Diverses Wechsel auf die Zukunft

Der Generationswechsel im Mittelstand wird komplizierter. Familien dürfen zweierlei Recht nutzen. Wie sie dabei Steuern sparen.

Sonderkonjunktur für Steuerberater, Anwälte und Notare: Tausende von Unternehmerfamilien wollen jetzt wissen, ob und wie sie von der Reform der Erbschaftsteuer profitieren können. Nicht immer haben die Experten gute Kunde parat. Aber einen Trost: Firmenchefs dürfen das Unternehmen noch nach altem Recht übertragen, wenn sie dabei kräftig sparen können. Freilich nicht mehr lange. „Die Zeit drängt, spätestens bis Ende März sollten Entscheidungen gefallen sein“, mahnt Ernst Gossert, Steuerberater und Nachfolgeexperte bei Ecovis in München.

Das betrifft rund 140000 Familienbetriebe, bei denen in diesem und dem nächsten Jahr eine Nachfolge­regelung ansteht. Die sollten jetzt schleunigst prüfen, wann die Firma mit den größten Steuervorteilen auf den Nachfolger übergehen soll. Entweder zieht die Familie die Nachfolge vor und profitiert damit von den alten Spielregeln. Oder sie bleibt beim ursprünglichen Zeitplan und überträgt später. Und dann gilt freilich neues Recht.

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Ob altes oder neues Recht mehr spart, erweist sich als knifflige Rechenaufgabe für Spezialisten. Altes Recht heißt: Steuerpflichtig ist der Buchwert der Firma plus Immobilien. Allerdings entlastet durch Extra-Freibetrag (225000 Euro) und pauschalen Bewertungsabschlag (35 Prozent). Neues Recht heißt: Ebenfalls steuerpflichtig ist der Buchwert der Firma – ohne Begünstigungen. Die Steuer wird freilich gestundet und komplett gestrichen, wenn der Nachfolger zehn Jahre bei der Stange bleibt.

Problem: Für künftige Transak­tionen hat sich Schwarz-Rot die Unterscheidung zwischen „gutem“ und „bösem“ Vermögen einfallen lassen. Steuervorteile gibt es nur noch für sogenanntes begünstigtes (gutes) Vermögen. Etwa Betriebsgebäude, Maschinen und Anlagen. Für unbegünstigtes (böses) Vermögen – Bargeld, Beteiligungen, vermietete Immobi­lien – wird die Steuer sofort fällig. „Das belastet besonders eigenkapitalstarke Firmen“, moniert der Bochumer Steuerprofessor Roman Seer. impulse gibt Entscheidungs­hilfe: Welche Steuerstrategie jetzt die richtige ist. Und ein Tool im Internet zeigt, wie teuer die angedachte Nachfolgeregelung für die Familie wird.

Erben soll teurer werden

Die angepeilte Reform ist überfällig. Sie geht zurück auf eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 1995. Bereits damals rieben sich die Richter an zu günstigen Steuerwerten für Immobilien- und Firmenvermögen (»Einheitswerte«). Der damalige Finanzminister Theo ­Waigel besserte nach. Doch schon bald stellte sich heraus, dass die Steuerkluft zwischen Geldvermögen einerseits und Firmen- sowie Immobilienvermögen andererseits nicht kleiner geworden war. Ein Verstoß gegen die Gleichmäßigkeit der Besteuerung, befand der Bundesfinanzhof 2002 und rief erneut Karlsruhe an (Aktenzeichen 1 BvL 10/02). Doch die Verfassungsrichter lassen sich Zeit. Ihre Entscheidung wurde zwar mehrfach angekündigt, aber jedes Mal vertagt. Jetzt prescht Bundesfinanzminister Peer Steinbrück vor: Erbschaftsteuerreform ab 2007. Mit der Wahlmöglichkeit zwischen altem und neuem Recht. Und zwar ab dem 1. Januar 2007 bis zu dem Tag, an dem die ­neuen Vorschriften installiert sind. „Das könnte April oder Mai 2007 sein“, wagt Nora Schmidt-Keßeler von der Bundessteuerberaterkammer eine Prognose.

Den vollständigen Artikel können Sie in der impulse-Ausgabe 02/2007, Seite 98, nachlesen.

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