Diverses Was Krisengewinner anders machen

Absatzeinbruch, Umsatzflaute, Insolvenzen: Deutschland steckt im größten Wirtschaftsabschwung der Nachkriegszeit. Doch es gibt sie, die Krisengewinner - Unternehmer, die Geld in die Hand nehmen und die Rezession als Chance nutzen.

Frühjahr 2009: Ganz Deutschland
befindet
sich im kalten Griff der Rezession.
Ganz Deutschland? Ein Maschinenbauer
aus Böblingen zumindest
wirbt bundesweit in großen Zeitungsanzeigen
für das Gegenteil. „Erfolgreiche
Unternehmen investieren antizyklisch!“,
lautete die freche Botschaft, die Matthias
von Krauland, Chef der Eisenmann AG,
im März in Wirtschaftsmagazinen abdrucken
ließ. „Wir verfolgen diese Strategie“,
erklärt der Unternehmer recht stolz.
„Und wir möchten unsere Kunden motivieren,
die Lage ebenso zu sehen.“

Auch in der größten Wirtschaftskrise
der Nachkriegsgeschichte finden sich
Unternehmer
wie Krauland, die nicht
über Umsatzeinbrüche klagen. Sondern
gerade jetzt in Marketing und Vertrieb
investieren,
den Betrieb umbauen und
Innovationen vorantreiben. „Krisengewinner“,
sagt der Münchner Berater und
Experte für Familienbetriebe Norbert
Wieselhuber,
„gehen jetzt noch mehr auf
Kunden zu, stärken ihr Unternehmen.“

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Vernünftige Eigenkapitalquote

Das Geld dazu liegt bei den Mittelständlern
auf der hohen Kante. „Wer
jetzt zu den Gewinnern zählt, hat eine
vernünftige Eigenkapitalquote und hohe
Liquidität“, weiß Wieselhuber.

Beispiel Eisenmann: Der Spezialist für
Oberflächen- und Umwelttechnik verfügt
über 30 Prozent Eigenmittel und hat
schon in den vergangenen Jahren meist
unabhängig von Fremdkapital investiert.
Chef Krauland bündelt alle liquiden Mittel
der Tochterfirmen zentral. Aus diesen
gemeinsamen Ressourcen können sie
dann bei Bedarf schöpfen. „Wir sind ein
solide aufgestelltes Unternehmen“, versichert
der Chef – auch in der Krise.

Auch kleine Betriebe profitieren

Nun gehört der Böblinger Anlagenbauer
mit 2400 Mitarbeitern eher zum
großen Mittelstand. Krisengewinner gibt
es aber auch unter kleineren Betrieben:
Wie die Firma Holtzmann Creativ Werbemittel
in Saarbrücken. Inhaber Jens
Holtzmann ist Chef von 27 Mitarbeitern,
berät Industriekunden bei der Auswahl
der richtigen Werbegeschenke für Messen
– und will im Krisenjahr 2009 kräftig
Geld in den Betrieb stecken. Geplant ist die Renovierung des kompletten
Computersystems.

Außerdem hat
Holtzmann zum ersten Mal seit Jahren
wieder Auszubildende eingestellt, gibt
allein 20 000 Euro für ein neues Fortbildungsprogramm
aus. Und das, obwohl
auch er Umsatzeinbußen von 10 bis
15 Prozent einkalkuliert.
„Ich habe jetzt die Zeit, mich auf den
nächsten Aufschwung vorzubereiten“,
erklärt der Unternehmer. Und weil er
stets einen Großteil der Gewinne in die
Firma gesteckt und nur in kleinen Schritten
investiert hat, liegt die Eigenkapitalquote
bei satten 50 Prozent.

Banken buhlen regelrecht

Immer wieder hat der Unternehmer
sich in den vergangenen Jahren von Konkurrenten sagen lassen müssen, er sei
zaghaft und verpasse Gelegenheiten.
„Heute haben diese Firmen Probleme,
und die Banken wären froh, wenn sie mit
uns zusammenarbeiten dürften.“ Der
Werbemittelfachmann lässt Finanzinstitute
regelrecht um ihn buhlen: „Und
dann prüfen wir: Wer hat die besten
Ideen
und Konditionen?“

Genau wie Eisenmann-Chef Krauland
trotzt Holtzmann der Krise, weil er in
Boomzeiten seine Hausaufgaben gemacht
und sich nicht übernommen hat.
Doch Unternehmer können die Symptome
von Börsencrash und Rezession sogar
direkt nutzen: „Vor allem, indem sie ihr
Umlaufvermögen geschickt optimieren“,
sagt Berater Wieselhuber.

