Diverses Warum gerade Mittelständler auf das mobile Web setzen sollten

Früher hing das Schild "Wir stellen ein" am Werkstor. Wer heute einen Job sucht, braucht sich nur mit dem Handy vors Werkstor zu stellen: Dort erfasst das Mobiltelefon die geografische Position, identifiziert so die Firma und schaut im Internet nach, ob und welche Stellen frei sind. (mit MP3)

Passende Vakanzen erscheinen auf dem Display, ohne das der Nutzer viel eintippen muss. Zukunftsmusik? Keineswegs. Seit Kurzem bietet die Stellenbörse Jobstairs eine kostenlose Software für das iPhone an, die automatisch offene Stellen in der Umgebung des Nutzers anzeigte. Die Verknüpfung von Lokalisierungstechnik mit mobilem Internetzugang macht es möglich. Genau darin sehen Experten einen wichtigen Trend der kommenden Jahre. „Die reale Welt verbindet sich zunehmend mit Informationen aus dem Internet“, sagt Torsten Rehder vom Beratungsunternehmen TrendOne, Hamburg. Outernet nennen Experten diese Verschmelzung von online und offline. Sie soll eine mindestens so große Revolution bringen wie die Verbreitung des Webs in den 1990er Jahren.

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Leistungsfähiger Vertriebskanal

Wie das Outernet schon jetzt neue Geschäftsmodelle schafft, zeigt der amerikanische Immobilienmarkt. Wer jenseits des Atlantiks ein neues Zuhause sucht, braucht nur durchs bevorzugte Wohngebiet zu fahren und dabei auf seinem Handy ein Miniprogramm des Dienstes Trulia laufen zu lassen. Es zeigt ein aktuelles Foto der Umgebung an (von der Handykamera aufgenommen) und blendet darüber Punkte ein. Jeder Punkt steht für ein Objekt, das zu vermieten oder verkaufen ist. Per Knopfdruck kann der Interessent Fotos des Innenraums abrufen. Experten sprechen deshalb von „Augmented Reality“ – angereicherter Realität. Über die Wirklichkeit wird eine zusätzliche Datenwelt gelegt.

Dank dieser Technik entwickelt sich das Handy in den kommenden Jahren zu einer Art drittem Auge – das selbstverständlich auch den Weg zu Unternehmen weist. Wie die Gelben Seiten der Zukunft funktionieren, zeigt heute schon Wikitude, eine Art von Reiseführer für das Handy. Er funktioniert so: Nutzer müssen das Mobiltelefon nur auf eine Sehenswürdigkeiten richten – und bekommen sofort Informationen angezeigt, ohne, dass sie dafür komplizierte Suchworte eingeben müssen. Im Display erscheint automatisch der passende Eintrag aus dem Online-Lexikon Wikipedia.

Wer zulegen will, muss abspecken

Was bedeutet der Vormarsch des Überall-Netzes für Firmen? Zunächst einmal Arbeit, denn die alte Homepage aus den Nullern tut es nicht mehr. „In ein paar Jahren wird es Pflicht sein, eine mobile Version der eigenen Webseite anzubieten“, erwartet Heike Scholz vom Brancheninformationsdienst „Mobile Zeitgeist“.

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Der simple Grund: Immer mehr Menschen surfen per Handy – und das hat ein kleines Display. Selbst das iPhone von Apple verfügt nur über eine Bildschirmdiagonale von neun Zentimetern; ein typischer Computermonitor bietet 48 Zentimeter. Und das bedeutet, es steht weniger Platz für Informationen zur Verfügung. Viele Smartphones können zwar reguläre Webseiten darstellen, doch wirklich gut lesbar sind sie nicht.

Unternehmen, die im mobilen Netz sichtbar sein sollen, müssen also ihre Homepage abspecken. Es gilt, sich auf wenige Informationen zu beschränken; komplexe Navigationselemente und Animationen müssen entfernt und kleine Schriften durch große ersetzt werden. In der Regel muss eine bestehende Jobseite komplett überarbeitet werden, damit sie auch auf einem Handydisplay ansehnlich aussieht. Das erfordert Tests auf unterschiedlichen Geräten – und zusätzliche Kosten. Daumenregel: Eine einfache Homepage auf mobile Besucher umzustellen, schlägt noch einmal mit zehn bis 30 Prozent der ursprünglichen Designkosten zu Buche.

Mit Zusatzdiensten zu mehr Umsatz

Experten raten allerdings von diesem Vorgehen ab: „Eine Webseite Eins-zu-Eins umzusetzen macht selten Sinn“, sagt Madlen Ehrlich von Sevenval, einem Kölner Softwarehersteller, der auf mobile Webseiten spezialisiert ist. Sie empfiehlt, nicht nur die Homepage in die mobile Welt zu bringen, sondern Zusatzdienste zu integrieren, die die Vorzüge der neuen Technik nutzen. Denkbar: Eine Seite, über die von unterwegs Ersatzteile bestellt werden können; sie berücksichtigt den Standort des Handynutzers und lenkt ihn zum nächstgelegenen Servicestützpunkt. Genau solchen Angeboten gehört die Zukunft, sagen Experten. „Jedes Unternehmen sollte darüber nachdenken, wie man mithilfe des Outernets dem Kunden Zusatznutzen bieten kann“, empfiehlt Trendexperte Rehder.

Bei der Verbindung zwischen Datenwelt und realer Welt sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt – wie drei konkrete Beispiele zeigen.

– Hexal, ein Generikahersteller, bietet Kunden eine spezielle mobile Webseite an, die den Pollenflug für den jeweiligen Standort vorhersagt.

– Die österreichische Firma Impactit vertreibt ein Navigationssystem für Außendienstler, dass die beste Route unter anderem nach dem aktuellen Auftragspotenzial des Kunden berechnet.

– Die amerikanische Firma Vitality bietet eine Pillendose an, die, wenn sie eine gewisse Zeit nicht geöffnet wurde, den Patienten auf seinem Handy anruft. Außerdem ist das Gerät mit der Apotheke verbunden, sodass Medikamente automatisch nachbestellt werden können.

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