Diverses Vorsteuer voll absetzen

Wer ab Herbst 2003 ein Wohn- und Geschäftshaus gebaut hat und selber nutzt, bekommt reichlich Umsatzsteuer zurück. Jetzt profitieren auch Bauherren früherer Jahre. Wie der Dreh funktioniert, wie groß der Steuervorteil ist.

Ein Urteil aus Luxemburg beschert vielen Unternehmerfamilien einen wahren Geldsegen. Wer ein Haus baut und es teils für die Firma (mindestens zehn Prozent), teils privat nutzt, kann es für die Umsatzsteuer dem so genannten Unternehmensvermögen zuordnen.

Einfamilienhaus mit Büroraum genügt. Dann muss das Finanzamt dem Investor die Umsatzsteuer (Vorsteuer) aus allen Bau- oder Handwerkerrechnungen erstatten. So hatte der
Europäische Gerichtshof (EuGH) entschieden
(impulse 9/2003).

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Was aber ist mit Bauherren, die vor dem EuGH-Urteil investiert haben, davon also nichts wissen konnten? Sie haben – wie damals üblich – die Vorsteuer nur für den Teil des Hauses geltend
gemacht, den sie geschäftlich selbst genutzt oder vermietet haben.

Diese Unternehmer können nachträglich auch noch die restlichen Vorsteuerbeträge zurückverlangen. So entschied jetzt das Finanzgericht München
(Aktenzeichen 14 K 55/04; rechtskräftig). Das funktioniert in den meisten Fällen. Denn Steuerbescheide sind noch nicht bestandskräftig.

Im Gegenzug ist allerdings für die private Nutzung der Wohnung 16 Prozent Umsatzsteuer fällig. Es handelt sich dabei um den so genannten Eigenverbrauch. Bemessungsgrundlage dafür sind seit Januar 2005 pro Jahr zehn Prozent der Baukosten, die auf die Privatwohnung entfallen. Das bedeutet eine kräftige Steuererhöhung.

Denn der EuGH hatte entschieden, dass jährlich nur zwei Prozent der Baukosten zu Grunde gelegt werden müssten. „Damit verstößt Berlin sehenden
Auges gegen EU-Recht“, tadelt Matthias Lefarth, Steuerchef beim Zentralverband des Deutschen
Handwerks. Er rechnet damit, dass der EuGH den deutschen Gesetzgeber schon bald zurückpfeifen wird.

Weitere Meldungen aus dem Steuer-Ressort können Sie in der impulse-Ausgabe 02/2005, Seite 100, nachlesen.

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