Diverses Von guten Heuschrecken profitieren

Die Chancen für Unternehmer, hilfreiche Investoren statt aggressiver Finanziers zu finden, sind derzeit so groß wie nie. impulse.de stellt renommierte Adressen für den Mittelstand vor.

Die Kunden der Kunststofffirma TKW
aus dem thüringischen Blankenhain
haben hohe Ansprüche. Auslandsstandorte
soll das Unternehmen in
den kommenden Jahren einrichten, globaler
denken. Und zu einem Systemlieferanten
werden, der ganze Baugruppen
anbietet. „In den nächsten Jahren
kommen auf uns als kleineren Mittelständler
einige Herausforderungen zu“,
sagt Geschäftsführerin Petra Reich. Allein
muss sie sich diesen Aufgaben jedoch
nicht stellen.

Denn seit August 2008 stehen
ihr zwei Private-Equity-Investoren
zur Seite: die Beteiligungsgesellschaft
Addfinity
und DZ Equity Partner, eine
Tochter der Deutschen Zentral-Genossenschaftsbank.
Damals hatte Reichs Vater
einen großen Teil des Familienunternehmens
verkauft, um die Nachfolge zu
regeln. „Wir haben uns die Entscheidung
nicht leicht gemacht“, betont Reich, die
heute knapp neun Prozent der Unternehmensanteile
hält. „Aber sie war für uns die
Richtige. Es läuft mit beiden Investoren
wirklich gut, wir hatten das große Glück,
dass es auch menschlich gepasst hat.“

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Addfinity-Partner Stefan Eylert, der in
die TKW-Geschäftsführung eingestiegen
ist, kommt selbst aus der Kunststoffbranche
– man spricht die gleiche Sprache.
Die Beteiligungsgesellschaft hat bereits
ein anderes Kunststoffunternehmen im
Portfolio und möchte ihr Engagement in
dieser Branche weiter ausbauen. Beide
Investoren engagieren sich langfristig
und mit einem hohen Eigenkapitalanteil.
Heuschrecken, als die viele Private-Equity-Gesellschaften verschrien sind, würden
so kaum vorgehen.

Die Bösewichte des Finanzmarkts
haben
zurzeit Probleme: Beteiligungsgesellschaften,
die im großen Stil Unternehmen
aufkaufen und sie auf Rendite
trimmen, können für ihre Geschäfte nicht
mehr genügend Geld auftreiben. Denn
sie kombinieren bei ihren Deals in der
Regel Eigenkapital aus den von ihnen
aufgelegten Fonds mit günstigem Fremdkapital
– und das geben die Geldinstitute
jetzt nicht mehr so einfach heraus. „Es
gibt praktisch keine Banken mehr, die
solche Akquisitionen finanzieren“, bestätigt
Michael Keller von der Investmentberatung
Klein & Coll., die auf Verkäufe
von Mittelständlern spezialisiert ist.

Weil es kein Geld mehr für die Hebelkredite
gibt, sieht es schlecht aus für
neue Beteiligungen. Hinzu kommt, dass
viele der Unternehmen, an denen Private-
Equity-Gesellschaften beteiligt sind,
selbst finanzielle Probleme haben und
zusätzliches Geld von ihren Investoren
benötigen. „Der Private-Equity-Markt in
Deutschland ist seit sechs Monaten nahezu
ausgetrocknet“, resümiert Keller.

An allen Ecken und Enden wird das
Geld knapp. Im Jahr 2007 warben die
deutschen Private-Equity-Gesellschaften
noch 5,7 Milliarden Euro für ihre Fonds
ein. Im vergangenen Jahr waren es nach
Angaben des Bundesverbands Deutscher
Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK)
nur noch 1,9 Milliarden Euro – ein Rückgang
um rund zwei Drittel. „Aufgrund
der weltweiten wirtschaftlichen Talfahrt
ist davon auszugehen, dass sich der deutsche
Private-Equity-Markt 2009 weiteren
Einschnitten gegenübersehen wird“, prognostiziert
der BVK.

