Diverses Wahl 2009: Der gegen den Strom schwimmt

Viele Unternehmer gehen raus, er will unbedingt rein: Der Wuppertaler Elektromeister Manfred Todtenhausen kämpft um den Einzug in den nächsten Bundestag. impulse hat den Überraschungskandidaten getroffen..

Er will nachts wieder Plakate kleben, am Wochenende am Stand vor dem Supermarkt stehen und sich mit Passanten den Kopf heißreden. Im Bundestagswahlkampf 2005 war Manfred Todtenhausen ein fleißiger Parteiarbeiter für die Wuppertaler FDP. Diesmal plant er einen Werbefeldzug in eigener Sache: Todtenhausen, Elektromeister und Chef des Zwölf-Mann-Betriebs Elto GmbH, möchte für die Liberalen in den Bundestag. Nach vier Jahren als Wuppertaler Stadtrat wäre das NRW-Parlament eigentlich der nächste Karriere­schritt. Aber ein Landtagsmandat reicht dem ehrgeizigen Polit-Unternehmer nicht: „Wer wirklich was verändern will, der muss nach Berlin gehen.“

Einer schwimmt gegen den Strom. Viele Unternehmer verlassen den Politikbetrieb – frustriert, ernüchtert und teils vertrieben. Vor gut 40 Jahren kam noch fast jeder vierte Abgeordnete aus den Reihen der Selbständigen. Im aktuellen Bundestag gehören sie mit einem Anteil von gerade noch knapp acht Prozent zu einer seltenen Spezies. Sogar bei den Liberalen sind Firmenchefs inzwischen rar geworden.

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„Ich kann die Unternehmer verstehen. Schon das Abgeordnetengehalt ist, gemessen am Arbeitsaufwand, wirklich keine Verlockung“, sagt Kandidat Todtenhausen. Doch das hält den 57-Jährigen nicht davon ab, den Durchmarsch nach Berlin zu versuchen. Auf eine späte Polit-Karriere hofft er nicht. Seine Motive: „Wenn wir es ernst meinen mit der Forderung nach mehr Unternehmern im Parlament, dann muss auch jemand den Anfang machen.“

Todtenhausen will Vorbild sein. Und hofft, so er es ins Parlament schafft, potenzielle Nachahmer aus den Reihen der Unternehmer zu ermutigen, ihm in die Kapitale zu folgen. Ein Idealist? „Ja – und es macht mir Spaß, denn die Herausforderung ist fast so groß wie die Gründung eines Unternehmens“, sagt Todtenhausen.

Auf der Überholspur

Der Wahlkämpfer ist ein Spätberufener. Über Jahrzehnte hinweg beschränkte sich sein politisches Engagement weitgehend auf die Zeitungslektüre. Eher durch einen Zufall kam er 2002 an eine Einladung zu einem Auftritt von Jürgen Möllemann in der Schalke-Arena. Und der konnte mit Worten tatsächlich Menschen für sich gewinnen. Todtenhausen war einer von ihnen. Noch im selben Monat wurde der damals 51-Jährige FDP-Mitglied.

Doch der Unternehmer wollte nicht nur Beiträge zahlen, sondern auch mitmischen. Wofür andere ein Leben lang hart arbeiten, gelang ihm vom Start weg: Ratsmitglied, Kreisvorstand, Vize-Chef des Bundesverbands Liberaler Mittelstand.

Auf jeder Stufe seiner überraschenden Karriereleiter gab es zwar Widersacher: Er möge sich erst einmal in der Partei beweisen, lautete der Einwand alteingesessener Funktionäre, die sich nicht gerne von Neulingen überholen ließen. Todtenhausen indes punktete mit seiner mit­reißenden Art, vor allem aber mit seiner Leistungsbereitschaft. „Wenn ich sage ‚Wir müssen mal‘, meine ich an erster Stelle mich selbst“, sagt er.

Mit Hartnäckigkeit ist er auch im Beruf nach oben gekommen. Nach Lehre und Meisterschule war er zunächst Betriebsleiter. 1981 machte er sich selbständig. Nach schweren Jahren schaffte er den Durchbruch. Heute steht die Firma mit zwölf Mitarbeitern klein, aber fein da.

Auf dem Weg zum Bundestagseinzug hat er jetzt gerade die erste Hürde genommen: Der Wahlkreis 103 Wuppertal kürte ihn zum FDP-Spitzenkandidaten. Mit 91 Prozent Zustimmung. Da der Gewinn des Direktmandats für einen Liberalen aber so unwahrscheinlich ist wie ein Champions-League-Platz des Wuppertaler SV, kämpft Todtenhausen um einen aussichtsreichen Platz auf der NRW-Landesliste.

Im November ist der Nominierungsparteitag. Realistisch scheint ein Platz 15 plus x. Nach aktuellen Umfragen liegt die FDP bei gut elf Prozent der Wählerstimmen. Wenn es so bliebe, würde dem Elektromeister sogar Rang 17 genügen.

Ein Wahlsieg würde alles in seinem Leben verändern. Was ihm am schwersten fiele: „Ich müsste die Unternehmensleitung abgeben.“ Kommunalpolitik und Unternehmer­dasein, das mag noch gehen – aber MdB ist ein Fulltime-Job, dessen ist sich Todtenhausen sicher. Und
hat die Belegschaft vorsorglich in diese Konsequenz eines Wahlerfolgs schon eingeweiht.

Berliner Perspektiven

Auch die Regelung für die Nachfolge steht bereits. Die Mitarbeiter würden die Firma übernehmen. Der Plan existiert, seit klar ist, dass Todtenhausens Sohn nicht Unternehmer, sondern Pädagoge wird. Durch den Bundestagseinzug würde dieser früher als gedacht greifen.

Mit einem Bundestagsmandat hätte dann die zweite Karriere des Mittelständlers wohl ihren Höhepunkt erreicht. Es sei denn, die FDP wäre Teil der nächsten Bundesregierung. Und Vize-Kanzler Westerwelle suchte vielleicht einen überzeugenden Staatssekretär als Verbindungsmann zum Mittelstand. Dann hätte Todtenhausen wieder die Chance, der Überraschungskandidat zu werden.

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