Diverses Versteckte Gewinne

Gerd Kühlhorn: Stellvertretender Chefredakteur

Gerd Kühlhorn: Stellvertretender Chefredakteur© Michael Dannenmann

Sind die Firmenlenker großer Dax-Konzerne bessere Unternehmer als die deutschen Mittelständler? Wer allein die Zahlen betrachtet, muss diese Frage mit ja beantworten. Die Dax-Firmen erreichen deutlich höhere Renditen. Trotzdem anders sieht das der stellvertretende impulse-Chefredakteur, Gerd Kühlhorn. Sein Kommentar zeigt: Familienunternehmer erwirtschaften viel mehr als die ausgewiesenen Gewinne.

Über 50 Prozent der Dax-Firmen holen Renditen von fünf bis knapp unter zehn Prozent heraus, bei den Familienunternehmen schaffen dies gerade einmal 22 Prozent. Das ergab die jüngste Mittelstandsumfrage des Bundesverbands der Deutschen Industrie. Sind die Vorstände der 30 Dax-Unternehmen mithin bessere Unternehmer als die Clanchefs der großen und mittleren Familienfirmen?

Nein, das sind sie nicht. Das Gegenteil ist der Fall. Denn die ausgewiesenen Gewinne dokumentieren nur einen Teil des wirtschaftlichen Erfolgs der Familienunternehmer. Wo aber ist dann der Rest des Gelds geblieben? Böse Zungen werden jetzt behaupten, in der Schweiz oder in Liechtenstein. Wer Familienunternehmer kennt, weiß indes, was sie mehrheitlich tatsächlich mit diesem Anteil ihrer Erträge gemacht haben: Sie investieren es in die Ausbildung von Lehrlingen, in die Weiterbildung von Mitarbeitern, in familienfreundliche Arbeitsplätze, in neue Maschinen und Produktionsstätten, in Forschung und Technik, in die Weiterentwicklung ihrer Produkte und Dienstleistungen, in die Altersvorsorge ihrer Mitarbeiter.

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Sicher, das alles machen Konzerne auch. Doch gemessen an ihrer Größe in viel geringerem Umfang. Das Motiv, das Familienunternehmer antreibt, immer wieder stolze Summen in ihre Firmen zu reinvestieren, obwohl dies zu Lasten einer Bilanz geht, die ihre Bänker jubeln ließen, ist Dax-Vorständen völlig fremd: Die Eigner-Unternehmer möchten eines Tages ihren Betrrieb an die nächste Generation weitergeben – in jeder Hinsicht gesund und stark, bestens gewappnet für nationale und internationale Märkte. Und weil trotz aller Nachfolgeprobleme den meisten dies immer noch gelingt, ist jedes dieser Familienunternehmen ein Stück Zukunft für Deutschland. Schade, dass Bilanzregeln diesen Aktivposten nicht kennen. Bislang jedenfalls nicht.

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