So können Chefs von den derzeit extrem
niedrigen Zinsen profitieren und den
Ertrag verbessern. Peter Anterist, Chef der
Treuhandgesellschaft Intergest, die weltweit
tätige Mittelständler bei Controlling,
Buchhaltung, Rechnungswesen und Forderungsmanagement
unterstützt, rät Firmen,
jetzt umzuschulden: „Zehn Millionen
Euro haben vor einigen Jahren
550.000 Euro Zinsen pro Jahr gekostet“,
rechnet Anterist vor. „Heute fällt der Posten
um 130.000 Euro niedriger aus.“

Ein gutes Verhältnis zur Bank ist Pflicht

Voraussetzung
fürs Umschulden: ein gutes
Verhältnis zur Bank. Anterist hat gemeinsam
mit dem Bundesverband für Wirtschaftsförderung
und Außenwirtschaft
die Initiative „
Krise, nein danke“ ins Leben
gerufen. Er weiß: „Es werden zwar schwache
Unternehmen vom Markt verschwinden,
aber auch neue Märkte frei, die es
rechtzeitig zu besetzen gilt.“

Für Mittelständler, deren Finanzen im
grünen Bereich sind, kann das auch heißen,
Konkurrenten zu übernehmen. Der
Markt für Firmenkäufe stagnierte 2008
zum ersten Mal seit fünf Jahren, Unternehmen
werden im Vergleich zum Höhepunkt
des Booms nur noch mit der Hälfte
bewertet. „Günstig zu haben sind natürlich
Betriebe, bei denen Insolvenz droht“,
erklärt Tobias Schätzmüller, Direktor der
Beratungsfirma Advisory Partners, die
Mittelständler beim Kauf und Verkauf
von Betrieben begleitet. „Aber auch
Finanzinvestoren
stehen jetzt vermehrt
unter dem Druck zu verkaufen.“

So Nutzen Sie die Lage

Anlegen Banken brauchen immer noch dringend Einlagen. Wer geschickt mit ihnen
verhandelt, bekommt Zinsen auf Tagesgeldkonten, die deutlich über den Geldmarktzinsen
liegen und so helfen, die Einnahmen des firmeneigenen Liquiditätsmanagements zu erhöhen.
Zum Vergleich: Der Euribor-Referenzzins beträgt derzeit etwa 1,55 Prozent.

Verhandeln Jetzt ist die Zeit, um mit Lieferanten langfristige Verträge abzuschließen
und den Preis für Lieferungen auf dem extrem niedrigen Niveau festzusetzen.

Einsteigen Immer mehr Finanzinvestoren sind gezwungen, ihre Firmenbeteiligungen
zu verkaufen, weil ihre Geldgeber nicht die versprochenen Renditen sehen und Kredite für
sie kaum zu bekommen sind. Wer das nötige Geld hat, findet gute Kaufgelegenheiten.

Viele Beteiligungsgesellschaften bringen
ihren Inhabern nämlich nicht mehr
die versprochenen Renditen, der Abzugvon Geldern droht. „Also müssen sie Teile
ihres Portfolios zu Geld machen“, sagt
Schätzmüller. Dabei kämen oft kerngesunde
Firmen auf den Markt.
Wer das nötige Eigenkapital für eine
Firmenübernahme nicht mitbringt, dem
rät Schätzmüller, in Raten zu zahlen.
Oder zunächst Eigenkapital einzusetzen
in der Hoffnung, dass es bald wieder
Kredite
für Akquisitionen gibt, um umzuschulden.
Auch Minderheitsbeteiligungen
lohnen, die derzeit für recht wenig
Geld zu haben sind. Schätzmüller: „Nach
der Krise, wenn Käufer wieder Geld bekommen,
können sie sich weitere Anteile
sichern.“

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