Diverses Viele Kleinbetriebe sind zahlungsunfähig

Die Pleitewelle in Deutschland ebbt trotz der leichten konjunkturellen Erholung nicht ab. In den Sog der Zahlungsunfähigkeit sind jetzt vor allem viele kleine und mittelständische Betriebe geraten. Privatinsolvenzen werden immer wichtiger als Ausweg aus Schulden.

Viele Unternehmen seien finanziell angeschlagen, die Kapitalreserven seien erschöpft und die Kreditvergabe erlahme, sagte der Vorstand des Neusser Wirtschafts- und Informationsdienstes Creditreform, Helmut Rödl, am Dienstag in Düsseldorf. Ganz so schlimm wie ursprünglich befürchtet, soll es 2010 aber nicht kommen: Creditreform erwartet bis Jahresende statt bis zu 40.000 jetzt rund 34.000 bis 36.000 Firmenpleiten.

Die Zuwachsrate flache ab und die Wirtschaftslage stabilisiere sich seit Jahresbeginn wieder. Bis zur Jahresmitte traten gut 17.300 Unternehmen wegen Zahlungsunfähigkeit den Gang zum Insolvenzgericht an. Das waren 7,1 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Dagegen entwickelt sich Rödl zufolge für viele Verbraucher „die Privatinsolvenz immer mehr zu einer wichtigen Option, sich der Schulden zu entledigen“. Bis Jahresmitte war die Zahl um 13,3 Prozent auf knapp 55.000 Fälle nach oben geschnellt. Am Jahresende könnte sie den Rekordwert von 115.000 bis 120.000 Fälle erreichen.

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Rödl machte die stark gestiegene Verschuldung für den Anstieg verantwortlich. Rund 6,2 Millionen Deutsche seien überschuldet, sagte er. Das heißt, sie können mit den laufenden Einnahmen ihre Verbindlichkeiten nicht mehr bedienen.

Während sich in der Industrie die Zunahme der Firmenpleiten verlangsamt habe oder wie im Bau die Zahl gar rückläufig sei, stehe der Dienstleistungssektor weiter unter Druck. Dort waren laut Creditreform, die auch als Inkassounternehmen tätig ist, kleine Einzelhändler, Kioske und Schrotthändler ebenso von Insolvenzen betroffen wie Call Center oder Detekteien. Andere Bereiche des Sektors verzeichneten Stabilität. Rödl: „Mit den Genossenschaftsbanken reüssierten Tierarztpraxen und Inkassobüros“.

Stark rückläufig war im ersten Halbjahr 2010 die Zahl der durch Insolvenzen bedrohten Arbeitsplätze. Sie schrumpfte im ersten Halbjahr um 40 Prozent auf 155.000. Erstmals seit vielen Jahren seien durch wirtschaftliche Neugründungen mit rund 200.000 neuen Stellen insolvenzbedingte Verluste wieder übertroffen worden.

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