Diverses Unseriöse Berater enttarnen

Jungunternehmer brauchen Starthelfer: für Finanzen, Marketing, Verträge. Doch nicht jede Beratung ist nötig, viele Anbieter sind sogar unseriös. Wer sich auf deren Ratschläge verlässt, riskiert seine Zukunft.

Viele Köche verderben den Brei. Das
alte Sprichwort ging Manuela
Boehden durch den Kopf, als sie
zusah, wie eine Bankberaterin ihren
Businessplan zerpflückte. Boehden war
bei der Berliner Sparkasse vorstellig geworden:
voll guten Mutes und sicher,
dass alles glattgehen würde mit der
Finanzierung
des „Wahllokals“, einer
öffentlichen
Restaurantkantine in der
Friedrichstraße.

Die Berlinerin wollte
gestressten
Berufstätigen trendige Ökogerichte
zum Mitnehmen verkaufen und
einen Selbstbedienungsmittagstisch einrichten. Vier Jahre lang hatte sie an jedem
Detail gefeilt, war bei einem Businessplanwettbewerb
unter den Besten.
„Dann zeigte die Frau von der Sparkasse
mit drei Rechenschritten, dass wir in
zwei Jahren pleite wären“, erinnert sich
die Gründerin. „Peinlich. Das hätte unser
Berater doch wissen müssen.“

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Beraten und verkauft

Die Berliner Grafikdesignerin hatte sich
nämlich eigens einen vermeintlichen
Profi zur Unterstützung geholt, um im
Bankgespräch zu bestehen: Für 450 Euro
hatte sie den Gründerberater über die
Zahlen der Finanzplanung schauen lassen,
die sie vorher schon für 2000 Euro
gemeinsam mit einer Controllerin zusammengestellt
hatte. Sicher ist sicher.
Doch der Berater moserte an Umsatzund
Gewinnerwartungen herum, korrigierte
Zahlen drastisch nach unten –
Boehden vertraute ihm. Das Wahllokal
würde drei Jahre lang Miese machen. Für
den Mann kein Problem. Er deutete an:
„Wenn es mit der Bank nicht klappt, habe
ich auch noch Kontakte.“

Solche Fälle kennt Manfred Onderka
vom Bundesverband der Wirtschaftsjunioren
zuhauf: „Da geht es gar nicht um
Beratung, sondern um Folgeaufträge
oder ganz andere Geschäfte.“ Die Berliner
Wahllokal-Betreiber hatten nach dem
Fiasko in der Sparkasse genug – auf das
„goldene Adressbuch“ ihres Beraters
wollten sie lieber verzichten. Stattdessen
schrieben sie ihren Businessplan um,
setzten die ursprünglichen Zahlen ein –
und erhielten die Kreditzusage.

Undurchsichtige Abrechnungsmodelle

Keine Frage: Fast alle Gründer benötigen
Hilfe beim Business- und Finanzplan,
bei Fördermittelantrag, Marketing
und Vertriebskonzept, Steuern und Verträgen.
Doch Wirtschaftsjunior Onderka
schätzt, dass jeder zweite Gründerberater
auf dem Markt unseriös ist:
Buchhaltungsbüros, die anbieten, bei der
Finanzplanung zu helfen, aber nur, um
den ahnungslosen Gründern später zu
überteuerten Tarifen die Rechnungen zu
sortieren. Spezielle Agenturen für die
Einrichtung von Limited-Gesellschaften
nach britischem Recht, deren Service aus
Sicht von Kennern nur für die wenigsten
Gründer sinnvoll ist.

Daneben, sagt Experte Onderka, arbeiten
einige Anbieter mit undurchsichtigen
Abrechnungsmodellen. Oder sie
beherrschen ihr Handwerk nicht, liefern
schlechte Arbeit ab. Die schwarzen Schafe
sind oft nicht schwer zu erkennen.
Aber leider darf sich jeder „Gründerberater“
nennen, das Angebot ist entsprechend
riesig. Allein in der Online-Beraterbörse
der Förderbank KfW sind
18 000 Namen gespeichert.

