit wir bei Google Maps sind,
bekommen wir doppelt so viele Aufträge.“ Die Berliner Innenarchitekten nutzen die Möglichkeiten von Deutschlands wichtigster Internetsuchmaschine sehr konsequent. „Für Mundpropaganda sind wir noch zu jung“, sagt Beisitzer. „Daher ist das Internet für uns sehr
wichtig.“

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Kartenangebot im Vergleich

Google Maps:
Mit einem Marktanteil von mehr als 90 Prozent bei Suchmaschinen dominiert Google auch die lokale Suche. Das Maps-Angebot listet Firmen nach ihrer Nähe zum Zentrum der gewünschten
Stadt, nach der Zahl der Kundenbewertungen und Links auf anderen Seiten.
maps.google.de

Microsoft Bing Maps:
Früher unter dem Namen MSN, jetzt als Bing versucht Softwaregigant Microsoft, sich gegen den Platzhirschen Google zu positionieren. Bislang liegt der Marktanteil der Suchmaschine unter vier Prozent.
www.bing.com/maps

Apple Placebase:
Im Juli hat der US-Computerhersteller den Kartendienst Placebase übernommen, um Google
Maps künftig Konkurrenz zu machen – vor allem auf dem hauseigenen Edelhandy iPhone. Noch ist nichts zu sehen.
www.apple.de

Viele Nutzer rufen direkt Google Maps auf, sagt Patrick Singer, Produktexperte bei Google Deutschland. „Vor allem, weil sie sich da per Routenplaner gleich eine Wegbeschreibung anzeigen lassen und ausdrucken können.“ Seit 2006 ermöglicht es der Dienst, Orte, Hotels oder eben Unternehmen nach ihrer Position auf der Karte zu suchen. Inzwischen zeigt die Google-Suchmaschine ganz oben automatisch die wichtigsten Karteneinträge mitsamt ihrer Lage an.

Wie aber kommen Unternehmen zu einem hohen Google-Maps-Rang? Wer Singer danach fragt, erhält eine für Google typische sibyllinische Antwort: „Unser Algorithmus sortiert die Einträge nach der Relevanz, die sie für den Nutzer haben.“ Experten für Suchmaschinenoptimierung wie Socha wissen mehr: Es ist nämlich kein Hexenwerk, vorn zu landen.

Auch für etablierte Unternehmen gewinnt das Netz an Bedeutung: „Die lokale Suche verlagert sich zunehmend weg von den klassischen Branchenbüchern ins Internet“, sagt Sebastian Socha, Suchmaschinenexperte beim Onlineverzeichnis Kennstdueinen.de. Und wer im Internet
sucht, startet fast immer bei Google: 93 Prozent aller deutschen Rechercheanfragen im Netz laufen nach einer Studie des Fachmagazins „Internet World Business“ über die Server des kalifornischen Konzerns. Wer also in Berlin Wohnung oder Büro umgestalten möchte und nicht zufällig schon einen Innenarchitekten kennt, der schaut mit hoher Wahrscheinlichkeit bei Google nach.

Erstens: Firma anmelden
Der erste Schritt zu einem gut platzierten Eintrag bei Google Maps: Unternehmer tragen ihre Firma im „Branchencenter“ ein. Das findet sich sofort über die Google-
Suche, kostet nichts, und man braucht nicht mal eine eigene Internetseite. Im Klartext: Hier können Nutzer auch kleine Handwerksbetriebe finden, die noch nicht einmal E-Mail benutzen.

In die Eingabemaske gehören: der Name des Unternehmens am besten mit der Branchenbezeichnung und der Stadt. Also: „Raumdeuter GbR Innenarchitekten Berlin“. Dann die vollständige Anschrift mit möglichst vielen Kontaktdaten. Besonders wichtig sind die „Kategorien“, unter denen potenzielle Kunden die Firma später finden sollen. Ein Anwalt könnte zum Beispiel Suchwörter wie „Rechtsbeistand“, „Vertretung vor Gericht“ oder „Rechtsberatung“ speichern. Außerdem lassen sich hier zum Eintrag ein Foto hochladen sowie Betriebszeiten
und Zahlungsoptionen angeben.