Die Krise des Private-Equity-Marktes
kann für Unternehmer, die einen Investor
suchen, allerdings von Vorteil sein:
Die Chancen, nicht an eine Heuschrecke,
sondern an einen unternehmerisch denkenden,
strategischen Investor zu geraten,
stehen jetzt besonders gut. Kleinere
Beteiligungen oder Übernahmen, an die
Beteiligungsgesellschaften teils mit mehr
als 50 Prozent Eigenkapital herangehen,
laufen nämlich noch. „Es gibt in diesem
Markt ein relativ stabiles Investitionsverhalten“,
bestätigt Uwe Fleischhauer
von der Private-Equity-Beratung Fleischhauer,
Hoyer & Partner.

Gesellschaften,
die nicht mit Milliarden jonglieren, sondern
sich mit kleinen bis mittleren Millionenbeträgen
im deutschen Mittelstand
beteiligen, investieren seiner Beobachtung
nach zwar derzeit etwas weniger –
aber sie investieren.
Etwa 20 Private-
Equity-Investoren sind hierzulande in
diesem kleinen Markt aktiv, dem sogenannten
Mid-Cap-Bereich. Hinzu kommen
Family Offices, also Verwalter großer
Familienvermögen, sowie mehrere
öffentliche Investoren wie etwa die
Private-
Equity-Tochter der Bayerischen
Landesbank.

Wer jetzt noch Beteiligungen eingeht,
muss zwar nicht automatisch ein wünschenswerter
Investor sein – aber dieChancen, dass er es ist, stehen gut. Unternehmer
erkennen gute Heuschrecken
nicht nur daran, dass sie bevorzugt in
mittelständische Unternehmen investieren.
Auch ein langfristiges Engagement
deutet auf einen unternehmerisch
denkenden
Kapitalgeber hin. Während
viele große Private-Equity-Gesellschaften
schon nach zwei bis drei Jahren aus
Beteiligungen aussteigen, halten Investoren,
die im Mid-Cap-Segment aktiv sind,
Anteile oft viele Jahre lang.

Kaum Druck, schnell Rendite zu erzielen

Der Druck,
schnell Rendite zu erzielen, ist vor allem
bei Investoren mit sogenannten Evergreen-
Fonds kaum gegeben. Dabei handelt
es sich um offene Fonds ohne
Limit
für Laufzeit und Volumen. „Wir haben
keine strukturellen Begrenzungen dafür,
wie lange wir eine Beteiligung halten“,
sagt etwa Matthias Kues, Sprecher der
Geschäftsführung der Nord Holding. Die
Nord/LB-Tochter beteilige sich mit ihrem
Evergreen-Fonds teils vier Jahre lang an
einem Unternehmen, manchmal aber
auch länger als eine
Dekade.

Einige Mid-Cap-Beteiligungsgesellschaften
legen gar keine Fonds auf,
sondern
investieren zum Großteil direkt
Kapital ihrer Eigentümer. Das kommt
mittelständischen Unternehmen entgegen,
an denen sie sich beteiligen. Denn
statt eines renditeorientierten Investors
wollen Chefs lieber ein zukunftsfähiges
Konzept für ihr Geschäft.

Ein hilfreicher neuer Anteilseigner
sollte Unternehmen nur behutsam restrukturieren,
statt alle Firmenbereiche
auf den Kopf zu stellen. Weil ihr Investor
genau das tut, ist Beate Ebert, Chefin der
Ebert Hera Group, davon überzeugt, die
richtige Entscheidung getroffen zu haben
– auch wenn ihr der Verkauf des eigenen
Unternehmens nicht leichtgefallen ist.

Ebert benötigte im vergangenen Jahr
dringend Kapital für das Wachstum ihrer
Unternehmensgruppe. Die Ebert Hera
Group mit Sitz in Baden-Baden besteht
aus zehn Unternehmen und ist vor allem
im Anlagenbau aktiv. Aus den anfänglich
30 Mitarbeitern sind mittlerweile fast
900 geworden. Auch der Umsatz ist stark
gestiegen und soll in diesem Jahr die
100-Millionen-Euro-Marke überschreiten.
„Das Wachstum haben wir in den
vergangenen Jahren vollkommen selbst
finanziert“, sagt Ebert – das ging nicht
länger.

