Diverses Viel Wind um eine Heuschrecke

Alexander Mayerhöfer, stellv. Chefredakteur impulse

Alexander Mayerhöfer, stellv. Chefredakteur impulse© Rudolf Wichert

Wer hätte das gedacht: Ausgerechnet ausländische Finanzinvestoren verhelfen den erneuerbaren Energien in Deutschland zum Durchbruch. Blackstone will in die Windparks vor der deutschen Nordseeküste investieren - und das ist gut so, sagt impulse-Redakteur Alexander Mayerhöfer. Nicht nur, weil das als Heuschrecke verschriene Unternehmen für frischen Wind in der Branche sorgen kann.

Vor einigen Jahren haben kanadische Wissenschaftler herausgefunden, dass Heuschreckenschwärme starke Luftströme in großen Höhen nutzen, um sogar den kompletten Atlantik nonstop zu überfliegen. Was die Forscher nicht ahnten: Eine besonders große Heuschrecke aus New York schafft das auch ganz ohne besonderen Luftstrom. Den Wind will Blackstone, der einst als Heuschrecke verunglimpfte Finanzinvestor, eher dafür nutzen, das von ihm verwaltete Vermögen von mehr als 102 Milliarden Dollar, noch zu vergrößern. Eine Milliarde Euro wollen die Amerikaner deshalb in Windparks vor der deutschen Nordseeküste investieren. Brutalo-Sanierer als Umweltapostel?

Wenn sich das Ganze bewahrheitet und alle Verträge wirklich unterschrieben sind, dann ist das eine tolle Nachricht. Trotz des Rückenwinds für die Atomenergie wissen schließlich alle, dass die Meiler nur ein weiterer Kompromiss wären – wer allein auf die seit Jahrzehnten ungeklärte Frage nach der Endlagerung für den radioaktiven Müll eine Antwort weiß, der möge sich bitte melden. Deshalb sind die erneuerbaren natürlichen Energiequellen gerade für unser Land so elementar wichtig. Das Know-how stammt meist von deutschen Ingenieuren, mittelständische Unternehmer machen damit weltweit gute Geschäfte, und wir schaffen hier Arbeitsplätze, die in anderen Bereichen wie der Kohleförderung wegfallen.

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Insofern heißt die Devise: Liebe Heuschrecke, herzlich willkommen in der Energiebranche. Die braucht ohnehin dringend neue Mitspieler, um endlich frischen Wind in den Wettbewerb zu bringen – den es, wenn wir ehrlich sind, bis zum heutigen Tag nicht wirklich gibt. Allerdings muss Blackstone-Chef Stephen Schwarzman erst noch beweisen, ob er es ernst meint mit seinem Engagement in die Zukunftsbranche Windkraft – oder ob der Finanzinvestor nur kurzfristig von der staatlichen Regulierung profitieren will, um sich dann wieder in Luft aufzulösen.

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