Diverses Und sie wissen von nichts

Klaus Schweinsberg, Herausgeber

Klaus Schweinsberg, Herausgeber

Hüten Sie sich vor Politikern, die Ludwig Erhard zitieren. Oder Hayek. Oder Schumpeter. Denn diese Bildungsphilisterei in Sachen Ökonomie hat in Wahrheit nur einen Zweck: nämlich abzulenken. Erstens von der mangelnden wirtschaftlichen Grundausbildung des Betreffenden. Und zweitens, das ist schlimmer, von seiner eigenen wirtschaftspolitischen Ideenlosigkeit.

Besonders geschmacklos frevelt
die politische Klasse das Erbe Ludwig
Erhards. Christ- wie Sozialdemokraten
berufen sich jeweils genau dann
auf seine „Soziale Marktwirtschaft“,
wenn ihnen der Mut fehlt, an den
Wohlfahrtsstaat wirklich Hand anzulegen.

Erhards berühmte Erfolgsformel „Wohlstand für alle“ heißt für die Politiker, und zwar gleich welcher Couleur, umverteilen; und zwar das,
was wir im Zweifelsfalle gar nicht besitzen.
Darauf beruht heute unser gesamtes
Sozialversicherungssystem. Das hat Ludwig Erhard so nie gewollt. Wie er sich die Marktwirtschaft vorstellte, ist in seinem Buch „Wohlstand für alle“ unmissverständlich
beschrieben: „Ich will mich aus eigener
Kraft bewähren. Ich will das Risiko
des Lebens selbst tragen, will für
mein Schicksal selbst verantwortlich
sein. Sorge du, Staat, dafür, dass ich
dazu in der Lage bin.“

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An dieser Stelle sei
auch ins Gedächtnis
gerufen, dass das Kindergeld,
integraler Bestandteil
des nachkriegsdeutschen
Sozialsystems,
eben keine Erhard’sche Erfindung
war. Nein, es waren die Nationalsozialisten,
die dieses Instrument aus mehr als zweifelhaften Gründen installiert haben, ebenso wie die Kinderfreibeträge bei der Steuer, die Kilometerpauschale
oder die gesetzliche Krankenversicherung für Rentner. Und zwar, um die Bevölkerung mit
Gefälligkeiten bei Laune zu halten.
Koste es, was es wolle.

Würden die politisch Verantwortlichen
von heute endlich selbst einmal
ein Buch von Erhard, Hayek oder
Schumpeter zur Hand nehmen, anstatt
ihre Referenten in den entsprechenden
Zitatensammlungen blättern
zu lassen, müssten sie gewaltig erschrecken.
Denn alle drei halten ihnen
auf geradezu prophetische Weise
den Spiegel vor.

Wie könnte man die Reformen
Schröders und die Pläne der Union
besser beschreiben, als dies Erhard bereits
1974 getan hat: „Was sind das für
Reformen, die uns Wände voller neuer
Gesetze, Novellen und Durchführungsverordnungen
bringen? Liberale
Reformen sind es jedenfalls nicht. Es
sind Reformen, die in immer ausgeklügelterer
Form Bürger in neue Abhängigkeiten
von staatlichen Organen
bringen, wenn nicht sogar zwingen.“

Wer da raus will, muss endlich
aufhören, wieder und wieder die Ideen
zugegebenermaßen brillanter Vordenker
zu bemühen. Und stattdessen
selbst nachdenken. Was Deutschland
jetzt braucht, sind keine Zitate. Sondern
Originale.

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Klaus Schweinsberg, Chefredakteur

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