Im April 2008 kam deshalb der
Kontakt zu Odewald KMU zustande,
einer
Tochter der Beteiligungsgesellschaft
Odewald & Compagnie, die sich
ausschließlich an kleinen und mittleren
Unternehmen beteiligt.
Im Januar dieses Jahres, mitten in der
Finanzkrise,
machten Ebert und der Investor
das Geschäft perfekt, um die Gruppe
weiter auf Wachstumskurs zu halten.
„Wir hatten über Odewald viel Gutes
gehört“,
begründet die Unternehmerin
ihre Wahl: Die Private-Equity-Gesellschaft
investiert konservativ in den deutschen
Mittelstand und hält Beteiligungen
bis zu sieben Jahre lang.

„An den Meistbietenden
haben wir nicht verkauft, und
mit einem Spieler hätte ich das Geschäft
nicht gemacht“, betont Ebert, die zusammen
mit ihrem Mann noch 30 Prozent
der Unternehmensanteile hält. Denn sie
wollte einen Investor, dem sie vertraut.
Und der ihr nicht abspricht zu wissen,
was gut für ihr Unternehmen ist: „Die Gesellschaft
mischt sich nicht in die Technik
ein“, sagt Ebert zufrieden. „Denn damit
kennen wir uns besser aus.“

Gute oder böse
Heuschrecke?

Einzelne Betriebsteile oder gar das ganze
Unternehmen zu verkaufen ist ein großer
Schritt. Wer trotzdem veräußern will und
einige Hinweise beachtet, kann zumindest
schnell feststellen, ob interessierte
Finanzinvestoren zu den vielversprechenden
oder eher fragwürdigen zählen.

1. Viel Eigenkapital
Gute Investoren leihen sich nicht große
Mengen Geld, um ein Unternehmen zu
übernehmen, und bürden ihm diese
Schulden im Anschluss auf. Sie finanzieren
Übernahmen oder Beteiligungen
größtenteils mit einem hohen Anteil an
Eigenkapital, oft mehr als 50 Prozent.

2. Durchhaltevermögen
Wer sich deutlich länger als zwei oder
drei Jahre in einer Firma engagiert, signalisiert:
Er ist vermutlich an dauerhaft erfolgreichen
Änderungen interessiert statt
daran, etablierte Strukturen möglichst
schnell aufzugeben und einzelne Teile
profitabel zu veräußern. Finanzgesellschaften,
die zeitlich nicht limitierte
Evergreen-
Fonds aufgelegt haben, müssen
weniger Renditedruck von ihren Anlegern
befürchten als solche, deren Fonds eine
begrenzte Laufzeit haben.

3. Mittelstandsfokus
Beteiligungsgesellschaften, die traditionell
in mittelständische Firmen investieren,
machen auf verkaufswillige Unternehmer
oft zu Recht einen vertrauenerweckenden
Eindruck. Sie kennen sich in diesem Bereich
aus, wissen, wie Familienunternehmer
ticken, und sind eher kooperativ als
aggressiv im Umgang.

4. Gutes Renommee
Wer Unternehmen erst Schuldenberge
aufbürdet und sie dann ausplündert,
dem eilt ein entsprechender Ruf voraus.
Unternehmer, die mit einer Private-Equity-
Gesellschaft zu tun haben, die von außen
schlecht einzuschätzen ist, sollten
sich bei anderen Firmen, an denen die
Gesellschaft beteiligt ist, nach möglichen
Problemen erkundigen. Es ist auch sinnvoll,
den Umgangston zu hinterfragen,
der zwischen Geschäftspartnern herrscht.

Stattdessen
versuchen die Experten von Odewald,
technikferne Firmenbereiche wie das
Controlling und die Finanzen in Ordnung
zu bringen. „Wir haben einen sehr
guten Umgang miteinander und bekommen
von Odewald konstruktives Feedback“, lobt die Maschinenbauerin die Zusammenarbeit.
Ihrer Ansicht nach ist es
ein Glück für Mittelständler, dass die
Banken sich derzeit weigern, Beteiligungen
mit viel Fremdkapital
zu finanzieren. Denn so passiert
nicht, was böse Heuschrecken
gemeinhin zu tun
pflegen: Sie bürden den Firmen
die für die Beteiligung gemachten
Schulden
recht schnell wieder auf. „Hohe Verschuldung
ist tödlich für jedes Unternehmen“,
sagt Ebert.

Viele Firmen orientieren sich bei der
Wahl eines Investors daran, wie dieser
unter anderen mittelständischen Unternehmern
gelitten ist. So dürfte beispielsweise
die britische Investorengruppe
Kingsbridge Capital, eine Tochter der
österreichischen
Hardt Group, ihren Ruf
in Deutschland in den vergangenen Monaten
gründlich ruiniert haben.