Ihre Zahl hat sich vervielfacht, seit die
Zuschüsse für die Gründerberatung bundesweit
einheitlich geregelt wurden. So
übernimmt die KfW mittlerweile bis zu
75 Prozent des Beraterhonorars, bei
vorher
arbeitslosen Gründern sogar 90
Prozent. „Die großzügige Förderung hat
viele unseriöse Anbieter auf den Markt
gelockt“, sagt Norbert Kunz, Vorstand
des Verbands Deutscher Gründungsinitiativen.
Um sich für das Fördergeld zu
qualifizieren, genügt es, wenn man ein
paar Jahre Berufserfahrung hat und als
Consultant für Startups arbeitet.

Dass manch ein Anbieter die Gründer
als leichte Beute sieht, erlebte auch
Nicolas
Schauer. Im März schaffte es der
Gründer beim Businessplanwettbewerb
„Science for Life“ unter die ersten zehn.
„Und am Abschlussabend schossen die
Berater nur so auf mich zu“, erzählt der
Biologe, der mit seiner Potsdamer Firma
Metabolomic Discoveries gentechnische
Analysen für die Gemüsezucht entwickelt.
„Sie versprachen, Geld aufzutreiben,
wollten Marktstrategien für uns entwickeln oder einen Vertrieb aufbauen.“
Schauer blieb skeptisch. Er verlässt sich
lieber auf Berater, die ihm andere Unternehmer
und Gründer empfehlen.

Berater-Check

So können Gründer einen unseriösen
Berater schnell enttarnen: fünf Fragen,
die angehende Unternehmer an
potenzielle Starthelfer
richten sollten.

Haben Sie Referenzen?

Ein guter Berater wird in Gründerforen
im Internet genannt, von Kammern
und Arbeitsämtern empfohlen. Und: Er
nennt auf Nachfrage Referenzprojekte.

Verkaufen Sie etwas?

Vorsicht, wenn Gründerberater gleichzeitig
Versicherungsvermittlungen oder
Buchhaltungsbüros betreiben.

Gibt es ein Vorgespräch?

Bei seriösen Gründerberatern ist ein
kostenloses Orientierungsgespräch
selbstverständlich.

Brauchen Sie Infos?

Wenn ein Gründerberater kaum Fragen
stellt oder wenig Interesse an Gründer
und Geschäftsidee zeigt, will er mit großer
Wahrscheinlichkeit nur Standardrezepte
loswerden. Gegen Honorar, versteht sich.

Machen Sie Festpreise?

Die meisten Gründungen sind nicht
kompliziert, nach einem ersten
Treffen können Berater abschätzen,
was die Beratung kosten
wird. Wer sich partout nicht festlegt,
will das Projekt womöglich
künstlich in die Länge ziehen.

Selbst bei den Profis der Industrie-und
Handelskammern sind Gründer
nicht vor Überraschungen geschützt:
Klaus Zorn aus Sandesneben bei Hamburg
etwa begann seine Suche nach dem
richtigen Starthelfer bei der örtlichen
IHK. Wie viele andere Gründer auch. Der
58-jährige Ex-Manager, der 30 Jahre für
die Betreiber von Einkaufszentren Mieter gesucht hatte, wollte sich Anfang des
Jahres mit diesem Service selbstständig
machen. Der IHK-Gründerberater erklärte
Zorn geduldig, welche Angebote
die Kammern für Startups haben – und
zeigte ihm dann als Muster den Businessplan
eines Blumenladens. „Das passte natürlich
nicht zu meiner Idee“, sagt Zorn
nachsichtig.

