Diverses Vergoldetes Green

Unternehmer, die Golf spielen, gibt es viele. Die meisten wollen nur ihr Handicap verbessern. Doch einige entwickeln beim Gang über Fairways und Grüns neue Golfprodukte. impulse stellt erfolgreiche Macher vor. Und verlost ihre Top-Produkte.

Die grauen Haare akkurat gescheitelt, in der Hemdtasche drei
Kugelschreiber. Unter all den Männern in bunten Polohemden
wirkt Wiestaw Kramski auf der Münchner Golfmesse wie ein
Fremdkörper.

In Pforzheim und an zwei weiteren Standorten produzieren
seine 400 Mitarbeiter Stanz- und Spritzgussteile für über 300
Kunden. Seit zwei Jahrzehnten ist Kramski leidenschaftlicher
Golfer. Jedes Jahr legte er sich mindestens einen neuen Putter
zu – zufrieden war er mit keinem. Richtig schlimm wurde es, als
er mit Gleitsichtbrille spielen musste – er lochte kaum noch ein.

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Nächtelang grübelte der Unternehmer und präsentierte nach
30 Monaten Entwicklungszeit den HPP 330. Dank Kimme-Korn-
Funktion trifft Kramski nun perfekt. Neben mehr als 2.000
Hobbygolfern haben die Profis Bernhard Langer, Marcus Brier
und Martin Kaymer Kramskis Putter schon im Turnier gespielt.
Die Putter-Produktion lastet nun die Stanzmaschinen in der
Nacht aus, und Kramski hat große Pläne. 2008 will er mit
Puttern einen Umsatz von zwei Millionen Euro erreichen, fünf
Prozent vom Gesamtumsatz der Kramski Gruppe.

Auch Andreas Lachner ist Unternehmer mit Golfleidenschaft. Er
greift nach seinem Handheld: „Damit habe ich mich auf
Handicap sieben verbessert.“ Sprücheklopfen liegt dem
Software-Entwickler fern. Mit seinem Kompagnon leitet er die
Firma Koppermann Computersysteme. 35 Mitarbeiter
entwickeln Software für die Bekleidungsindustrie, von Adidas bis
Schiesser. Da bleibt kaum Zeit für eine Runde Golf – und so gab
es keine Verbesserung. Vergeblich suchte er ein Gerät, das ihm
beim Training half. So schrieb er an Wochenenden eine
Software für seinen GPS-Handheld. Dank Satellitenortung
kennt Lachner jetzt immer die Entfernung zur Fahne und lässt
seine Schläge noch auf der Runde analysieren. Gezielt hat er
zudem das kurze Spiel trainiert – in dieser Saison soll es
Handicap fünf werden.

Endlich: Bio für Golfer

„Ja, brechen Sie es ruhig durch.“ Michael Dorner ruft zur
Zerstörung seines Produkts auf – und das geht gar nicht so
einfach. Als Taschenträger für seinen Vater musste Dorner
immer viele Tees, die kleinen Abschlaghelfer, dabeihaben. Allein
in den USA werden jährlich zwei Milliarden Tees aus Holz
produziert. Zerbrochen und achtlos liegen gelassen schädigen
sie die Mäher der Greenkeeper und durch ihre Lackierung die
Umwelt. Für seine Diplomarbeit entwickelte Michael Dorner ein
biologisch abbaubares Golf-Tee. Es dauert ein Jahr, bis aus
„weichen Fladen“ die gewünschten stabilen Tees werden. Der
Vater konstruierte eine Druckmaschine, die jedes Bio-Tee
individuell bedruckt – die perfekte Geschenkidee für Golfer.
„Mein Vater spielt jetzt noch öfter.“ Das ist auch kein Problem,
denn Sohn Michael leitet das Familienunternehmen und zwölf
Mitarbeiter. Seit sieben Jahren bleibt es wegen Zeitmangel nur
bei Handicap 38!

Auf der nächsten Seite lesen Sie mehr zu diesem Thema und über die einzelnen Hersteller.

Endlich Hilfe bei Slice-Abschlägen verspricht Andreas Stulz –
ausgerechnet mit dreieckigen Schäften. Die Unternehmen
seiner Familie beschäftigen sich sonst mit Klimaanlagen und
Autoelementen. Ein guter Kontakt: Die Autoingenieure,
allesamt Nicht-Golfer, schlugen Stulz einen dreieckigen Schaft
vor. Dieser verdreht sich wesentlich weniger als der
herkömmliche runde und führt so zu geraderen Schlägen. Den
größten Golfmarkt der Welt hat der Entrepreneur schon
erobert, in den USA vertreiben 860 Fitter seine Schäfte. Jetzt
ist Europa dran und Andreas Stulz zieht von Florida nach
Mallorca. Obwohl er kaum noch zum Spielen kommt, kann er
sein Handicap von neun halten – der Schaft scheint zu
funktionieren.

