Diverses Vom Hörsaal an den Strand

Studierende aus aller Welt verbringen ein Auslandssemester in Wales. Die Hochschulen bieten praxisnahe Forschung und gute Studienbedingungen. Entscheidend ist für viele Gäste auch die Küstenlandschaft der Region.

Der schönste Ort in Wales ist für Ilona Lässle ein Strand: die Three Cliffs Bay auf der Halbinsel Gower im Süden des Landes. Steile Klippen und feiner Sand, der Weg dorthin führt über grüne Wiesen. „Wir haben einen wunderschönen Sommertag dort verbracht“, erinnert sich Lässle. Doch es waren nicht die Strände, die die Studentin im September 2008 nach Wales gelockt haben. Die 25-Jährige hat ein Semester an der University of Glamorgan in der Nähe der walisischen Hauptstadt Cardiff verbracht. Sonst studiert Lässle an der Fachhochschule Neu-Ulm Betriebswirtschaftslehre mit der Fachrichtung Marketing & Sales. Für Wales hat sie sich entschieden, weil die University of Glamorgan einen guten Ruf hat. „Unser Professor hat sehr von der Uni geschwärmt“, sagt sie.

Im vergangenen Jahr haben sich mehr als 10.000 Studierende aus aller Welt für ein Auslandssemester in Wales entschieden. Ungefähr zehn Prozent stammten aus dem außereuropäischen Ausland. Für das laufende Wintersemester sind insgesamt 125.540 Studenten an den zwölf Waliser Universitäten eingeschrieben. Wie Lässle kommen die meisten nicht nur wegen schroffer Küsten und grüner Wiesen. Die Bildungseinrichtungen in Wales bieten Qualität und gute Studienbedingungen.

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Forschen in der Spitzenklasse

14 Prozent der Forschungsprojekte an walisischen Instituten gelten als „weltweit führend“, mehr als ein Drittel erhielt die Auszeichnung „internationale Spitzenklasse“. Dies ergab die Studie „Research Assessment Exercise“ (RAE), welche die Qualität von Forschungsprojekten an britischen Einrichtungen bewertet. Durchgeführt wird die Untersuchung von jenen Stellen, die staatliche Gelder für Forschungsprojekte in Wales, England, Schottland und Nordirland genehmigen.

Zu den besten Einrichtungen im Vereinigten Königreich gehört demnach der Fachbereich für Bauwesen an der Universität von Swansea. Die Hochschule in Bangor schnitt in der Elektrotechnik als Zweitbeste ab. Gute Ergebnisse verbuchten außerdem die Studienfächer Bauingenieurwesen, Elektrotechnik, Informatik, Gesundheitswissenschaften, Neurowissenschaften, Psychologie, betriebswirtschaftliche Fächer, Raumplanung und Politik. Die letzte RAE stammt von 2008.

An mehr als 30 Spitzenforschungszentren, den sogenannten „Centres of Excellence“, arbeiten Wissenschaftler aus aller Welt in den verschiedensten Fachbereichen, von der Astrobiologie bis zur Wundheilung. Meist betreiben sie angewandte Forschung und arbeiten eng mit Unternehmen zusammen. Die walisische Regierung fördert die Vernetzung. Unter dem Namen „Academic Expertise for Business“ (A4B) fließen 70 Mio. Pfund in solche Kooperationsprojekte.

Studenten zufriedener als der Durchschnitt

Zu einem großen Teil finanzieren sich die Forschungsstätten sowieso durch Aufträge aus der Wirtschaft. In den vergangenen Jahren konnten die Universitäten des Landes mehr als 1 Mrd. Pfund für ihre Projekte akquirieren. Forschung aus Wales erlangte zum Beispiel 2007 Weltruhm, als Martin Evans den Medizinnobelpreis für seine Erkenntnisse in der Genforschung erhielt. Er lehrt und forscht noch immer an der Cardiff University, die auch zur Russel Group gehört, einem Verband besonders forschungsstarker Universitäten in Großbritannien.

Für Studenten gibt es ebenfalls Geld. „Wales bietet viele Stipendien und schneidet auch in unabhängigen Untersuchungen zur Zufriedenheit der Studenten sehr gut ab, zum Beispiel im National Student Survey“, sagt Virginia West vom Wales International Consortium, einer Beratungsstelle für ausländische Studenten in Wales. Besonders angetan zeigen sich Studierende zum Beispiel von der Aberystwyth University. Im National Student Survey erklärten 90 Prozent der Teilnehmer, die in Aberystwyth studieren, dass sie sehr zufrieden mit der Lehre an ihrer Hochschule seien. Der britische Durchschnitt liegt bei 82 Prozent.

Auch Lässle erinnert sich gern an ihr Semester in Wales. Besonders wichtig war es ihr, Land und Leute kennenzulernen. Bei den vielen Ausflügen, die sie mit anderen Studenten und neuen Freunden unternommen hat, ist ihr das gut gelungen. „Die Waliser sind sehr lockere und lustige Leute“, sagt sie. Schließlich hat Lässle nicht nur mit anderen Gaststudenten zusammengewohnt, sondern auch mit zwei Einheimischen. Jetzt spricht sie selbst ein wenig Walisisch.

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