Diverses Wann sollten sich Anleger selbst anzeigen?

Finanzminister Steinbrück ist fest entschlossen Steueroasen auszutrocknen. Für Anleger, die ihr Vermögen ins Ausland geschafft haben, wird die Luft dünn. Für eine Steuernacherklärung ist es aber nicht zu spät.

Die Steueroasen werden nach und
nach trockengelegt: Angetrieben
von Peer Steinbrück, einigte sich die
Große Koalition nach langem Ringen auf
einen Gesetzesentwurf zum Kampf gegen
Steuerflucht.

Ohnehin haben sich mittlerweile weltweit
die meisten Länder – auch ehemalige
Steueroasen wie die Schweiz, Luxemburg
oder Liechtenstein – dem Standard
der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit
und Entwicklung (OECD)
für Transparenz und Informationsaustausch
gebeugt.

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„Steueroasen wird es weiterhin geben“

Trotz allen Jubels über die Eindämmung
von Steuerflucht: Vollständig in den
Griff bekommen wird die Regierung das
Problem wohl nie. „Steueroasen wird es
weiterhin geben“, sagt etwa Ralf Lüdeke
aus der Wirtschaftsprüfungskanzlei Fides.
Nach wie vor seien etwa Hongkong und
Macao für Anleger attraktiv.

In vielen Fällen sind die Wege beim
zwischenstaatlichen Informationsaustausch
zwischen den Behörden aber tatsächlich
künftig deutlich kürzer. Hat das
Finanzamt einen Verdacht, kann es eine
Anfrage an ausländische Kollegen starten.
Anders als früher bekommen sie künftig
detaillierte Antworten.

Internationale Ermittlungen ins Blaue hinein sind tabu

Internationale Ermittlungen ins Blaue
hinein bleiben jedoch für die Finanzamtskontrolleuretabu. Europa- und weltweit
gibt es über Konten und Depots nur Auskünfte,
wenn ein konkreter Anfangsverdacht
auf Steuerhinterziehung besteht.

Sobald Konten enttarnt sind, kommen
deutsche Behörden leicht an weitere Informationen.
„Wem das Risiko zu groß
wird, macht jetzt per Selbstanzeige reinen
Tisch“, sagt Karsten Randt, Partner bei
der Kanzlei Flick Gocke Schaumburg.
Denn trotz aller Drohgebärden aus dem
Finanzministerium: Es ist nicht zu spät für
die Steuer-Nacherklärung.

Nacherklärung ohne Patzer

Genauigkeit Sämtliche steuerlich nicht
erklärten Beträge müssen korrekt und vollständig
nacherklärt werden. Ist das Interesse
der Prüfer einmal geweckt, werden
diese gründlich nachforschen. Wichtig: Die
Nacherklärung darf nicht Selbstanzeige
genannt werden.

Planung Die nötigen Bankunterlagen für
die Selbstanzeige einfach per Post aus
dem Ausland kommen zu lassen birgt die
Gefahr, dass die Daten dem Zoll oder der
Steuerfahndung in die Hände fallen. Stichproben
durch den Zoll sind zwar nicht erlaubt,
kommen aber immer mal wieder
vor. Eine verschlüsselte Übersendung per
E-Mail ist sicherer.

Schnelligkeit Der Steuerzahler muss
den Fahndern zuvorkommen. Stehen
die Prüfer schon in der Tür, ist es für eine
Selbstanzeige zu spät. Unterlagen, die
nicht beim Steuerberater liegen, können
jederzeit beschlagnahmt werden.

Die Angaben in der Selbstanzeige
müssen aber korrekt sein, denn es ist davon
auszugehen, dass im Anschluss an
die Nacherklärung die Steuerfahndung
eingeschaltet wird. Soweit die Angaben
stimmen und die hinterzogenen Steuern
plus Zinsen nachgezahlt werden, kommen
Steuersünder straffrei davon. Die
Nachzahlungsfrist ist aber oft sehr kurz.

Liegt das Geld schon mehr als zehn
Jahre in diskreten Depots, kostet der Gang
in die Steuerehrlichkeit weniger, als viele
denken. „Mehr als 20 bis 25 Prozent des
Vermögens sind es selten“, hat Anwalt
Randt beobachtet. Das Gleiche gilt, wenn
regulär versteuertes Geld ins Ausland
transferiert wurde.

Ein Teil des Geldes ist weg – aber aufgewogen
wird der Verlust mit dem Gefühl,
endlich nichts mehr verstecken zu müssen. Das ist doch auch etwas wert.

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