Auf der Jagd nach Betrügern

Wie viele angehende Unternehmer hatte
er schon erwartet, dass die IHK oft eher
oberflächlich berät. Ein Eindruck, den Untersuchungen
der Stiftung Warentest zur
Gründerberatung bestätigen. Die Kammern
geben nur einen ersten Überblick,
können aber externe Berater empfehlen.
Doch Zorn machte sich selbst
auf die Suche und durchforstete
einschlägige Internetforen
nach Hinweisen. „Dann
habe ich mir fünf Berater herausgepickt
und sie angeschrieben,
drei haben geantwortet.“

Er
knöpfte sich die potenziellen
Starthelfer vor: Der erste entpuppte sich
als Strukturvertrieb für Versicherungen.
Der zweite als Mittler für Private-Equity-
Fonds. Erst der dritte war der richtige:
Markus Hübner aus Hannover. Seine
Grundsätze: „Ich schaue mir das Konzept
immer kostenlos an“, erklärt der Betriebswirt.
„Wenn ich sehe, dass es nichts bringt,
schicke ich den Gründer nach Hause.“ Als
Zweites folgt ein Gespräch zum Kennenlernen,
ebenfalls unverbindlich.

BDU-Mitgliedschaft als Gütezeichen

Dann
macht er einen Projektplan plus Kostenvoranschlag
mit Festpreis. „So soll das
sein“, sagt Rainer Langosch, Vorsitzender
des Fachverbands Gründung beim Bundesverband
Deutscher Unternehmensberater
(BDU). Sein Verband
akzeptiert Berater nur nach
strengen Auswahlkriterien.
Gründer können die BDU-Mitgliedschaft
als Gütezeichen
sehen.

Ansonsten orientieren sich
Jungunternehmer am Testat
des Verbands deutscher Gründungsinitiativen
(www.vdg-forum.de). Um es
zu erhalten, müssen Starthelfer zwei
Jahre
Berufserfahrung nachweisen und
mindestens zehn Beratungen pro Jahr,
außerdem eine fachliche Qualifikation
sowie
Zeugnisse und Referenzen. Der
Verband hat mittlerweile 140 Gründerberater
geprüft. Die Hälfte ist durchgefallen.

Wer Gründerberater vermittelt und was Jungunternehmer erwarten können

Der Markt für das Coaching von Gründern ist unübersichtlich. Öffentliche Stellen, Kammern, Verbände, Gründerinitiativen und Hochschulen beraten teilweise selbst oder helfen bei der Suche nach dem richtigen Starthelfer.

Eigene Angebote

Vermittlung

Fazit

Industrie- und Handelskammern/ Handwerkskammern

www.dihk.de, www.ziz-berlin.de

Fest angestellte Gründerberater, ehrenamtliche Beratung durch Mitglieder. Wirtschaftsjunioren bieten Gründerplanspiele und einen „Rütteltest“ an: Dabei prüfen etablierte Unternehmer das Konzept.

Es gibt teilweise veröffentlichte Beraterlisten wie bei der IHK Berlin. Aber nicht alle Kammern führen derlei Aufstellungen. Auf Nachfrage werden Experten empfohlen.

Für das Erstgespräch empfehlenswert. Im nächsten Schritt wenden sich Gründer besser an einen spezialisierten Berater. Wer ein Konzept hat, kann es in Gründerplanspiel und Rütteltest überprüfen lassen.

VDG Verband Deutscher Gründungsinitiativen

www.vdg-forum.de

Keine

Die Initiative prüft Berater, vergibt ein Zertifikat. Erst 70 Experten besitzen das VDG-Gütesiegel. Zu finden via Datenbank

Das Zertifikat garantiert gut ausgebildete Berater. Die Auswahl ist allerdings klein.

Technologie- und Gründerzentren

www.adt-online.de

Praktisch alle Zentren beschäftigen Gründerberater – aber nur für Gründer im Zentrum. Dazu müssen Bewerber mit ihrem Konzept aufgenommen werden.

