Diverses Was darf es sein, Stefan Lübbe?

Der Kölner Verleger über die harte Sanierung des Unternehmens, das Büchermachen und eine Leidenschaft, die er mit seinem Romanhelden Jerry Cotton teilt.

Über die Holztische des Kölner Restaurants Scampino – auf der „schäl Sick“ vom Rhein – geht der Blick lange zur Mülheimer Brücke, deren Stahlpfeiler schmucklos in den Himmel ragen. Endlich trifft Stefan Lübbe ein – Chef des größten eigentümergeführten Publikumsverlags Deutschlands, Bastei Lübbe. Er ist nicht nur Herrscher über den FBI-Agenten Jerry Cotton und den Geisterjäger John Sinclair, sondern auch über so reale Phantome wie Dan Brown und Ken Follett. Der gebürtige Bergisch Gladbacher gibt sich bodenständig: dunkles Hemd, Trekkingjacke. Für einen Geschäftsmann mit 70 Mio. Euro Jahresumsatz wirkt das ziemlich unkonventionell.

Der Autofan kommt nicht im roten Jaguar angebraust, Dienstwagen des smarten Romanhelden Cotton, der den Verlag in den 50er- und 60er-Jahren groß gemacht hat, Lübbe fährt im Mercedes-Flügeltürer vor. Klar – immer nur Jaguar fahren ist langweilig. Besonders wenn man zehn weitere Edelkarossen vom Ferrari bis zum Lamborghini in der Garage stehen hat.

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Die erste Pointe gibt’s sofort: Lübbe wählte trotz Fischallergie ein Fischrestaurant. Wieso wir uns trotzdem hier treffen? Weil das Scampino direkt um die Ecke des neuen Verlagshauses im Stadtteil Mülheim liegt. Lübbe sondiert zunächst einmal das Terrain, parliert ausgiebig mit dem Küchenpersonal, schreitet raumgreifend durchs Lokal, inspiziert auch die Toilette. Die Weinauswahl macht er zur Chefsache. Einen „ziemlich guten“ habe er ausgesucht, beteuert er. Auf die Frage, um was für einen interessanten Tropfen es sich handle, antwortet er lapidar: „Weißwein!“

Kompakte Ansagen, so kennen sie ihn in der Firma. Lübbe hat vor vier Jahren einen recht maroden Familienverlag mit fast 1000 Angestellten übernommen, ihn auf 170 Mitarbeiter verkleinert und vor der Pleite bewahrt. Heute: sechs Prozent Rendite. Er setzte den Schwager vor die Tür, drängte die Schwester nach langer Fehde aus der Firma, weshalb er im Verlag Rambo heißt. Er brach in Bergisch Gladbach, wo das Unternehmen seit 1953 residierte, die Zelte ab und zog nur zehn Kilometer weiter ins hippe Köln.

Der Umzug sollte einen neuen Geist durch den Verlag wehen lassen. Das sei „perfekt gelungen“, sagt der Verlagserbe. Harald Schmidt und Stefan Raab haben Büros in derselben Straße. Nun steht die Umstrukturierung des Verlags an. Das Geschäft mit US-Erfolgsautoren wie Brown oder Follett reicht ihm nicht. Er möchte mit deutschsprachigen Autoren ins internationale Geschäft. „Ich will nicht nur Lizenzeinkäufer sein, sondern dem Verlag vermehrt Urheberrechte sichern“, sagt Lübbe und pickt kleine grüne Blätter aus seinem Salat. „Und ich will mich nicht länger auf Print beschränken. Es geht auch um Brettspiele oder um Software für die Playstation.“

Büchermachen habe ihn schon immer fasziniert. „Das hat exakt die richtige Geschwindigkeit“, sagt er lächelnd. Bei seinem wichtigsten Hobby – dem Autofahren – ist das anders: Da kann es ihm nicht schnell genug gehen. „Schnell fahren: ja, aber absolut kontrolliert“, behauptet er. „Ich hatte vor einem Jahr einen Unfall, habe mich dreieinhalbmal überschlagen. Das hätte auch anders ausgehen können.“

Berufliche Unfälle hat der 53-Jährige so einige hinter sich. Anfang 2000, als es dem Verlag „sehr schlecht“ ging, habe er „zwölf Geschäftsführer verschlissen“, sagt er. „Einmal waren es gerade mal 58 verkaufte Bücher, die uns vor dem Ende gerettet haben. Ich rief bei unserer Hausbank an, die sagten mir dort: ‚Machen Sie etwas, sonst filetieren wir Sie.‘“

Wie auf Stichwort kommt der Kellner und fragt nach dem Hauptgang. Lübbe liebäugelt mit einem Rinderfilet, wählt dann aber Thunfisch. „Thunfisch geht immer, auch bei Fischallergie“, sagt er und schiebt seinen Salat an den Rand des Tisches. „Der Stress ging so weit, dass ich nicht mehr wusste, ob ich Männlein oder Weiblein war. Ich war wie benommen. Ich lief durch den Ring wie jemand, der noch einen Schlag, noch einen und noch einen einstecken muss.“ Eine Bank empfahl ihm, den Verlag zu verkaufen. Dann könne er ein Schild aufhängen: Wegen Reichtum geschlossen! „Da bin ich über den Tisch gesprungen und fast handgreiflich geworden.“

Denn so als Privatier, das wäre nichts für ihn, sagt Lübbe. So gern er Autos möge, „aber den ganzen Tag nichts anderes vorzuhaben als Auto zu fahren, das macht auch keinen Spaß“.

Scampino
Mediterran
Tagesfrische Fische und Meeresfrüchte stehen auf der Speisekarte des rustikal eingerichteten Scampino von Inhaber Norbert Braun in Köln-Mülheim. Zu den Spezialitäten des Restaurants gehören Thunfisch- und Lachs-Carpaccio. Auf der Terrasse mit Blick auf den Rhein ­finden 100 Gäste Platz.
Adresse
Scampino
Deutz-Mülheimer-Straße 199
51063 Köln
Telefon: 0221/61 85 44
www.scampino.de

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