Diverses VW spielt seine Macht bei Zulieferern aus

Volkswagen ist das Zugpferd der deutschen Autoindustrie, baut seinen Weltmarktanteil aus und wird immer überlegener. Die Lieferanten kritisieren die Einkaufspolitik des Konzerns, von der nur wenige Hersteller profitieren würden.

Volkswagen spielt seine wachsende Bedeutung auf den Märkten immer stärker in Preisverhandlungen mit seinen Lieferanten aus. Der Wolfsburger Konzern bestelle vermehrt Millionen-Stückzahlen an Teilen und verlange dafür branchenweit die höchsten Preisnachlässe, sagten mehrere Lieferanten der Nachrichtenagentur Reuters. Statt der branchenüblichen Preissenkungen um jährlich drei bis fünf Prozent dringe VW beim Abschluss neuer, mehrjähriger Lieferverträge auf deutlich höhere Abschläge, sagte der Chef eines großen VW-Zulieferers.

Der Wolfsburger Konzern fordere Vorabzahlungen, die im Zuge der Lieferungen wieder verrechnet würden. „Die Zulieferer, die überhaupt in die Endauswahl gekommen sind, kaufen sich damit quasi ein“, klagte ein Manager eines anderen Zulieferers, der als VW-Kunde nicht genannt werden wollte. Die vorab an VW geleisteten Zahlungen belasteten vor allem jene Unternehmen, die wegen der Absatzkrise ohnehin mit Liquiditätsengpässen kämpften.

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Materialkosten im Blick

VW wollte sich nicht im Detail dazu äußern. „Volkswagen steht im laufenden Geschäftsjahr vor großen Herausforderungen und arbeitet nachhaltig an den Kostenstrukturen“, sagte ein Sprecher. Im Blick habe VW wegen des geplanten Absatzzuwachses vor allem die Materialkosten. „Auch unsere Partner partizipieren durch die zu erwartenden Volumeneffekte an diesem weltweiten Wachstum“.

Hintergrund des VW-Einkaufskurses ist die Strategie der Wolfsburger, möglichst viele identische Bauteile in möglichst vielen Modellreihen zu nutzen. Diese auch von Porsche seit Jahren verfolgte Gleichteilestrategie führt dazu, dass VW größere Volumina bei Zulieferern einkauft als noch vor Jahren. „Angefragt werden meist Aufträge über drei, vier oder fünf Millionen Stück des selben Bauteils“, heißt es in der Branche.

„VW ist ein Sonderfall“

Bei Premiumherstellern wie Daimler oder BMW sind solche Stückzahlen nicht zu erreichen, da beide Unternehmen zusammen weltweit zuletzt gerade einmal 2,4 Millionen Pkw verkauften. VW lieferte hingegen 2009 allein von seiner Kernmarke VW 3,95 Millionen Pkw rund um den Globus aus, zusammen mit den übrigen Pkw-Marken wie Audi, Seat und Skoda kam der Konzern sogar auf 6,3 Millionen Wagen. „VW ist ein Sonderfall unter den deutschen Herstellern: Weil die anderen Autobauer einfach nicht ein so hohes Volumen einkaufen können“, sagte der Manager eines Zulieferers.

Die langlaufenden Lieferverträge bei VW verschärfen in seinen Augen den Wettbewerb der Zulieferer. „Es gibt weniger Aufträge, die zu vergeben sind.“ Die im Bieterwettstreit erfolgreichen Zulieferer könnten jedoch von der VW-Strategie profitierten: „Ein Zuschlag bei VW bedeutet hohe Sicherheit und hohe Auslastung für viele Jahre.“ Zudem könnten die Zulieferer im Regelfall höhere Qualität liefern, da der für Entwicklung und Mängelkontrolle nötige Aufwand auf ein größeres Liefervolumen umgelegt werden könne.

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