Keine

Das Betreuungsangebot ist umfassend. Zentren besitzen viel Erfahrung im Coaching. Nachteil: Der Gründer muss seinen Sitz oft im Zentrum haben.

KfW Mittelstandsbank

www.beraterboerse.kfw.de www.startothek.de

Unter gruendungswerkstatt-deutschland.de können Gründer kostenlos interaktive Lern- und Beratungsprogramme nutzen. Das neue Portal ist eine Initiative der KfW und der Kammern.

Über die KfW-Beraterbörse können Gründer Angebote recherchieren. Hier finden sich Berater mit und ohne Zulassung für entsprechende Fördermittel. Über die Startothek erhalten Gründer eine Onlineberatung.

Die KfW-Datenbank listet fast 18.000 Berater. Als Auswahlkriterium dienen Kundenbewertungen (Referenzen). Ab Oktober weist die Datenbank auch aus, ob ein Berater BDU-Mitglied ist oder das VDG-Gütesiegel besitzt.

DFV Deutscher Franchise-Verband

www.franchiseverband.com/berater.121.0.html

Keine

Der Verband führt eine Art Positivliste mit Gründerberatern. Mitglieder können die Beratung zu günstigen Tarifen erhalten.

Die Berater sind zwar in erster Linie Franchise-Experten, kennen sich aber auch mit normalen Gründungen aus.

BGA Bundesweite Gründerinnenagentur

www.gruenderinnenagentur.de/bga/beratung

Über eine Telefonhotline können sich Jungunternehmerinnen in allen Phasen der Gründung informieren: 01805/22 90 22.

Die Agentur vermittelt Experten, die auf die Existenzgründung von Frauen spezialisiert sind.

Die Beratung ist umfassend und wird regelmäßig von Stiftung Warentest gelobt, steht allerdings nur Frauen zur Verfügung.

Hochschulen

www.hochschulkompass.de

Gründerzentren, die kostenlos beraten, oft unter der Regie von Gründungslehrstühlen.

Bei Spezialfragen vermitteln die Hochschulen die Gründer an Berater weiter.

Die Uni-Gründerzentren stehen im Prinzip jedem offen – sind jedoch oft überlastet.

Was die Gründerberatung kostet und wo es Zuschüsse zum Honorar gibt

Eine gute Beratung hat ihren Preis. Und wenn es um die eigene Existenz geht, sollten Gründer nicht an den richtigen Ratgebern sparen. Der Staat greift ihnen dabei ordentlich unter die Arme. Hier gibt es Geld:

Kosten Die Förderhöchstbeträge sind meist realistisch für die Beratung vor und nach der Gründung: Experten halten 3000 bis 4000 Euro (vier bis fünf Beratertage) für ausreichend.
Fördermittel vor Gründung Die Förderung wird in den Bundesländern unterschiedlich gehandhabt. Je nach Region schießen die Gründerförderer null bis 75 Prozent des Beraterhonorars zu. Das Förderprogramm Exist des Bundeswirtschaftsministeriums vergibt zudem ein Gründerstipendium, bei dem das Coaching bis maximal 5000 Euro finanziert wird. Link
Link 2
Fördermittel nach Gründung Das Gründercoaching der KfW Mittelstandsbank gilt bundesweit. Die Bank finanziert 50 Prozent der Kosten in den alten (bis 3000 Euro) und 75 Prozent (bis 4500 Euro) in den neuen Bundesländern. Für eine Gründung aus Arbeitslosigkeit sind es 90 Prozent. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle bezuschusst technologieorientierte Gründungen (bis 1500 Euro). Link
Link 2
Voraussetzungen Variieren je nach Förderstelle. Meist muss ein Berater zwei bis drei Jahre Erfahrung in der Unternehmensberatung vorweisen. Und sein Geschäftszweck muss auf Unternehmensberatung (mehr als 50 Prozent des Gesamtumsatzes) gerichtet sein.

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