Marc Suxdorf sagt es mit Nachdruck: „Unser Putter ist legal!“
Regeldiskussionen nach dem Turnier sind Suxdorf und
Mitentwickler Gerald Steuer schon gewohnt – ihr Spicy Putter
ist einfach zu ungewöhnlich. Hauptmerkmal: Der Putter steht
selbständig auf dem Grün. Hinter dem Schläger gebückt, kann
dieser optimal zum Loch ausgerichtet werden. Dann einfach
greifen und einlochen. Normalerweise kümmern sich Suxdorf
und Steuer mit 15 Mitarbeitern um Produktdesign für Firmen
wie Mont Blanc, Cilit Bang und Nivea. Ihr brandneuer Spicy 2
verbindet Funktion mit gutem Aussehen – die
Regeldiskussionen werden aber bleiben.

Die Unternehmer in der Übersicht

Wiestaw Kramski hatte ein Putt-Problem und inzwischen Handicap 16. Er steckt hinter den CNC gefrästen Puttern mit „Kimme-Korn“ Funktion. Zwei Putterformen gibt es: den Mallettputter HPP 325 für 624 Euro und den HPP 338 als Blade für 699 Euro. Am Firmensitz ist ein Fitting möglich.
www.kramski-putter.com

Andreas Lachner nennt seine Software „Mobile Golf Scorer“. Dank des amerikanischen GPS Navigationssystems wird die Entfernung zur Fahne präzise angegeben und eine Analyse des eigenen Spiels durchgeführt. Erlauben Golfclubs Hilfsmittel, dann ist der Mobile Golf Scorer auch im Turnier zulässig. Die Software kostet 90 Euro und läuft auf allen Windows-basierten Handhelds – ideal mit GPS Funktion.
www.mobilegolfscorer.com

Michael Dorners Vater gilt als Pionier biologisch abbaubarer Produkte wie Kundenkarten. Im Bio-Golftee stecken neben Weizenstärke 14 Stoffe und der biologische Abbau braucht drei Monate. Die 60.000 Euro teure Druckmaschine kann ohne teure Vorlagen 5.000 Tees pro Stunde bedrucken. „Flieg Du kleine Sau“ ist der beliebteste Spruch und 100 bedruckte Tees kosten 29,90 Euro.
www.biogolftee.com

Andreas Stulz baut dreieckige Schäfte, bei denen sich der Driverkopf bei unsauberen Treffern weniger verdreht. Weniger Slice und Längenverlust sind das Ergebnis. Der von Autoingenieuren entwickelte Grafit-Schaft hat auch ein besseres Biegeprofil als runde Versionen – das verspricht noch mal einige Meter mehr Länge. Ein Schaft kostet 169 Euro und sollte von einem guten Fitter angepasst werden. Mit sieben Mitarbeitern wurden in den vergangenen zwei Jahren 10.000 Schäfte verkauft.
www.stulzgolf.de

Marc Suxdorf und Gerald Steuer haben gemeinsam mit dem bekannten Golflehrer Oliver Heuler den Spicy Putter entwickelt. Der Edelstahl-Schläger steht auf dem Grün und kann so präzise zum Loch ausgerichtet werden. Vom ersten Modell haben die Hamburger ganz ohne Werbung 450 Stück verkauft – der 330 Euro teure Spicy 2 soll nun mehr Stückzahl machen.
www.spicygolf.de

Rolf Strothmann hat einfach seinen eigenen, genialen Elektro Trolley entwickelt. Der starke Antrieb ist in den Rädern und der Hochleistungs-Akku in der Achse versteckt, so kann gar kein Rentner Image entstehen. Das Highlight ist aber der Sensor im Griff, der in Echtzeit die gewünschte Geschwindigkeit des Golfers erkennt. So ist kein dauerndes Regeln der Geschwindigkeit wie bei anderen Modellen nötig. Neben der Zweirad-Version für 1699 Euro wird in diesem Jahr auch ein Dreirad-Trolley für 1899 Euro angeboten.
www.emotion-caddy.com

Kristian Hohla nutzt eine kleine schicke Kiste für die Analyse des Fluges von Golfbällen. Neben dem Golfer blitzt es beim Schlag zweimal, dann erscheint im Laptop durch die kurz hintereinander ausgelöste Doppelbelichtung der Ball auf dem Foto zweimal. Anhand von Abstand und Steigung sowie der Drehung der abgebildeten Bälle errechnet das Programm zuverlässig Faktoren wie Geschwindigkeit, Steigung und sogar Spin des Balles. Mit diesen Anfangsdaten und Gleichungen, die auch Armee-Kanoniere verwenden, kann die Flugbahn und Schlagweite präzise errechnet werden. Das ergibt ein perfektes Analysegerät für Golflehrer und besessene Golfer. Normalerweise kosten derartige Systeme mindestens 4.000 Euro, den Golf Optimizer gibt es schon für die Hälfte. Auch im Zimmer kann gespielt werden, mit Schlagbox kostet das System dann 3.000 Euro.
www.friend-for-golfers.de

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