Diverses Ungeduscht, geduzt und ausgebuht

Der große Matthias Ernst ist auf Lesereise – und demnächst kommt er auch in Ihre Stadt: Wie – den kennen Sie nicht? Haben Sie noch nie von dem Kleist-Preisträger gehört – dem Autor solch wundervoller Bücher wie "Mein schwer erziehbarer schwuler Schwager aus der Schweiz."

Oder auch „Ungeduscht, geduzt und ausgebuht.“ Gut erkannt: Natürlich sind das alles Buchtitel von Max Goldt. Aber dieser Name ist doch nur ein Pseudonym. Wer heißt schon von Geburt an Blixa Bargeld, Fips Asmussen, Greta Garbo oder von mir aus auch Max Goldt? Er hätte sich genauso gut Johnny Silver oder Papst Pippi nennen können. Oder sogar Max Ernst? Nee, das geht nicht – dann hätte er ja Maler werden müssen. Also: Max Goldt heißt in Wirklichkeit Matthias Ernst – das können Sie sogar bei Wikipedia nachlesen.

Jetzt aber wieder zum Thema. Max Goldt – dieser Ex-Ernst – hat zwei neue Humor-Bücher geschrieben, die er seinem Publikum nahebringen will. Sie heißen „Nackt in einem Märchenschloss voll wirklich schlechter Menschen“ und „Gattin aus Holzabfällen“. Letzteres enthält nicht nur Texte sondern auch ganz viele Bilder. Wie er das bei der Lesung rüberkriegt? Ich habe keine Ahnung. Vielleicht hat er ja einen Beamer dabei. Oder er beschreibt die Bilder in Gebärdensprache. Oder – noch besser – er reißt sie aus seinem Buch und reicht sie durch die Zuschauerreihen. Bei Menschen, die aus Göttingen kommen und dann in die Großstadt emigriert sind, weiß man ja nie.

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Vor seiner literarischen Karriere versuchte sich Max Goldt übrigens als Musiker. In den frühen 80ern veröffentlichte er Neue-Deutsche-Welle-Platten mit merkwürdigen Titeln wie „Schimmliges Brot“ oder „Eine Königin mit Rädern unten dran“. Ob der ehemalige Fotograf tatsächlich ein so skurriler Kauz ist, wie seine Texte nahelegen – das können Sie ja bei den anstehenden Lesungen hautnah überprüfen. Sätze wie „Im Museum schaue ich am liebsten aus dem Fenster“ oder „Wein ist, was man trinkt, wenn das Bier alle ist“ weisen ihn nicht grade als Vollblut-Ästheten aus. Und Kneipen scheint er auch nicht abzukönnen. In seiner Geschichtensammlung „Die Radiotrinkerin“ schimpft er über „Blödmänner“ und „Blödfrauen“, die in irgendeiner verqualmten mit schlimmer Musik beschallten Schenke Weizenbiere in sich hineinschütten. Apropos Kneipe: An Wirtschaft scheint er – das freut uns natürlich ganz besonders – trotzdem interessiert zu sein. So reimte er schon in einem frühen Gedicht: „Der Dollar fällt, der Dollar steigt. Der eine bläst, der andere geigt.“

Jetzt müssen wir unseren kleinen literarischen Exkurs jedoch beenden. Der mittlerweile mit ganz vielen Preisen dekorierte Wahlberliner mag es nämlich gar nicht, wenn man ihn unvorteilhaft zitiert. Selbstverständlich gibt es auch dafür ein passendes Zitat des Meisters: „Zitiere nie Max Goldt zum Scherz, denn er fühlt wie du den Schmerz.“

Weitere Infos finden Sie auf der Website katzundgoldt.de.

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