Diverses Völker, lest die Signale!

Echter Denker und Dichter bist du, wenn es deine Werke als Heftchen gibt, direkt an die Schulen geliefert zur geneigten Pflichtlektüre. Auch die Greatest Hits des Karl Marx sind als kleines gelbes Reclam-Heft erschienen.

Verlag: Philipp Reclam jun. Stuttgart in Ditzingen

Am Anfang jedes Sammelbands stehen Word-Dateien: Zwei Herausgeber suchten für den Verlag in Familienhand aus „Das Kapital“, „Das Kommunistische Manifest“ und anderen Werken Texte für die Leser zusammen. Reclam, 1823 in Leipzig gegründet, kann 3200 Bücher liefern: viele Klassiker, von Platon aufwärts.

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Wie das Reclam-Heft entsteht:

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ISBN-Nummer

Der geheimnisvolle Zahlencode ist eine Bestellnummer und wird von der nationalen ISBN-Agentur in Frankfurt am Main vergeben. ISBN steht für Internationale Standardbuchnummer. Jedes Schriftstück ist mit ihr weltweit genau identifizierbar. Fünf Mitarbeiter vergeben in Frankfurt die Zahlencodes.

Wie auch beim Marx bestehen die Zahlenblöcke aus 13 Stellen. 978 – 3 – 15- 018554-4
Der erste Block ist immer gleich, steht vor jedem Buch, sagt also lediglich, dass es sich um ein Buch handelt. Früher begannen die ISBN-Nummern mit dem Ländercode. Dieser wird heute durch die zweite Zahl repräsentiert. Die 3 steht für den deutschsprachigen Raum. Deutschland, Österreich, Schweiz. 88 etwa steht für italienisch. 15, das ist die Verlagsnummer, die sich nach der Größe des Verlages richtet. Je größer der Verlag, desto kleiner die Nummer. Die Unternehmen brauchen Platz für die Buchnummer, beim Marx die 018554. Dabei handelt es sich um die laufende Nummer des Titels. Ein 10er Kontingent, also zehn Titel, kostet übrigens 177, 85 Euro.

Textrechte: Keiner mehr. Nirgendwo
Marx ist tot. 70 Jahre nach dem Tod erhält niemand mehr Tantiemen. Texte gibt es digital gegen Gebühr bei Staatsbibliotheken. Die Herausgeber bekommen Honorare für das Zusammenstellen und ihre Kommentare. Der Barcode auf der Rückseite kostet Geld: Der Verlag hat eine GTI-Nummer von GS1 Germany gekauft, sie kostet einmalig 230 Euro plus, je nach Umsatz, etwa 400 Euro im Jahr.

Bildrechte: Corbis in Düsseldorf
Dieses Foto wurde 1875 aufgenommen. Kann man drucken, ohne zu bezahlen. Nur, wo die Daten hernehmen? Bildagenturen nehmen 250 Euro für fünf Jahre bei Auflagen bis 2500.

Schrifttyp: Fontshop Berlin
Reclam druckt seit Bleisatzzeiten mit der Schrift Stempel Garamond. Garamond ist ein Sammelbegriff für alte Antiqua-Schriften. Eine besteht aus mehreren Schnitten, es gibt sie VERSAL, kursiv, fett. Ein Komplettsatz kostet 139 Euro. Kann man runterladen oder als Disk bestellen. Man zahlt einmal, egal wie viel gedruckt wird. Schriftenhändler gibt es einige hierzulande.

Papiermaschine: Pama in Freiberg
Jede Maschine, in der Papier hergestellt wird, ist ein Einzelstück. Der Name des Herstellers steht für Papiermaschine. Die für Schönfelder gebaute ist 100 Meter lang, sechs breit, vier hoch. 1835 als Gießerei gegründet, liefert der sächsische Mittelständler in alle Welt.

Papier I + II: Schönfelder Papierfabrik in Annaberg-Buchholz
60 ist die Grammatur des Papiers, so viel Gramm wiegt ein Quadratmeter. Es entsteht so: Händler bringen gesammeltes Altpapier zur Fabrik im Erzgebirge. Wasser löst und säubert es. Der Brei wird gepresst, trocknet auf einem Sieb zu Papier für Innenseiten. Das Cover, Grammatur 240, liefert Ziegler im Schweizer Grellingen. Familienbetrieb wie Schönfelder vor und nach der DDR, die er mit Papier für alle Zeitungen versorgte.

Druckerei: Reclam Graphischer Betrieb in Ditzingen
Layout, Druck, Bindung, passiert alles im Schwesterbetrieb. Kleine Auflagen im Bogen-Offset-, hohe, wie der Marx, im Rollen-Offsetverfahren. Bis zu 100 000 Hefte am Tag. Viele ¬Seiten kommen auf eine Druckvorlage, Platten aus Aluminium. Nach dem Druck wird das Papier geschnitten und gebunden, also als Heft geklebt.

Druckmaschinen: Heidelberger Druck in Wiesloch
Reclam ist eine der wenigen Buchdruckereien, die mit Bogen-Offsetdruck arbeiten. Die SM 102 war das Erfolgsmodell des Weltmarktführers, der gerade kriselt, weil weniger gedruckt wird als früher. SM steht für Speedmaster, läuft vollautomatisch, wendet das Papier ohne Druckerhände. Auch die große Rollen-Offsetmaschine in Ditzingen ist eine Heidelberger.

Farbe: Michael Huber München in Kirchheim-Heimstetten
Mischt das Schwarz für die Buchstaben und das Reclam-Gelb für den Umschlag mit Harzen, Ölen und, beim Gelb, mit Diazopigmenten, Stickstoffdoppel¬bindungen. Die Rohstoffe liefert die Tochter in Mumbai. Schwarz ist leichter zu machen. Huber, ein Familienbetrieb mit 3400 Mitarbeitern, gibt es seit 1765.

Kleber: Planatol Adhesive in Rohrdorf
Minikunststoffe, die sich im Wasser mischen, nicht aber wirklich lösen, sind Dispersionen. In das Fünf-Tonnen-Rührwerk der Firma Ekato aus Schopfheim kommen viele Dispersionen. Planatol-Techniker, bayerische Miraculixe, mischen ein paar Zusätze rein.

Klebebindermaschine: Müller Martini in Kemnat
Reclam-Heftchen werden mit Dispersionsleim geklebt. Die Maschine dafür schneidet auch die bedruckten Flächen aus der Druckmaschine auf Heftgröße, fräst die Kante, wo der Leim hinkommt. Die Firma auf den Fildern nahe Stuttgart baut die Maschine namens Bolero. Ihr Rhythmus ist aber viel schneller: 8000 Takte pro Stunde.

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