Diverses Verzeihung – bitte!

Klaus Schweinsberg, Herausgeber

Klaus Schweinsberg, Herausgeber

Nichts ist unmöglich für Wirtschaftsgrößen wie Breuer, Obermann, Schrempp, von Pierer oder Zumwinkel, nur eines bekommen sie offensichtlich nicht hin: den Rücken gerade zu machen und sich öffentlich zu entschuldigen - sei es für persönliche Fehler oder für Fehler ihres Unternehmens. Dieses Phänomen hat sich inzwischen in fast allen Konzernen ausgebreitet, und zwar quer durch die Hierarchien. Besonders heftig macht sich die Unfähigkeit, um Verzeihung zu bitten, freilich auf den oberen Führungsetagen bemerkbar.

Eigentlich ist es so banal, dass man sich kaum traut, es an dieser Stelle zu schreiben: Sich zu entschuldigen, wenn man einem anderen einen Schaden zugefügt hat oder auch nur die Verantwortung dafür trägt, gehört zu den elementarsten sozialen Grundtugenden. Das verstehen selbst Kinder frühesten Alters.

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Man darf durchaus davon ausgehen, dass Zumwinkel, Pierer und Co dieses Mindestmaß an Anstand mal gelernt haben. Aber offensichtlich haben sie es in den Jahrzehnten ihrer glanzvollen Karrieren wieder gänzlich verlernt. Heute sind sie nicht mehr in der Lage, offen einzugestehen, welche Verletzungen sie anrichten. Sie investieren unendlich viel Energie (und Geld), um jeden Vorwurf der juristischen Schuld zu entkräften. Die womöglich noch bedeutsamere moralische Schuld bleibt vielfach auf der Strecke. Ganz unabhängig davon, ob René Obermann nun von den Bespitzelungsaktionen der Telekom gewusst hat oder nicht, als jetziger Chef des Unternehmens wäre es ein Zeichen der Menschlichkeit gewesen, sich vor allem anderen und unverzüglich persönlich bei den Opfern zu entschuldigen.

Auch wäre es wohl nicht zu viel verlangt, wenn Herr von Pierer, der über Jahrzehnte öffentlich seine eigene Tadellosigkeit inszeniert hat, sich vor seinen Mitarbeitern und Aktionären eine ehrliche Bitte um Verzeihung abgerungen hätte.

Und schließlich: Wäre Klaus Zumwinkel ein Mann von Format, so hätte er längst das Große Bundesverdienstkreuz, das er über Jahre stolz bei jedem Anlass zur Schau trug, an den Bundespräsidenten zurückgeschickt – mit einigen Zeilen des echten Bedauerns, dass er das in ihn gesetzte Vertrauen derart enttäuscht hat.

Wir erleben derzeit die größte Vertrauenskrise der deutschen Wirtschaft seit Gründung der Bundesrepublik – auch deshalb, weil deren Größen zu klein sind, für eine einfache menschliche Geste.

Klaus Schweinsberg, Herausgeber

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