Diverses Was Arbeitgeber beachten müssen

Wenn Mitarbeiter den Job wechseln, haben sie das Recht, ihre Firmenrente mitzunehmen - für Unternehmer kann dies riskant werden, denn bei der Übernahme alter Verträge haften sie im Zweifel für die Fehler vorheriger Arbeitgeber.

Tanja Mohr ist um ihren Job derzeit
nicht zu beneiden: Von Böblingen
aus verantwortet sie die Vergütungssysteme
der rund 8000 deutschen
Mitarbeiter
von Faurecia Automotive –
neudeutsch die Bereiche „Compensation
and Benefits“. Der weltweit operierende
Autozulieferer spürt die Krise mit voller
Wucht. Kurzarbeit ist deshalb für Personalerin
Mohr ein wichtiges Thema,
über großzügige Benefits indes macht
sie sich derzeit keine Gedanken.

Auch für Betriebsrenten bleibt in
dieser
Lage wenig Zeit. Doch gerade die
sorgen immer wieder für Diskussionen,
weil sich Vertragswerke
und Gesetze ständig
ändern.
Dazu kommt
der Aufwand, wenn neue Kollegen zur
Firma stoßen – was ja selbst in der Krise
vorkommt und nach Entlassungen möglicherweise
beim nächsten Aufschwung
umso häufiger passieren dürfte.

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Zig Minirenten aus verschiedenen Töpfen

„Wir erleben
immer öfter, dass Mitarbeiter alte
Versicherungsverträge mitbringen“, sagt
Mohr. „Und dann fragen sie, was sie
damit
machen sollen.“ Bisher hieß die
Antwort von Unternehmern in solch einem
Fall oft lapidar: den alten Vertrag
ruhen lassen und einen neuen beginnen.
Wodurch Mitarbeiter, die mehrfach den
Job wechselten, am Ende zig Minirenten
aus unterschiedlichen Töpfen bekamen
– die Chefs dagegen waren aus
dem Schneider.

Doch die Zeiten sind vorbei: Denn immer
mehr Angestellte bringen Ansprüche
mit, die ein neuer Arbeitgeber nicht
mehr ignorieren kann. Erstens machen
schon heute zwei von drei Beschäftigten
einen Anspruch auf Firmenrente geltend.
Zweitens garantiert das Alterseinkünftegesetz
für alle Verträge mittlerweile
die sogenannte Portabilität: Wer in
Direktversicherungen,
Pensionskassen
oder Pensionsfonds eingezahlt hat, darf
seine Ansprüche mitnehmen.

Nach fünf Jahren können Betriebsrenten
nicht mehr verfallen, und seit 2005
schließen deutlich mehr Angestellte als
früher derlei Verträge ab. Dieses Recht
wird in den kommenden Jahren
also fast alle Arbeitgeber
beschäftigen, schätzt Bernd
Katzenstein, Sprecher des Deutschen
Instituts für Altersvorsorge.
Auf die Unternehmen
kommt dabei ein gewaltiger Papierkrieg
zu. „So schön sich Portabilität
in der Theorie anhört: Im Detail sind
die Vorschriften kompliziert und selbst
für erfahrene Personaler kaum zu durchschauen“,
sagt Boy-Jürgen Andresen,
Vorstandschef der Arbeitsgemeinschaft
für betriebliche Altersversorgung.

Besteht der neue Mitarbeiter auf seinem
Recht, haben Chefs zwei Möglichkeiten:
übertragen oder übernehmen.
In jedem Fall müssen sie auf Wunsch zuvor
gesparte Rentenansprüche auf ihren Hausversicherer übertragen, der das
Geld dann in einen neuen Vertrag einzahlt.
„Das ist für den Unternehmer eine
saubere Lösung“, sagt Andresen, „für die
Mitarbeiter aber tendenziell unattraktiv.“
Denn neue Sterbetafeln und niedrigere
Garantiezinsen schmälern bei Neuverträgen
die Rentenhöhe. Bei Pensionsfonds
drohen außerdem Storno- und
Abschlussgebühren. Die meisten Direktversicherer
und Pensionskassen haben
sich immerhin geeinigt, auf neue Gesundheitsprüfungen
und Abschlusskosten
zu verzichten.

Haften für die Fehler der Vorgänger

Im Sinn der Mitarbeiter ist eher die
Übernahme alter Verträge: Dabei führen
die Firmen schlicht den Vertrag aus dem
alten Betrieb fort. Doch diese Variante
ist riskant. „Ich kann nur davor warnen,
ungeprüft
in fremde Verträge einzusteigen“,
warnt Andreas Buttler, Chef der
Febs Consulting GmbH aus Grasbrunn
bei München, der Arbeitgeber in diesen
Fragen berät. „Denn damit haftet man
auch für die Fehler des Vorgängers.“

Selbst bei Direktversicherungen, bei
denen die Übertragung recht unkompliziert
ist, gibt es Schwierigkeiten in Detailfragen
wie etwa zu den Anpassungsverpflichtungen,
Klauseln zur Todesfallabsicherung,
Kombi-Versicherungen
gegen Berufsunfähigkeit oder dem Hinterbliebenenschutz.
Und: Mit jedem
neuen Vertrag kann ein anderer Versicherer
ins Spiel kommen, mit eigenen
Verfahren zur Abwicklung von Vertragsänderungen
oder zum Beispiel für Beitragsstundungen
– unter Kurzarbeitern
in diesen Tagen ein häufiger Wunsch.

Auslagerung der Abwicklung

Fazit: Weder die Übertragung noch die
Übernahme sind Königswege.
Personalerin Mohr überlässt die komplette
Abwicklung deshalb einem Dienstleister.
Der Autozulieferer Faurecia, vor
zehn Jahren aus Zusammenschlüssen
vieler Mittelständler hervorgegangen
und seither immer wieder über Zukäufe
gewachsen, machte Ende 2007 einen
Schnitt. Der Konzern konsolidierte die
Rentenersparnisse aller hiesigen Mitarbeiter.
Seither wickelt die Deutsche Gesellschaft
für betriebliche Altersversorgung
(DGbAV), ein Spezialdienstleister
aus dem schwäbischen Wemding, sämtliche
Verträge ab.

Die DGbAV ist bisher der einzige Anbieter
mit einer Clearingstelle. Der Autozulieferer
hat also ausschließlich mit
dem Dienstleister zu tun. Dieser wiederum
teilt alle Zahlungen auf die einzelnen
Versicherer auf. Rund drei Euro pro Vertrag
und Monat kostet das. Im Ergebnis
bilanziert die Personalerin: „Wir können
Betriebsrentenverträge neuer Mitarbeiter
jetzt ohne großen Aufwand und rechtliche
Risiken weiterführen.“

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