Diverses Was darf es sein, Torsten Toeller?

Der Fressnapf-Gründer über Powershopping in Dubai, seine Selfmade-Karriere und den Wunsch, mehr Zeit zu haben für Kinder (drei), Hund (einen) und Kois (17).

Vier Tage Seychellen, Tauchen, Sonnen, Segeln. Dann nach Afrika, Safari morgens, Safari abends, fünf Tage lang. Zum Schluss 48 Stunden Powershopping in Dubai – manche Ehe würde eine Hochzeitsreise, wie sie Torsten Toeller, 44, gerade hinter sich hat, wohl nicht überleben. Doch der Gründer von Fressnapf, Deutschlands größter Fachhandelskette für Tierbedarf, lacht. „Immer volle Pulle – und meine Frau macht alles mit.“

Dabei ist es gar nicht leicht, Toellers Tempo zu halten: Vor 20 Jahren stand er hinter der Kasse seines ersten Fressnapfs, fünf Jahre später eröffnete er bereits die 50. Filiale, ein Jahr darauf die 100. Heute gibt es 1300 Läden in elf Ländern Europas, 1,2 Mrd. Euro will der mehrfach ausgezeichnete Selfmade-Unternehmer in diesem Jahr umsetzen – und endlich mal etwas kürzertreten. Doch dazu später.

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Für das Mittagessen wählt Toeller das La Riva, eine Trattoria am Rande der Uerdinger Altstadt. Er kommt oft zu Geschäftsessen her, weil der Service gut ist, die Küche schnell und die Fressnapf-Zentrale nur fünf Minuten entfernt. Er sei jemand, der gern das Maximale raushole, sagt Toeller. Das galt schon während seiner Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann, als er mit 20 Abteilungsleiter und Chef von 33 Leuten wurde. Oder im BWL-Studium, das er als Jahrgangsbester abschloss, was ihm einen Job in der Marketingabteilung der Handelskooperation Markant bescherte.

Mit dem Handel ist Toeller aufgewachsen, die Eltern besaßen sechs Rewe-Märkte. Als er 16 war, verkauften sie die Läden. Übernehmen hätte Toeller das Geschäft ohnehin nicht wollen – zu kapitalintensiv, zu geringe Margen. „Die chancenreichere Story war ein neues Einzelhandelskonzept“, sagt er heute. Doch zunächst einmal reiste er für seinen damaligen Arbeitgeber Markant in die USA, um nach neuen Geschäftsideen zu fahnden. Zweieinhalb Monate tourte Toeller umher, besichtigte Spielwarenmärkte, One-Dollar-Stores, Textildiscounter – bis er in Phoenix, Arizona, auf eine Sache stieß, die ihn nicht mehr losließ: Petsmart, einen Supermarkt für Tierbedarf, mit viel Platz und breitem Sortiment, ganz anders als die muffigen Zoogeschäfte, in denen Toeller daheim das Futter für seinen Hund kaufte.

Noch im Flieger begann er, ein Konzept zu entwerfen, grübelte über einen Namen, skizzierte ein Logo. Als Toeller die Idee seinem Chef präsentierte, sagte der: „Tiere sind so ein kleiner Markt. Unsere Kunden wollen das nicht.“ Toeller aber witterte ein mit Emotionen besetztes Thema. Und „wo Emotionalität ist, kann man auch Marge machen“.

Vier Monate später eröffnete er in Erkelenz seinen ersten Fressnapf. Doch der floppte, die Umsätze waren miserabel, die Pleite drohte. Also aufgeben? Kam nicht infrage. „Ich bin ein zäher Hund.“ Wenn er sich nach der Arbeit bei seinen Eltern das Abendessen abholte, machten sie ihm Mut. „Du schaffst das“, sagte der Vater, bis heute einer seiner wichtigsten Ratgeber. Also verkaufte der Jungunternehmer seinen BMW, verbreiterte das Sortiment, warb mit aggressiven Preisen – und die Umsätze verdrei-, vervier-, verfünffachten sich.

„Gas ist vorn rechts“ – das sei ein geflügeltes Wort in seiner Firma, so Toeller. Geprägt wurde es in den Anfangsjahren, als Fressnapf wachsen musste, um große Einkaufsvolumina aufzubauen. Das ging nur mit dem Geld anderer Leute. Den ersten Franchise-Fressnapf eröffnete ein ehemaliger Studienkollege Toellers 1991. Unter seinen Franchisenehmern waren auch einige Zoohändler, die die Vision des Newcomers teilten – oder begriffen hatten, dass sie gegen ihn chancenlos waren. Andere nahmen diesen eher kleinen Mann mit Dreitagebart und Gelfrisur, der seinen Gesprächspartnern sofort das Du anträgt, lange nicht ernst. Fressnapf, der laut einem internen Slogan „geilste Fachdiscounter der Welt“, wächst ungerührt jedes Jahr um rund zwölf Prozent.

„Wenn der Laden so bleiben würde, ich wäre sehr zufrieden“, sagt Toeller. Doch natürlich macht er sich Gedanken über die Zukunft, überlegt, Fressnapf in zehn, 15 Jahren an die Börse zu bringen. Er will neue Services wie einen Hundefriseur ausprobieren, den Verkauf von Tierversicherungen ausbauen, den beim Debüt 2001 gescheiterten Onlineshop zum Erfolg führen und mit der Reitsportkette Equiva zum zweiten Mal versuchen, eine Branche aufzurollen. Irgendwann will er dann etwas ganz Ungewöhnliches machen: sich zurückziehen aus dem operativen Geschäft. Er habe ja nie gelernt, ein Unternehmen zu leiten, an dem 10?000 Arbeitsplätze hängen.

Und dann ist da auch noch das Privatleben. „Freundschaften und meine erste Ehe haben darunter gelitten, dass ich selten zu Hause war.“ Diesen Fehler will er nicht noch einmal machen. Der Unternehmer möchte Zeit für seine drei Kinder haben, für den Hund und die 17 Kois, mehr Zeit, um segeln zu gehen und zu reisen. „Ich kenne die Gewerbegebiete in jeder größeren europäischen Stadt“, sagt Toeller. „Oft leider auch nur die.“ Nach Asien möchte er, Australien, Neuseeland. Doch zunächst einmal geht es im Herbst nach Südafrika – zum Haifischtauchen mit der Familie.

La Riva
Padrone Antonio Fusco entstammt einer Gastrodynastie, Eltern und Großeltern besaßen bereits ein Restaurant in Positano an der Amalfiküste. Vom Mittelmeer brachte der Chef des La Riva vor 18 Jahren seine Vorliebe für einfache, frische Fischgerichte mit nach Deutschland, die er seit 2006 seinen Gästen in Krefeld-Uerdingen
am Rheinufer serviert.
AdresseLa Riva, Trattoria & Enoteca
Dammstr. 18
47829 Krefeld
www.la-riva.net

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