Diverses Was darf es sein, Johannes Borgmann?

Der Geschäftführer von Dixi und Toi Toi spricht über Mobiltoiletten für Militärs, den Wüstenstaat Katar und die Bedürfnisse von Frauen.

„Nein“, sagt Johannes Borgmann und lacht auf die Frage, ob es Absicht sei, dass seine Handynummer auf 00 endet, „das ist mir noch nie aufgefallen!“ Tatsächlich sind sogar die letzten drei Ziffern Nullen. „Man hat uns damals den 9000-Block für die Durchwahl angeboten. Ich hab mir einfach die schönste ausgewählt.“ Damals, das war, als die Sanitärsysteme Dixi und Toi Toi 1997 unter dem Dach der Adco Umweltdienste Holding zusammengeführt wurden. Johannes Borgmann, 55 Jahre alt und früherer Mittelstreckenläufer, ist der Herr über die Toiletten, er führt das weltweite operative Geschäft samt IT und Marketing.

Er legt sein Handy in eine Ecke auf den Teppichboden der Villa Ratingen. „Da hat es seinen Stammplatz.“ Nicht nur das Telefon hat hier im Restaurant am Rande des Gewerbegebiets seinen festen Platz. Gerade gestern war Borgmann zu Gast mit Kunden aus Afghanistan. Morgen Abend wird er wieder da sein, bei Gaetano Cirrincione, dem Italiener, der unweit des Düsseldorfer Flughafens sein Hotel mitsamt Lokal betreibt. „Es ist praktisch, um mit Geschäftspartnern essen zu gehen, es liegt nahe der Firma. Und wenn es abends mal länger dauert, dann ist es kein Problem.“ Im Übrigen sei die Dorade hervorragend, die der Hausherr stets vor seinen Augen filetiert und die auch heute dringend empfohlen wird.

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Toi Toi steht für Komfort

Mit Johannes Borgmann beim Essen über Toiletten zu reden ist – ähnlich, wie in Medizinerfamilien bei Tisch die Operationen durchgesprochen werden – kein Problem. Also lässt man sich als Kloamateur erst einmal erklären, warum Dixi und Toi Toi bei der Übernahme von Dixi durch den Toi-Toi-Entwickler Harald Müller nicht zu einer Marke zusammengeführt wurden. „Dixi ist das altbekannte, anschlussfreie Plumpsklo“, erläutert Johannes Borgmann. Toi Toi soll dagegen für Komfort stehen. Spülung, Handwaschanlage, Spiegel, Licht und Heizung. Und wenn es um die Ausscheidungen betuchter Leute geht, kann auch mit Klimaanlage, Fernseher und MP3-Player aufgewartet werden. Großveranstaltungen, VIPEvents – „wir haben herausgefunden, dass Frauen länger auf Veranstaltungen bleiben, wenn die sanitären Anlagen gut sind“, erklärt Borgmann den Fortschritt in Richtung Ausstattungsklo. Bauarbeiter und das Militär kommen auch weiterhin ohne Handwaschbecken aus.

Aktuell arbeitet die betriebseigene Forschungsabteilung an einer Toilette für den Wüstenstaat Katar. Die kulturell bedingte Erfordernis eines Wasserschlauchs – für die Reinigung wird kein Papier verwandt – und auch die Klärung der Frage, was mit welcher Hand auszuführen ist, sind eine neue Herausforderung für die Häuschenbauer. Schließlich müssen alle Entwicklungen von den Mitarbeitern auf ihre Funktionstüchtigkeit getestest werden. Weitere Details erspart Borgmann sich und seinen Zuhörern. 162.000 Kabinen hat die Firma in 33 Ländern im Einsatz. Der Platzhirsch weltweit, nicht nur unter den 200 Konkurrenten in Deutschland. Jetzt wollen die Ratinger Amerika erobern. Deswegen haben sie genau geguckt, was das Land brauchen könnte. Dort habe sich seit der Erfindung des klassischen Dixi-Klos nicht viel getan. „Also bieten wir Kabinen mit Handwaschmöglichkeiten an.“ Und Kabinen, in denen beim Öffnen der Tür Raumspray versprüht wird. Seit 2006 führt das ehemalige Kadermitglied der Olympiamannschaft die Geschäfte von Dixi und Toi Toi. Dass dem Nürburgring-Hobbypiloten die Arbeit noch immer Spaß macht, merkt man, wenn er davon erzählt: agil, lebendig, dynamisch.

Alle Mobilklos auf einer Weltkarte

Auch von der Weihnachtsfeier, auf der die 40 Ratinger Mitarbeiter miteinander gekocht haben, berichtet er mit Freude. Dass dem Vorstand die Aufgabe zufiel, die Bedienung zu übernehmen, ist für den auf einem Bauernhof aufgewachsenen Westfalen ebenso selbstverständlich, wie seine Hemden selbst zu bügeln. Überhaupt scheint er das Anpacken zu lieben. Begeistert erzählt er vom Weltjugendtag in Köln vor vier Jahren, als 8000 Klohäuschen aufgestellt werden mussten und er zwischen Mitternacht und sechs Uhr in der Früh auf einem Lkw mitfuhr, um die blauen Kisten zu verteilen. Nicht weil das zu seinen Aufgaben gehört, sondern zur Philosophie, dem Familiengefühl, das Borgmann noch immer in der Holding spürt.

Sogar Papst Benedikt XVI. habe in Köln eine Toilette aus Ratingen aufgesucht. Eine Imagekampagne, die „kaum zu toppen“ sei, sagt Borgmann. 200.000 Kunden zählt das Unternehmen, betreut von weltweit 2000 Mitarbeitern. Dass Adco die Weltherrschaft, ein alles umspannendes Toilettennetzwerk anstrebt, „würde ich so nicht formulieren“, sagt er und lacht. Dann geht das Lachen in ein Schmunzeln über, und der Mann gibt eine andere Fantasie preis: „Mein Traum ist, ich sitze in meinem Büro vor einem Bildschirm mit einer Karte darauf. Die Toiletten sind als Punkte dargestellt. Wenn ich daraufklicke, sehe ich, welcher Kunde das ist, wann die Kabine das letzte Mal gereinigt wurde, lauter so Dinge.“ Das Schmunzeln ist jetzt um einen verschmitzten Ausdruck reicher, die Augen leuchten. Man muss Borgmann nicht gut kennen, um die Mimik zu deuten: „Und, arbeiten Sie dran?“ „Im März 2011“, sagt er zufrieden, „wird es so weit sein.“

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