Diverses Unternehmer schlittern unvorbereitet in die Krise

Wie gehen Deutschlands Unternehmer mit der Krise um? Offenbar ziemlich fahrlässig. Denn eine Umfrage unter Mittelständlern deckt erstaunliche Defizite auf. Im schlimmsten Fall droht ein „Nein“ von der Bank und ein Liquiditätsengpass. Ein impulse.de-Test deckt die Risiken auf.

Ein großer Teil des Mittelstands vernachlässigt, sich auf ein Worst-Case-Szenario vorzubereiten. 40 Prozent der Betriebe mangelt es an systematischen Warnsystemen. Mehr als jede zweite Firma verfügt über keinen Krisenmanager oder -stab. Das ist das Ergebnis einer Umfrage der internationalen Unternehmerberatung Droege & Comp. bei 320 mittelständischen Unternehmen.

Zahlreiche Firmenchefs blenden laut Erhebung die Konsequenzen der fallenden Nachfrage auf das laufende Geschäft aus. 41 Prozent der Betriebe analysieren die Auswirkungen auf die Gewinn- und Verlustrechnung nur sporadisch oder gar nicht. 39 Prozent ignorieren die Effekte auf Bilanz oder Planbilanz und 29 Prozent kennen den Einfluss solcher Faktoren auf ihre Liquidität gar nicht.

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Tunnelblick statt Weitsicht

Auch die Auseinandersetzung mit den konjunkturellen Entwicklungen in den vor- und nachgelagerten Wertschöpfungsstufen kommt der Studie zufolge zu kurz. So befasst sich gut ein Drittel der befragten Unternehmen beispielsweise nicht methodisch mit der Situation der eigenen Zulieferer. Gleichzeitig geben mehr als 30 Prozent der Betriebe an, die wesentlichen Einflussfaktoren auf die Produktnachfrage unzureichend oder überhaupt nicht zu kennen. Die Folge: Firmen laufen Gefahr, von Marktentwicklungen überrascht zu werden.

Wie die Entwicklung aussehen wird, ist momentan äußerst unklar: Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) glaubt zwar an eine schwache Erholung der Konjunktur im kommenden Jahr, wagt aber keine konkreten Prognosen. Glaubt man dem Chef des Münchner Ifo-Instituts Hans-Werner Sinn ist die Krise noch lange nicht ausgestanden. „Wir werden frühestens im Winter 2010 da sein, wo die USA im letzten Herbst waren“, sagte der Ökonom in seiner jüngsten Einschätzung.

Risikoabschätzung durch Stresstest

Der Mittelstand muss sich also auf weiterhin negative Konjunkturtendenzen einstellen. Ein gängiges Instrument hierfür ist der sogenannte Stresstest. Mit ihm prüfen Firmenchefs, wie gut sie auf Absatzrückgänge, verspäteten Kundenzahlungen oder veränderten Kreditlinien vorbereitet sind. Die frühzeitige Alarmbereitschaft ermöglicht, rechtzeitig Schritte zur Kostensenkung einzuleiten.

Unternehmen können auf Basis der Analyse früh den Dialog mit Banken suchen, um über mögliche Finanzierungsstrukturen zu sprechen. Denn ein plötzlicher Liquiditätsengpass ist momentan eines der dringendsten Probleme der Firmen. Bei gut 17 Prozent der Betriebe sind Finanzierungshemmnisse der Grund für unterlassene Ausgaben, lautet das Ergebnis einer Umfrage der Wirtschaftsauskunftei Creditreform unter 4200 Unternehmen. Eine Kreditklemme stellte im Frühjahr 2009 jedes sechste Unternehmen fest – doppelt so viele wie vor einem Jahr. Die Richtlinien der Banken sind inzwischen deutlich: Kein Risikomanagement, kein Geld.

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