Diverses Unternehmer auf der Suche nach dem Neuen

Erfinden ist leicht. Aber etwas erfinden, das sich am Markt behauptet? DIHK und impulse zeichnen zehn Unternehmen aus, denen das mustergültig gelungen ist.

Sie lag hoch, die Messlatte. Wirklich Neues, nicht das aufpolierte Altbekannte war gefragt beim Wettbewerb „Potenzial Innovation“, den der Deutsche Industrie- und Handelskammertag gemeinsam mit impulse ausgerichtet hat. Knapp 100 Unternehmen bewarben sich, jetzt stehen die Sieger fest. Die fünf Juroren orientierten sich an Kriterien, die einen Vergleich überhaupt erst ermöglichen: Kann die Innovation auf andere Branchen übertragen werden? Schafft sie Arbeitsplätze? Und Kostenvorteile?

Bereits bei der Vorauswahl zeigte sich, dass sich in der Umwelttechnologie derzeit viel tut. Und dass die Zeit innovativer Webanwendungen längst nicht abgelaufen ist. Auf diese Bereiche konzentrieren sich mehr als ein Drittel der Bewerber. Für Jurorin Stefanie Heiden, Hauptgeschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen (AiF), ein Beleg dafür, „dass Innovationen in Deutschland mittelstandsgetrieben sind“. Dahinter stehe die Person des Unternehmers, der kreativ und ­innovativ sei – und wenig mit dem Selbstverständnis und Handeln des angestellten Managers gemein habe. Die Forschungsfreude der deutschen Mittelständler lobte auch Jurorin Marion Weissenberger-Eibl, Leiterin des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) in Karlsruhe.

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Oft hapert es aber nach wie vor an der Produkteinführung. Die Faustregel lautet: Aus 100 Erfindungen lässt sich eine Innovation destillieren, die sich am Markt durchsetzt. Diese Quote zu erhöhen ist das Anliegen vieler Unternehmen. „Wir überleben nur, wenn wir innovativ sind“, sagt daher Jurorin und Trumpf-Chefin Nicola Leibinger-Kammüller. Auch dort werden viele Ideen vorangetrieben und immer wieder überprüft: Taugt das? Bringt uns das weiter? Oder versenken wir nur Geld?

„Die Krise hat das Finanzierungspolster vieler Unternehmen stark reduziert“

Selbst im Krisenjahr haben viele Mittelständler versucht, ihre Ausgaben für Forschung und Entwicklung konstant zu halten. Ein deutlicher Beleg für die Erkenntnis, dass die Märkte von morgen nur mit den Produkten und Dienstleistungen von morgen zu gewinnen sind – an ­denen muss aber heute schon geforscht werden. Deshalb befürchtet DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann, die angespannte Situation bei der Unternehmensfinanzierung könnte vielen erfolgversprechenden Ideen den Weg zum Markt versperren. „Die Krise hat das Finanzierungspolster vieler Unternehmen stark reduziert“, sagt Driftmann. Er empfiehlt, die bürokratischen Zulassungs- und Genehmigungs­verfahren zu vereinfachen. „Nichts ist für einen Unternehmer entmutigender als kurz vorm Ziel, also der Markteinführung, durch ­unnötige Auflagen ausgebremst zu werden.“

Driftmann hat ein weiteres Problem ausgemacht: die Ausbildung des Nachwuchses. „Die Bildungsinstitute bilden nicht für den Bedarf der Wirtschaft aus – sie kennen und erkennen diesen Bedarf nicht einmal“, sagt der DIHK-Präsident. Das könne mittelfristig zum Problem werden. Ohne hochqualifizierte und motivierte Mitarbeiter sei keine Firma in der Lage, Ideen zu generieren und umzusetzen. Letztlich sind die Unternehmen gefordert, auch in dieser Frage innovativ zu denken und zu handeln: Was die Schulen und Hochschulen versäumen, wird im Betrieb nachgeholt.

Die Zehn Gewinner
Erbslöh Geisenheim
Das Variosan-Verfahren ermöglicht es Winzern, den Most in zwei statt in 24 Stunden zu filtern.
Power Plus Communications
Die Firma hat ein System entwickelt, das den Stromverbrauch online erfasst und in Echtzeit verfolgt.
Engel Dataconcept
Die Idee: eine EDV-gesteuerte Kundentermin­planung, zugeschnitten auf die Bedürfnisse von Handwerksfirmen.
Global Office
Das Portal bietet Kleinunternehmen ein Rundumsorglos-Paket für Büro- und Organisationsarbeiten aller Art.
IBG Technology
Industrieroboter statt Menschen montieren ­Auto­räder, während das Fließband sich weiterbewegt.
Quint SDI
Das EPM-System spart am Verbrauch von Energie und Betriebsmitteln bei Druckmaschinen.
SynView
Mit neuen Terahertz-Bildgebungssystemen ist es möglich, verborgene Herstellungsfehler in Kunststoffprodukten zu erkennen.
IMK Automotive
Eine neue Software hilft, menschliche Tätigkeiten zu visualisieren und damit besser zu planen.
Isocal
Die Kombination von Sonne, Luft, Erde, Wasser und Eis macht ein CO2-freies Heizen und Kühlen möglich.
DTV-Verkehrsconsult
Alle fünf Jahre wird der Verkehr auf den Straßen gezählt. Das übernimmt das System Verkehrsmonitoring.
Aus dem Magazin
Vier Sieger werden in der impulse-Ausgabe 09/2010portraitiert.

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