Diverses Unflätige Kollegen müssen erst abgemahnt werden

Wird ein Mitarbeiter wegen sexueller Belästigung entlassen, so muss der - fristlosen oder ordentlichen - Kündigung eine Abmahnung vorausgehen. Das hat das Landesarbeitsgericht Hannover entschieden.

Im vorliegenden Fall hatte ein Angestellter einer untergebenen Kollegin gegenüber mehrmals anzügliche Bemerkungen gemacht und wurde deswegen ohne vorherige Abmahnung entlassen. Das sei unverhältnismäßig und nur in Extremfällen möglich, urteilten die Hannoveraner Richter (Az.: 1 SA 832/09).

Der Mann war 14 Jahre als Gärtner in Diensten der Stadtverwaltung Hannover gewesen und hatte der Kollegin ungefragt mitgeteilt, dass er sie „auch nicht von der Bettkante stoßen würde“. Er halte es für „schade“, dass sie „schon vergeben“ sei. Obendrein äußerte er sich despektierlich darüber, dass die Mitarbeiterin vierfache Mutter war. Die Stadtverwaltung hörte daraufhin alle Beteiligten an. Mit der Begründung, sie wolle ihre weiblichen Arbeitnehmer vor sexueller Belästigung schützen, warf sie den Gärnter ohne vorherige Abmahnung raus.

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Das Landesarbeitsgericht kassierte die Kündigung wieder. Zwar könnten sexuelle Belästigungen auch ohne Abmahnung eine Kündigung rechtfertigen, allerdings setze das eine massive Entgleisung voraus, urteilten die Richter. Ein Extremfall sei es etwa, wenn die Belästigung zu einem „sexuellen Entgegenkommen“ der untergebenen Person gegenüber ihrem unflätigen Chef geführt habe. Weil sich der Gärtner aber auf wörtliche Anzüglichkeiten beschränkt hatte, musste er vorher abgemahnt werden. Zudem hätte die Stadtverwaltung als milderes Mittel prüfen müssen, ob sie den Mann nicht versetzen könne.

Die Stadt Hannover muss den Gärtner nun weiter beschäftigen, bis das Urteil rechtskräftig ist – und für mehrere Monate Gehalt nachzahlen.

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