Größere Kartenansicht

Google-Suchergebnisse zu „Innenarchitekt Berlin“

Zweitens: für Querverweise sorgen
Der Eintrag allein nützt indes wenig, um in der Liste der Konkurrenten oben zu erscheinen. Google sortiert die Suchergebnisse nämlich vor allem nach den Verweisen auf anderen Websites. Am wichtigsten sind Branchenverzeichnisse. Je häufiger die eigene Firma dort mit der
korrekten Adresse auftaucht, desto höher stuft Google den Maps-Eintrag. Die Leipziger Anwältin Grit Lehmann hat ihre Kanzlei bei diversen juristischen Suchdiensten angemeldet, etwa bei Anwalt. de. „Das ist nicht ganz billig“, sagt Lehmann. „Aber dort finden mich mögliche Kunden
– und Google sucht solche Verzeichnisse automatisch ab.“

Vor allem Privatkunden, sagt die Juristin, werden durch den Maps-Dienst auf sie aufmerksam. Auch Kundenbewertungen treiben
den Maps-Eintrag nach oben. Je mehr positive Bewertungen eine Firma hat, desto besser. Der Suchmaschinenbetreiber hat dazu eigens Verträge mit Bewertungsplattformen wie Qype.de getroffen. Mit welchen, das sehen Unternehmer, indem sie unter Google Maps probeweise
nach Konkurrenzfirmen suchen und sich dann deren Bewertungen anschauen. Ihre eigenen Kunden können sie dann bitten, auf den Portalen ein Urteil abzugeben. Ein Hinweis auf der Rechnung – oder auf einer Postkarte – genügt.

Drittens: Website optimieren
Wer eine eigene Website hat, sollte sie zusätzlich im Google-Sinne verbessern. Die Berliner Innenarchitekten von Raumdeuter haben im sogenannten Quellcode (dem Bauplan der Homepage) angegeben, unter welchen Begriffen sie gefunden werden wollen: „Innenarchitekt“
steht da, aber auch „Interior Design“, „Raumgestaltung“, „Innenarchitektur“, „Wohnberatung“. Je mehr dieser Schlüsselwörter im Quelltext auftauchen, desto häufiger stoßen Kunden auf die Raumdeuter. Und das wiederum sorgt für ein hohes Ranking bei Google Maps. „Man braucht aber Geduld“, warnt Raumdeuter-Gründer Beisitzer. „Wenn man die Homepage verändert, kann es gut sechs Monate dauern, bis sich die Wirkung bei Google Maps zeigt.“

Viertens: Platzierung kaufen
Schneller geht es, wenn man Geld investiert. Unternehmer können ein Adword buchen, wie die Anzeigen bei Google heißen. Dieses erscheint – gelb hinterlegt – vor allen anderen Einträgen. Die Kosten: eine einmalige Aktivierungspauschale von fünf Euro. Und dann eine Gebühr
für jede Suchanfrage, die zu dem Adword passt – sie wird nach einem komplizierten System berechnet und kann sich bei häufigen Schlüsselwörtern schnell auf einige Hundert Euro
addieren. Die andere Möglichkeit: professio-nelle Suchmaschinenoptimierer, die die Website
und die Einträge in verschiedenen Internetverzeichnissen so verändern, dass die Firma stets vorn liegt. So das Versprechen. Anwältin Lehmann und Innenarchitekt Beisitzer jedenfalls bekommen mehrmals in der Woche entsprechende Anrufe solcher Firmen. „Das kostet aber schnell 1000 Euro oder mehr“, sagt Beisitzer. „Man kann es auch selbst machen.“ Er investiert jeden Monat eine Stunde. Und sichert sich auch so die besten Plätze.

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