Diverses Washington Mutual: Keine Sparkasse im deutschen Sinn

Bei dem zusammengebrochenen US-Finanzinstitut Washington Mutual handelt es sich nicht um eine Sparkasse im deutschen Sinn - das erklärte der deutsche Sparkassen- und Giroverbandes nach dem Aus der US-Bank. Rechtsform und Geschäftsmodell unterscheiden sich deutlich, hieß es. Und: Dieses Kreditinstitut sei auch nicht mit den deutschen Sparkassen verbunden.

Die bisher größte US-Sparkasse Washington Mutual (WaMu) ist ein börsennotiertes Institut und war einer der führenden Anbieter von Hypothekendarlehen in den USA. Das Finanzinstitut wurde deshalb von der Immobilienkrise heftig getroffen: In den vergangenen Monaten musste WaMu in großem Umfang faule Darlehen wertberichtigen und erlitt Milliardenverluste. Die US-Sparkasse zählte zur Jahresmitte über 43.000 Mitarbeiter in mehr als 2.200 Zweigstellen verteilt auf 15 US-Bundesstaaten. WaMu hatte zuletzt eine Bilanzsumme von mehr als 300 Milliarden Dollar. Die Einlagen der Kunden betrugen rund 190 Milliarden Dollar.

Gegründet wurde das Finanzinstitut 1889 nach dem Großbrand in Seattle (US-Bundesstaat Washington), um den Wiederaufbau von 25 zerstörten Wohnblöcken zu finanzieren. Washington Mutual war eine sogenannte Savings & Loans Association (S&L), eine Spar- und Kreditgesellschaft. Die S&L führten vor allem Spareinlagen privater Kunden und vergaben private Immobiliendarlehen. Oft in kommunaler Trägerschaft unterlagen sie bis Anfang der 1980er Jahre strengen Regulierungen. Die Bestimmungen wurden gelockert – die Folge war wenig später eine heftige Krise.

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Zwischen 1986 und 1995 fiel etwa die Hälfte dieser Institute in der „S&L-Krise“ einer Abschwächung des US- Immobilienmarkts zum Opfer. Ihre Zahl schrumpfte auf etwa 1500 Institute, auf die laut dem Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV) ein Marktanteil von 30 Prozent bei privaten Immobilienkrediten entfällt. WaMu stand wegen der Schieflage zuletzt bereits unter verschärfter Finanzaufsicht. Im April hatte sie sich von Investoren rund um die Beteiligungsgesellschaft TPG eine dringend nötige Kapitalspritze von 7 Milliarden Dollar (4,5 Mrd Euro) verschafft. Zuvor hatte WaMu nach Medienberichten ein Übernahmeangebot in dieser Höhe von J.P. Morgan Chase, dem jetzigen Aufkäufer, als zu niedrig abgelehnt. WaMu strich tausende Stellen und kürzte das Geschäft mit Hauskrediten, auf Hypothekengeschäfte spezialisierte Außenbüros wurden ganz geschlossen.

Anfang September wurde der seit 1990 amtierende Vorstandschef Kerry Killinger abgelöst und Alan Fishman an die Spitze berufen. In den vergangenen Wochen geriet der Aktienkurs in einen lebensbedrohlichen Abwärtsstrudel. Hinzu kam als letzter Todesstoß die Abstufung durch Ratingagenturen auf „Schrott“-Niveau.

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