Diverses Unruhige Finanzmärkte: Handeln oder warten?

Aktienverlauf: Zehn Aktien für Krisenzeiten

Aktienverlauf: Zehn Aktien für Krisenzeiten© dpa

Finanzkrise und starke Kursschwankungen in den vergangenen Wochen haben die Anleger verunsichert. Sie fragen sich, ob das ein guter Einstiegszeitpunkt sein kann? Zumindest die dramatische Veränderung der steuerlichen Rahmenbedingungen spricht bei langfristig orientierten Investoren für einen Einstieg.

Zwei Seelen wohnen derzeit in der Brust der Anleger: Aufgrund der Finanzkrise wollen sie von weiteren Investments – auch in Fonds – eigentlich nichts wissen. Zu unsicher scheint ihnen die Lage. Doch andererseits macht die ab dem 1. Januar 2009 geltende Abgeltungsteuer ein rasches Investment noch vorm Jahresende attraktiv. Denn dann wird das Finanzamt bei vielen Investments gieriger.

Vor allem für langfristig orientierte Investoren, die Aktien kaufen, ist die steuerliche Veränderung ein riesengroßes Ärgernis. Konnten diese bisher Kursgewinne nach mindestens zwölf Monaten Haltedauer steuerfrei vereinnahmen, schlägt der Fiskus ab dem kommenden Jahr gnadenlos zu. Der Staat kassiert dann unabhängig von der Haltedauer saftige 25 Prozent aller Kapitalerträge – mit Solidaritätszuschlag und eventuell Kirchensteuer gehen also auf jeden Fall bis zu 28 Prozent an den Staat.

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Wer selten umschichtet, muss tief in die Tasche greifen

Ein Beispiel macht die Auswirkungen der neuen Steuerregeln deutlich: Investiert ein Anleger beispielsweise 100.000 Euro und verdient er damit über Kursertäge jedes Jahr sieben Prozent , erhält er nach 20 Jahren Laufzeit unter den bisherigen Bedingungen eine stolze Summe von 386.900 Euro. Abzüglich der Abgeltungssteuer bleiben Anlegern, die erst nach Jahrewechsel investieren, am Ende aber bis zu 80.000 Euro weniger – ein deutlicher Verlust.

Gerade Anleger, die ihr Depot bislang alle zwei bis drei Jahre umgeschichtet haben, kommt die neue Regelung teuer zu stehen. Sie müssen überlegen, ihr Anlageverhalten umzustellen. Denn wenn das Depot zum Jahresende steht, lohnt sich Geduld. Dann fällt das langfristig ausgerichtete Depot, wenn nicht wieder Geld umgeschichtet wird, noch unter das alte – in diesem Fall – günstigere Steuerrecht.

Wer unterjährig umschichtet, hat Vorteile

Durch den Wegfall der Spekulationsfrist lohnt die Abgeltungssteuer sich andererseits für Investoren, die ihr Depot bisher schon meist unterjährig wieder umgeschichtet haben, da diese nun statt dem persönlichen Steuersatz nur noch die Pauschalsteuer auf die Erträge abführen müssen.

Trotz dieser Rahmenbedingungen ist der große Ansturm auf die Fonds bisher ausgeblieben. Aufgrund der Börsenturbulenzen trauen die Anleger vor allem dem Aktienmarkt offensichtlich kaum noch über den Weg. Laut Statistik des Branchenverbandes BVI ist das in Aktienfonds investierte Volumen zuletzt sogar zurückgegangen – nicht nur im Hinblick auf die Abgeltungssteuer könnte sich das noch als Fehler herausstellen. Denn wer jetzt in langfristig orientierte Fonds investiert, kann doppelt profitieren: sowohl von günstigen Einstiegskursen als auch von der Steuerfreiheit der Kursgewinne – beim Kauf noch in diesem Jahr.

Attraktiv für eine dauerhafte Anlage sind vermögensverwaltende Produkte, die sich durch eine langfristige Erfolgsbilanz auszeichnen – wie zum Beispiel der Fidelity Target Fund 2030. Hierbei handelt es sich um einen Zielfonds, bei dem Profis das Geld je nach Marktlage selbstständig umverteilen. Der Anleger kann sich entspannt zurücklehnen – und zahlt vor allem die Abgeltungssteuer nur einmal ganz am Ende oder eben gar nicht, falls er noch 2008 kauft. Gegen Ende der Laufzeit wird hier das Vermögen verstärkt in risikoarme Anlageformen investiert, das verringert das Risiko des Fonds und sichert die Gewinne.

Geringes Verlustrisiko bei einer Laufzeit ab 15 Jahren

Bevor Anleger investieren, sollte sie sich über das Vorgehen klar werden und unter anderem entscheiden, welche von zwei üblichen Strategien der Fondsmanager bei dem ins Auge gefassten Fonds verfolgen soll. Die einen verlassen sich auf das sogenannte Markttiming, die Prognose für den richtigen Ein- und Ausstiegspunkt. In schlechten Zeiten schichten sie das Fondsvermögen auf risikoarme Anlageformen um, um Verluste zu vermeiden. Bei der alternativen Strategie gehen die Fondsmanager von einem inneren Wert der gekauften Papiere aus: In Baisse-Phasen steigen solche Fondsmanager nicht aus dem Aktienmarkt aus, sondern kaufen im Gegenteil Papiere nach, weil sie weiterhin an deren Potenzial glauben.

Einsteigen, wenn die Preise unten sind und keiner die Aktien haben will und dann kurz bevor der Höhepunkt erreicht ist, die Aktienquote abbauen, um die Gewinne voll mitzunehmen: Eventuell sprechen Anleger in einigen Jahren von einem Glücksfall, dass die Kurse damals 2008 – kurz vor der Einführung der Abgeltungssteuer – so stark zurückgegangen sind: Anleger können nämlich derzeit relativ günstig auf Einkaufstour gehen – und sind dann, wenn die Kurse steigen, wieder voll mit dabei. Und das mit deutlich weniger Steuern. Ganz egal, für welche Anlageform sich der Fondssparer letztlich entscheidet: Am sichersten ist es in jedem Falle, in verschiedene Anlageformen zu investieren. So kann man Gefahren klein halten, bei einer Laufzeit ab 15 Jahren geht das Verlustrisiko nach den Erfahrungen der Vergangenheit selbst bei Aktien gegen null.

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