Diverses Umstrittene Abstraktionen

Ernst Wilhelm Nay (1902 - 1968) zählte zu den wichtigsten abstrakten Künstlern in Deutschland. Sein Spätwerk war bei den Zeitgenossen jedoch umstritten. Speziell diese Werkphase stellt die Schirn Kunsthalle Frankfurt nun mit zeitlichem Abstand wieder zur Diskussion. Die Ausstellung "E.W. Nay: Bilder der 1960er Jahre“ rekonstruiert auch den Nay-Raum auf der Documenta 1964, der die Kontroverse um den Künstler auslöste.

Waren auf Frühwerken Ernst Wilhelm Nays noch stilisierte Landschaften und Figuren zu erkennen, so wandte er sich um 1950 ganz der Abstraktion zu. Um nie in lähmende Routine zu verfallen, begann er immer neue Werkserien. Seinen Durchbruch in Europa und den USA brachten die „Scheibenbilder“: Nay ordnete große und kleine Scheiben zu Farbchoreografien. Darauf folgten die „Augenbilder“: Nay strich die Scheiben einfach durch, und nach gegenständlichen Motiven lechzende Betrachter entwickelten die Assoziation von Augen. Nays letzte Phase waren die „Elementaren Bilder“ mit Farbbändern, Bögen, Ketten, Spindeln und Ovalen. Diese Werke, denen die Schirn Kunsthalle Frankfurt jetzt eine eigene Ausstellung widmet, kamen nicht mehr an. Deshalb sind sie nur selten in Museen und Privatsammlungen zu finden.

Zum einen hatte sich Nay zu weit von seinen früheren Motiven entfernt. Zum anderen brachte ihn die Präsentation von drei Augenbildern auf der Documenta 1964 in die Kritik: Ihnen war ein eigener Raum gewidmet, und sie hingen dort von der Decke und überragten damit alle anderen Kunstwerke. In der „Zeit“ polemisierte der Maler und Kunstkritiker Hans Platschek gegen die herausgehobene Position von Bildern, die er „nichtssagend“ fand. Er ignorierte, dass die Platzierung nicht Nays Idee war, sondern die des Documenta-Leiters Arnold Bode.

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Den umstrittenen Documenta-Raum mit den Originalwerken rekonstruiert nun die Ausstellung in der Schirn Kunsthalle Frankfurt. In zwei weiteren Räumen zeigt sie rund 30 großformatige Spätwerke und 85 Arbeiten auf Papier. Diese Zeichnungen – eine Auswahl aus mehr als 2500 Grafiken, die Nay in seinen letzten Lebensjahren schuf – sind teilweise Vorstudien zu den großen Gemälden. Der Künstler hielt sich aber nie exakt an seine Skizze, sondern überarbeitete sie stets mit ungebrochener Kreativität.

Die Ausstellung „E.W. Nay: Bilder der 1960er Jahre“ ist vom 22. Januar bis zum 26. April in der Schirn Kunsthalle Frankfurt zu sehen und anschließend, vom 7. Mai bis zum 5. Juli, im Haus am Waldsee, Berlin. Die Öffnungszeiten in Frankfurt: dienstags sowie freitags bis sonntags zehn bis 19 Uhr, mittwochs und donnerstags zehn bis 22 Uhr. Der Eintritt kostet sieben Euro.

Weitere Informationen:

www.schirn.de

Telefon (069) 2998820.

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