Diverses Web-Publishing leicht gemacht

Der Internetauftritt ist die Visitenkarte eines modernen Unternehmens. Jetzt hat das Trierer Institut für Telematik ein neuartiges Redaktionssystem entwickelt, dass es zukünftig jedem Sachbearbeiter erlaubt, Inhalte schnell und einfach online zu stellen.

In Zeiten steigender Internetnutzung wird der Online-Auftritt einer Firma immer wichtiger. Dabei geht die Möglichkeit des Internets über klassische Marketingmaßnahmen weit hinaus: Mit einer gelungenen Präsenz informiert das Unternehmen Kunden und Partner über Projekte und Firmennachrichten. Und interaktive Funktionen ermöglichen einen direkten und schnellen Dialog, den ein Unternehmen als firmeneigenes Marktforschungsinstrument nutzen kann.

Bislang gibt es bei der Organisation eines Webauftritts häufig eine strikte Trennung zwischen Inhalt und Technik. Dabei sind auf Seiten der Firma Sachbearbeiter für die Content-Beschaffung verantwortlich, während die technische Umsetzung und die Publikation zumeist bei firmeneigenen oder ausgelagerten IT-Experten angesiedelt ist. Nötig wird das durch die in der Regel komplizierte technische Infrastruktur herkömmlicher Content-Management-Systeme.

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Die Nachteile einer solchen Arbeitsteilung liegen auf der Hand: Findet das eigentliche Veröffentlichen – also die Aufbereitung der Inhalte für das Internet – außer Haus statt, so geht das zwangsläufig zu Lasten der Aktualität. Zudem kommt es zu Abstimmungsschwierigkeiten, die den Workflow erheblich behindern und die Zusammenarbeit mühsam machen. Denn während den Fachleuten im Haus das technische Know-how fehlt, verfügen die externen Agenturen meist nicht über die fachliche Kompetenz, inhaltliche Fragen zu entscheiden.

Eingabe-Programm ist frei wählbar

Diesem Problem soll das neu entwickelte Online-Redaktionssystem JDaphne Abhilfe schaffen, das am Institut für Telematik in Trier entwickelt wurde, einem Ableger der renommierten Fraunhofer Gesellschaft. Das „J“ in JDaphne steht für die Programmiersprache Java. Und die hat im Vergleich zum reinen HTML einen entscheidenden Vorteil. „Durch die Verwendung von Java als Schnittstelle können frei wählbare Editoren zur Eingabe von Texten und Grafiken benutzt werden“, so Andreas Heuer vom Trierer Institut. Der Nutzer kann beispielsweise seine Texte wie gewohnt in Word schreiben und das Programm generiert daraus den HTML-Code und passt den Text dem vorher festgelegten Layout an.

Ein großes Problem – vor allem bei großen und schnell gewachsenen Internetauftritten – ist die Navigation. So können die Autoren häufig eine sinnvolle Verlinkung zu anderen Texten und Dokumenten nicht mehr leisten, weil ihnen schlicht der Überblick fehlt. Auch hier hilft JDaphne mit einer automatischen Hyperlink-Generierung. Anhand eines Schlagwortverzeichnisses schlägt das Programm Links vor, die der Autor akzeptieren oder ablehnen kann. Außerdem werden ständig alle Verlinkungen überprüft, so dass tote Links oder so genannte Inselseiten, auf die von keiner anderen Seite mehr zugegriffen werden kann, nicht mehr vorkommen.

Institut sucht noch Partner

JDaphne ist für den Internetauftritt des Instituts für Telematik bereits im Praxistest erprobt und läuft dort ohne größere Probleme. Andreas Heuer: „Selbstverständlich finden wir während des Betriebs immer wieder Verbesserungsmöglichkeiten. Da wir JDaphne täglich benutzen, können wir mögliche Fehler erkennen und sofort beheben.“

Als gemeinnützige Einrichtung kann das Institut für Telematik das Programm nicht selbst vermarkten. Deshalb suchen die Trierer noch nach einem Partner. Bis jetzt gibt es JDaphne lediglich als Rohversion, die vom Käufer selbst installiert und konfiguriert werden muss. In Zukunft soll es zwei weitere Varianten geben: Eine Enterprise Solution, bei der die gesamte Verwaltung und der Betrieb des Programms vom Kunden übernommen wird. Und eine Leasing Solution, besonders für Kunden ohne bestehende IT-Infrastruktur. Hierbei steht der Server beim Institut und der Kunde greift über einen herkömmlichen Webbrowser wie den Internet-Explorer auf das Programm zu.

JDaphne kostet in der Rohversion 13.700 Euro. Die Preise für die Enterprise- und die Leasing-Variante stehen noch nicht fest. Die Kosten werden sich auch danach richten, wie aufwändig die Installation und die Schulung beim Kunden ist. Frank Rudolf, der die Institutsleitung bei der Vermarktung unterstützt, hofft jedenfalls, dass schon bald ein Partner gefunden und JDaphne auf dem Markt verfügbar sein wird.

Weitere Informationen finden Sie auf der Internetseite des
Instituts für Telematik.

Hier finden Sie die vollständige Dissertation von Andreas Heuer

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