Kingsbridge
hatte 2006 den traditionsreichen
schwäbischen Modelleisenbahnhersteller
Märklin übernommen – und wirtschaftete
ihn so herunter, dass Märklin im
Februar
dieses Jahres Insolvenz anmelden
musste. Obwohl das Unternehmen
ohnehin schon Verlust machte, flossen
Millionenbeträge aus der Firmenkasse an
Geschäftsführer, Aufsichtsräte und Berater
– bis Märklin am Boden
lag. Statt
als Hoffnungsträger und Sanierer gefeiert
zu werden, ist Kingsbridge jetzt als
gnadenloser Finanzvampir verschrien.

Wie sehr es hilft, bei der Suche des
passenden Finanziers wählerisch zu sein,
weiß Andreas Künzli. Der Unternehmer
betreibt vier Fachschulen für Hotelmanagement
in der Schweiz mit etwa
450 Mitarbeitern. Er benötigte Geld, um
das Wachstum seiner Swiss Education
Group zu finanzieren, und machte sich
auch Gedanken darüber, was mit dem
Unternehmen zu geschehen habe, wenn
ihm etwas zustoßen oder er krank werden
sollte. Denn er hat keine Familie, die
das Unternehmen fortführen könnte.
„Ich sprach mit drei oder vier verschiedenen
Interessenten“, erzählt Künzli. Einige
von ihnen hätten sogleich danach
gefragt,
wo sich denn bei der Swiss Education
Group noch nennenswert Geld
einsparen lasse – das war nicht das, was
der Unternehmer sich vorgestellt hatte.

Invision hingegen rückte Kostenersparnis
und Rendite nicht in den Vordergrund. Deshalb entschied sich Künzli
für diese Beteiligungsgesellschaft. „Bei
denen hatte ich ein gutes Gefühl“, sagt
er. Diese Entscheidung ist zwar bereits
vier Jahre her – das Geschäft wurde dennoch
erst im März 2008 abgeschlossen,
als die Stimmung bei den Banken schon
etwas gedämpft war. „Aus technischen
Gründen haben wir den Geschäftsabschluss
etwas zurückgestellt“, erklärt
Künzli. „Ein Verkauf braucht viel Zeit.“

Der Firmenchef, er hält weiterhin
20 Prozent der Unternehmensanteile,
hat seine Entscheidung bis heute nicht
bereut. Invision habe ihm weder das Heft
aus der Hand genommen noch radikale
Änderungen gegen seinen Willen durchgesetzt. Die Mitarbeiter der Beteiligungsgesellschaft
führten sich nicht als die
neuen Bestimmer auf, sondern verhielten
sich wie Kollegen. „Wir unterhalten
uns auf gleicher Ebene.“ Seine eigenen
Ideen für das Unternehmen und die von
Invision, so berichtet Künzli, lägen
auffällig
nahe beieinander. Die Beteiligungsgesellschaft
habe trotz Finanzkrise
mitnichten überall gespart, sondern
investiere
in bisher vernachlässigte
Firmenbereiche
wie Controlling, Finanzen
und Marketing.

Niedrige Bewertung als Knackpunkt

Doch selbst wer wie Künzli den passenden
Finanzinvestor findet, kann immer
noch ein entscheidendes Problem haben:
den Verkaufspreis. Denn die Finanzkrise
bringt es mit sich, dass viele Unternehmen
schlechter bewertet werden als noch
vor einigen Monaten – und Investoren
deshalb die Preisvorschläge verkaufswilliger
Unternehmer als zu hoch ablehnen.
Während etwa ein mittelgroßes Maschinenbauunternehmen
im März 2008 noch
das 0,47- bis 0,79-Fache seines Jahresumsatzes
wert war, sank der Faktor in
diesem Jahr auf nur noch das 0,41- bis
0,67-Fache.

Experten gehen davon aus, dass dieser
Trend anhalten wird. Verkaufswillige
Chefs müssen deshalb ihre Erwartungen
herunterschrauben. Denn letztlich ist ein
Verkauf pure Verhandlungssache: Es
kommt darauf an, einen Kompromiss zu
finden, mit dem sowohl Käufer als auch
Verkäufer leben können.

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