Diverses Verschenkte Gewinne

Der Gewinn gehört dem Unternehmer. Und sonst niemandem. Diese Grundregel der Marktwirtschaft wird in allen modernen Industriestaaten akzeptiert. Nur in Deutschland nicht.

Der Gewinn gehört dem Unternehmer. Und sonst niemandem. Diese Grundregel der Marktwirtschaft wird in allen modernen Industriestaaten akzeptiert. Nur in Deutschland nicht.


Politiker aller Couleur bis hinauf zum Bundespräsidenten tun so, als sei Unternehmergewinn ein Allgemeingut, an dem sich jeder nach Herzenslust bedienen kann. Aktuelles Beispiel dafür: die immer lauter werdenden Forderungen nach einem Investivlohn.

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Man muss kein Ökonom sein, um zu durchschauen, dass der Gedanke des Investivlohns auf drei Grundirrtümern basiert. Erstens: Gewinn und Gehalt – man kann es nicht oft und deutlich genug sagen – haben nichts miteinander zu tun. Wer einen Mitarbeiter einstellt, verpflichtet sich, ihm ein festes Salär zu zahlen, egal ob die Geschäfte gut oder schlecht laufen. Der Gewinn hingegen ist die Prämie dafür, dass der Unternehmer mit seinem Kapital ins Risiko geht. Und zwar nur er. Folglich – zweitens – darf nur einer entscheiden, was mit dem Gewinn zu geschehen hat: nämlich der Unternehmer.

Es gibt sicherlich viele gute Gründe, weshalb sich Firmenchefs dafür entscheiden, einen Teil des Unternehmensgewinns an die Mitarbeiter auszuschütten. Wer aus dieser Freiwilligkeit einen – auch nur moralischen – Zwang macht, greift tief in die Eigentumsrechte ein. Artikel 14 Grundgesetz („Eigentum verpflichtet“) wird in der öffentlichen Debatte in unerträglicher Weise überdehnt. Unternehmer tun dieser Forderung mindestens zweifach Genüge. Sie investieren in Arbeitsplätze und bezahlen rechtschaffen ihre Steuern. Danach sind sie dem Staat und der Gesellschaft, auch ihren Mitarbeitern, nichts mehr schuldig.

Der dritte Grundirrtum ist der gravierendste. Es ist das geradezu paranoide Verhältnis von uns Deutschen zu Reichtum. Vermögen, auch in dreistelliger Millionenhöhe, darf man hierzulande anhäufen. Nur Gewinn gilt als anrüchig, zumindest solange er nicht geteilt wird. Kein Mensch verübelt es Michael Schumacher, dass er über die Jahre mit seinen Werbeverträgen ein Millionenvermögen zusammengetragen hat, und niemand käme auf den Gedanken, über die Steuern hinaus Ansprüche zu stellen. Unternehmen, die Millionengewinne ausweisen, sehen sich hingegen an den Pranger gestellt, wenn sie einen Teil ihres Profits nicht an die Mitarbeiter verschenken.

Wer Unternehmern den Gewinn nimmt, muss einkalkulieren, dass er ihnen damit auch die Lust am unternehmerischen Engagement raubt. Unter diesen Vorzeichen werden viele Firmenchefs ihre Betriebe verkaufen, um unbehelligt von der Rendite ihres Vermögens leben zu können. Wer sich ernstlich mehr Unternehmer für Deutschland wünscht, der sollte die Pläne für einen Investivlohn schleunigst in den Papierkorb werfen.

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Klaus Schweinsberg, Chefredakteur

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