Diverses Unverhoffte Geschenke

Steuerberater der Top-Kanzleien drücken aufs Tempo. Sie empfehlen, ohnehin geplante Nachfolgeregelungen zügig umzusetzen. Denn dabei lassen sich derzeit noch kräftig Schenkung- und Erbschaftsteuer sparen.

Hinzu kommt: Zur Überraschung aller Experten hebelt ein neuer Erlass aus dem Eichel-Ministerium ein scharfes Bundesfinanzhof-Urteil aus. Das erlaubt Unternehmerfamilien jetzt Steuer schonende
und Rendite steigernde Transaktionen (AZ IV C 3 – S 2255 – 354/04).

Vermögen an Sohn oder Tochter weiterreichen heißt die eilige Devise. Und zwar gegen Rente. Meist die optimale Strategie, wenn sich Seniorchef
oder -chefin aus dem Tagesgeschäft zurückziehen wollen und für die Zukunft am liebsten mit festen und sicheren Einnahmen kalkulieren.

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Was die Eltern bekommen, können die Kinder bei der Steuer absetzen. Einzige Voraussetzung: Die Erträge des geschenkten Vermögens reichen aus, um die Rentenzahlungen zu finanzieren. „Das erleichtert den Generationswechsel“, kommentiert Thomas R. Jorde, Steueranwalt bei BDO Deutsche
Warentreuhand in Düsseldorf.

In Zahlen: Jährlich gehen bis zu 70.000
Firmen in die Hand der nächsten Generation
über. Und etwa jeder vierte Selbständige will den Betrieb oder die Praxis an die Kinder gegen Rente weiterreichen. Meist sollen Sohn oder Tochter pro Monat einen festen Betrag überweisen (steuertechnisch: dauernde Last), der aber praktisch jederzeit angepasst werden kann – an
den Bedarf der Eltern oder die Möglichkeiten
der Kinder.

Zwar müssen die Senioren die Rente voll versteuern. Dafür dürfen die Kinder die Zahlungen voll als Sonderausgaben abziehen.
Wegen Altersfreibetrag und Steuerprogression zahlen die Eltern aber meist weniger Steuern, als die Kinder durch den Abzug der Rente sparen.

Auf der nächsten Seite lesen Sie den zweiten Teil der Geschichte.

Diese Art Splitting konnten Familien
mit gewinnstarken Unternehmen
schon immer nutzen. Denn die Erträge
reichen für die Rentenzahlungen
locker aus, und ein ordentlicher Firmenwert
ist dem Finanzamt schnell
belegt. Durch den neuen Erlass aus
Berlin profitieren nun auch Familien
mit weniger glänzenden Bilanzzahlen.

Denn: Ob es einen Firmenwert
gibt, darf das Finanzamt nicht mehr
interessieren. Entscheidend ist allein,
dass bei Übergabe des Betriebs die
durchschnittlichen Erträge ausreichen,
um die Renten für die Senioren
zu bezahlen. „Damit ist eine hohe
Hürde beseitigt, die der Bundesfinanzhof unlängst aufgebaut hatte“,
erklärt der Koblenzer Steueranwalt
Rüdiger Fromm (impulse 1/2004).

Neue Sparmodelle

Dabei zählen der Einfachheit halber
die Gewinne im Jahr der Übergabe
sowie in den beiden Geschäft sjahren
zuvor. Auszuklammern sind hier erfreulicherweise
jetzt gewinnmindernde
Abschreibungen, Sonderabschreibungen,
außergewöhnliche Aufwendungen
sowie GmbH-Geschäft sführergehälter.

Selbst wenn dann die Erträge
nicht ausreichen sollten, dürfen
die Kinder die Rentenzahlungen vorerst
voll absetzen. Sie müssen dann
die Gewinne für den Drei-Jahres-
Zeitraum schätzen – und die Firma
zügig in die Gewinnzone führen.
Fromm: „Das Finanzamt setzt die
Steuern nur vorläufig fest.“

Ausdrücklich abgesegnet hat Berlin
jetzt auch dieses Sparmodell: Die
Eltern schenken Sohn oder Tochter
Vermögen, das keine Erträge abwirft.
Zum Beispiel Bargeld, Kunstgegenstände,
blanke Grundstücke.

Dennoch gibt es Rente. Die ist für die Kinder
freilich erst dann absetzbar, wenn
sie zum Beispiel das wertvolle Gemälde
verkaufen und den Erlös ertragbringend
investieren. Oder auf dem
Grund stück ein Renditehaus bauen.
Erheblich einfacher ist jetzt das
Übertragen älterer Häuser. Reicht die
durchschnittliche Nettomiete (ohne
Abschreibung, außergewöhnliche
Aufwendungen) der letzten drei Jahre
für die Rente der Eltern, ziehen die
Junioren alle Zahlungen voll ab.
Sogar das Eigenheim können die
Eltern den Kindern gegen Rente überschreiben. Voraussetzung: Die Mietersparnis
der jungen Leute entspricht
mindestens der versprochenen Rente.
Maßstab ist die ortsübliche Miete.

Ob Firmen oder Immobilien: Die
Rentenmodelle rechnen sich durchweg.
Zumal die Unternehmerfamilie
obendrein Schenkung- oder Erbschaft
steuer spart – bevor das Verfassungsgericht
von Berlin in Kürze verlangt,
die Privilegien bei der Bewertung
von Betriebs- und privatem
Grundvermögen zu beseitigen.

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