Diverses Warum Manager keine Unternehmer sind

Claus-Michael Dill, 50, ist Vorstandsvorsitzender der Axa Konzern AG, deutscher Ableger der internationalen Axa Gruppe in Paris, einer der weltgrößten Versicherungskonzerne. In Paris sitzt Dill zudem im Executive Committee als Verantwortlicher für die Axa-Geschäfte in Deutschland, Osteuropa und der Schweiz.

Zu den immer wieder gern bemühten Allgemeinplätzen in vielen Firmen gehört der Ruf nach dem „Mitarbeiter als Unternehmer“. Es klingt ja auch gut: Der Unternehmer ist kreativ, offen für Neues, stößt Denkhürden einfach um und übernimmt Risiken. Alles, was ein modernes
Unternehmen braucht, um im immer heftigeren Wettbewerb demselben erfolgreich davonzuziehen.

Wenn das schon für Mitarbeiter
gelten soll, so muss es doch umso
mehr für den Vorgesetzten, den Manager,
gefordert werden. Also auch
jeder Manager ein Unternehmer?
Damit ist dann das Rezept einfach:
Wir rekrutieren und befördern die
richtigen Manager, eben die Unternehmer,
und haben den entscheidenden
Schritt in der Führung erfolgreich
geschafft.

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Ist das wirklich überzeugend,
oder trügt der schöne Schein? Die
Wahrheit ist: Manager sind keine Unternehmer
und – ich gehe noch weiter – sie sollten es auch nicht sein. Ein Unternehmer nimmt zuallererst sich
selbst, sein privates Vermögen und andere Mittel, mit denen er persönlich haftet, in die Hand, um seine Ideen und Vorhaben in die Tat umzusetzen.

Dabei geht er ein – häufig sogar
existenzielles – Risiko für sich und
seine Familie ein. Im Erfolgsfall stehen
ihm dann konsequenterweise auch die Früchte zu. Zwar muss er auch hier entscheiden, wie er mit ihnen verfährt. Ob er sie re-investiert
oder für seine Selbstverwirklichung
– bis hin zur Befriedigung der individuellen
Eitelkeiten – einsetzt, ist einzig
seine Angelegenheit oder sollte es
in einer gesunden Marktwirtschaft
zumindest sein.

Die Aufgabe des Managers hingegen
ist in großen Teilen anders geartet.
Der Manager ist Treuhänder des
Vermögens Dritter. Diese haben ihm
ihre Finanzmittel anvertraut und wollen
berechtigterweise eine Wertsteigerung
erleben (Neudeutsch: Shareholder-
Value). Das Risiko des Managers liegt dabei maximal im Verlust
des Arbeitsplatzes mit allen damit
verbundenen Einbußen. Pleite und
damit seines Vermögens verlustig
geht er nach einem Fehlschlag jedoch
gewöhnlich nicht.

Nun ist nicht deshalb die eine
oder die andere Rolle, der Unternehmer
oder der Manager, moralisch
oder wirtschaftlich besser oder wertvoller.
Es ist sicherlich auch nicht so,
dass der Wechsel der Rolle im Berufsleben,
also vom Manager zum Unternehmer
oder umgekehrt, nicht möglich
wäre. Es gibt genügend Beispiele
für erfolgreiche Lebenswege, die das
Gegenteil beweisen.

Was meiner Einschätzung nach allerdings
so manches Mal in Vergessenheit
geraten zu sein scheint und
der Wiederbelebung bedarf, ist das
Verständnis, dass mit der jeweiligen
Rolle auch ein ihr passendes Verhalten
verbunden ist. Sowohl der Manager,
der sich geriert, als gehöre das
Unternehmen ihm persönlich, dabei
aber locker seinen kompletten Mangel
an eigener Investition und damit
eigenem Risiko zur Seite schiebt, wie
auch der Unternehmer, der sich vollständig
enthaftet, segeln unter falscher
Flagge.

In der Konsequenz legt dies dem
Manager ein gutes Stück persönliche Bescheidenheit nahe. Das gilt im besonderen
Maße für alle Verwendungen
von Geld, bei denen der Zusammenhang
zwischen der konkreten
Ausgabe und dem Kernauftrag des
Managers, ein Unternehmen zu entwickeln
und das Vermögen der Anteilseigner
zu vermehren, nicht mehr
so recht erkennbar wird. Dazu zählen
insbesondere alle Arten von Firmenausgaben,
die primär der Eitelkeit des
verantwortlichen Managers entspringen.
Beispiele fallen wahrscheinlich
jedem Leser unmittelbar ein.

Ich meine, wir sollten also nicht
den Angestellten beziehungsweise
den Manager als Unternehmer fordern.
Wir verkleistern sonst nur die
Unterschiede. Ehrlicher ist es, unternehmerisches
Verhalten zu fördern
und zu belohnen. Dazu gibt es in einer
Zeit anschwellender Regulierung
und ausgeprägter Kontrollfreude
schließlich auch genügend Anlass.
Und viele Beispiele belegen überdies,
wie fruchtbar dieser Weg für die
Wirtschaft ist.

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