Diverses Vorsicht beim Ost-Geschäft

Viele Firmenchefs wollen in Ländern wie Polen oder Tschechien investieren, um dadurch erhebliche Kostenvorteile zu erzielen. Bisweilen passiert aber das genaue Gegenteil. Die Münchner Base Consult GmbH, die vor allem Mittelständler auf ihrem Weg in den Osten berät, zeigt die vier typischen Missverständnisse.

Allgemein niedrige Lohnkosten?

In der Tat liegt das durchschnittliche Lohnniveau in Osteuropa deutlich un-ter dem deutschen. Doch nur in weni-gen Branchen wie etwa dem Automo-bilsektor verdienen die Menschen so viel weniger, dass sich das für deutsche Firmen auszahlt. Vielmehr variiert das Lohnniveau je nach Branche und Region erheblich. Zudem ist vor allem in den neuen EU-Staaten mit kontinuierlichem Anstieg der Gehälter zu rechnen.

Anzeige

Standortverlagerung senkt Stückkosten?

Dies mag stimmen, allerdings erst auf lange Sicht. Die kurzfristige Rechnung wird dagegen von den bei der Verlagerung anfallenden Kosten dominiert. Hier kalkulieren manche Chefs zwar die Aufwendungen für Gebäude, Maschinen, Personal, Transport und Marktbearbeitung. Die in Deutschland anfallenden Ausgaben für Personalabbau, Produktionsausfall oder Abwicklung langfristiger Miet- oder Lieferverträge werden vernachlässigt.

Osteuropa-Engagement bringt Fördermittel?

Mittelständler können tatsächlich bis zu 60 Prozent ihrer Investitionskosten über Fördermittel finanzieren, als direkte Zuschüsse oder über Steuererleichterungen. Dies lenkt allerdings leicht ab von den eigentlichen Chancen und Risiken des Ost­euro­pa-Engagements: Denn spätestens, wenn die Förderung ausläuft, muss sich die Investition selbst tragen.

Große kulturelle Übereinstimmung?

Die größte Fehleinschätzung. Obwohl die Länder im Osten zu Europa zählen, gibt es große kulturelle Unterschiede. Bis heute sind viele Menschen noch vom alten Sowjetstil geprägt. Die kulturellen Standards, Erwartungen, Überzeugungen und Arbeitsweisen decken sich vielfach nicht mit den Vorstellungen deutscher Investoren. Ohne Verständnis für die Menschen in diesen Ländern droht jedes Projekt zu scheitern. Dies insbesondere dann, wenn es von einem deutschen Hauptsitz aus gesteuert werden soll.

Weitere Meldungen aus dem Management-Magazin können Sie in der impulse-Ausgabe 06/2005, Seite 64, nachlesen.

Neugierig geworden, aber noch kein Heft-Abonnent? Dann Geschenk auswählen und online abonnieren

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...