Diverses Urteil: Schuldzinsen auch bei Liebhaberei abziehbar

Unternehmer können betriebliche Schuldzinsen auch dann steuerlich geltend machen, wenn der Betrieb nicht mehr mit Gewinnerzielungsabsicht betrieben wird. Darauf hat der Bundesfinanzhof in einem aktuellen Urteil hingewiesen.

Unternehmer können Schuldzinsen für betriebliche Verbindlichkeiten auch nach dem Zeitpunkt abziehen, nach dem die Firma als Liebhaberei anzusehen ist. Das hat der Bundesfinanzhof in einem aktuellen Urteil entschieden (Aktenzeichen X R 3/99).

Finanzbeamte sprechen von Liebhaberei, wenn eine Firma nicht mit Gewinnerzielungsabsicht unterhalten wird, der Firmenchef also quasi seinem Hobby nachgeht. Das ist häufig bei Pferdezuchten, Obstplantagen und der Vermietung von Motorbooten der Fall. Die Folge: Die Finanzbehörden erkennen Ausgaben nicht als Werbungskosten an, der Unternehmer kann etwaige Verluste nicht mit anderen Einkünften Steuern sparend verrechnen.

Anzeige

Im Streitfall hatte die Inhaberin eines Juweliergeschäfts ihr Unternehmen zunächst mit Gewinnerzielungsabsicht betrieben. Zum Januar 1985 zog sie in ein ungünstiger gelegenes und teureres Ladenlokal um. Gewinne konnte sie angesichts dieser Situation nicht machen. Für das Finanzamt war klar: Vom Zeitpunkt des Umzugs an habe ihr die Gewinnerzielungsabsicht gefehlt, da sie das Geschäft nunmehr als Liebhaberei betrieben habe. Dementsprechend erkannten die Finanzbeamten die Schuldzinsen für ein Darlehen, das die Klägerin noch vor dem Umzug aufgenommen hatte, nicht als Werbungskosten an.

Damit war der Bundesfinanzhof nicht einverstanden. Die Richter stellten klar, dass Schuldzinsen, die auf die Zeit nach dem 1. Januar 1985 entfallen, abziehbar sind, wenn sie auch im Falle einer am 31. Dezember 1984 vollzogenen Betriebsaufgabe oder Betriebsveräußerung hätten abgezogen werden können. Das setze zwei Dinge voraus:

  • Die Schulden müssen vor dem Übergang zur Liebhaberei entstanden sein. Dies war unstreitig der Fall.
  • Die Schuldzinsen müssen auf den Teil der Verbindlichkeit entfallen, der nicht mit dem durch einen Betriebsverkauf erzielbaren Erlös hätte getilgt werden können. Diese Frage war im Streitfall jedoch nicht endgültig geklärt. Der Bundesfinanzhof verwies den Fall darum an die Vorinstanz, das Finanzgericht Rheinland-Pfalz. Es muss nun klären, inwieweit die Inhaberin die im Zeitpunkt des Übergangs zur Liebhaberei bestehenden Schulden aus der Veräußerung ihres Vermögens hätte begleichen können.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...