Diverses Vom Saulus zum Paulus?

Gesprächsmarathon: Der Konjunkturgipfel im Kanzleramt dauerte sieben Stunden

Gesprächsmarathon: Der Konjunkturgipfel im Kanzleramt dauerte sieben Stunden© dpa

2009 wird es keine Entlassungen im großen Stil geben. So haben es die Dax-Konzerne beim Krisengipfel im Berliner Kanzleramt am Wochenende angekündigt - und damit alle Erwartungen übertroffen. Allerdings nur auf den ersten Blick, warnt impulse-Redakteur Alexander Mayerhöfer Sein Kommentar zeigt, warum es keinen Grund gibt, sich über das Versprechen zu freuen.

Ist das die frohe Botschaft, auf die alle kurz vor dem Weihnachtsfest so sehnsüchtig warten? Die großen Konzerne des Landes bieten an, im nächsten Jahr auf Massenentlassungen zu verzichten – trotz oder gerade wegen der erwarteten Wirtschaftskrise. Das wurde nach dem Treffen bei der Kanzlerin gestern Abend bekannt, und auf den ersten Blick erscheint das Ganze wie ein kleines Wunder. Waren es doch gerade die Herren aus dem Dax, die – im Gegensatz zu vielen mittelständischen Unternehmern – in den vergangenen Jahren unzählige Mitarbeiter auf die Straße setzten, um Geld zu sparen. Einige, wie Deutsch-Banker Josef Ackermann, der gestern mit am Tisch saß, verkündeten sogar Rekordgewinne und Massenentlassungen gleichzeitig.

Jeder bekommt eine zweite Chance, sich vom Saulus zum Paulus zu wandeln. Aber ein Heilsversprechen ist das, was aus Berlin zu hören ist, nicht. Zum einen, weil niemand wirklich etwas versprochen hat, es wurde nur laut gedacht. Zum anderen, weil die Entlassungen bei den Konzernen zwar Schlagzeilen machen und bitter für die Betroffenen sind, aber volkswirtschaftlich weniger ins Gewicht fallen: Denn gut Dreiviertel aller Arbeitsplätze in diesem Land stellt die mittelständische Wirtschaft. Wenn jedoch den Zulieferern und kleinen und mittleren Familienunternehmen die Aufträge wegbrechen, wird es wirklich gefährlich. Und hier liegt das eigentliche Risiko für den Arbeitsmarkt: Denn der Mittelstand selbst ist nicht mehr so robust, wie in den vergangenen Jahrzehnten. Die kleinen und mittleren Unternehmen sind weniger als früher in der Lage, die Arbeitsplatzverluste in Großunternehmen aufzufangen, so eine alarmierende Studie, die das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung heute veröffentlichte. Hinzu kommt: Immer mehr Arbeitsplätze wandern von den großen Firmen in kleine Betriebe, die besonders unter der Wirtschaftsflaute zu leiden haben. Ob es für die noch Hilfsgelder aus Berlin geben wird, soll Ende Januar entschieden werden – immerhin, die Hoffnung bleibt.

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