Diverses Welche Faktoren sind wichtig, damit auch Handwerksbetriebe innovativ sind?

Jörg Schlichting ist Inhaber der EWS "Die Schuhfabrik" in der Lutherstadt Eisleben. Seine Firma stellt Sicherheitsschuhe her, zum Beispiel für die Feuerwehr. Er fragt, welche Faktoren wichtig sind, damit auch Handwerksbetriebe innovativ sind.

Prof. Dr. Eva Kirner ist Professorin für Management an der HFU Business School der Hochschule Furtwangen

Zapfen Sie externes Wissen an!

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Handwerksbetriebe haben im Grunde das gleiche Problem wie alle Kleinunternehmen:
Für Innovationen fehlen oft die Ressourcen. Das kann durch interne Maßnahmen aufgefangen werden, aber mindestens ebenso wichtig sind externe Faktoren. Strecken Sie die Fühler nach allen Seiten aus! In der Umgebung des Unternehmens lauern wichtige Impulse, die Innovationen vorantreiben können. Schränken Sie Ihr Suchfeld dabei nicht zu sehr ein. Denn nicht nur Produkte können innovativ weiterentwickelt werden. Warum nicht eine neue Art von Service einführen? Oder durch neue Organisationsstrukturen eine schnellere Lieferung ermöglichen?

Ideen und Informationen können aus jeder Ecke kommen. Kunden, Lieferanten, Konkurrenten – schließen Sie keine Quellen aus, und gehen Sie gezielt Kooperationen ein. Auch der Mut zu wilden Kombinationen wird oft belohnt. Ein Mitarbeiter erfährt auf einer Abendveranstaltung von einem interessanten neuen Material und erzählt davon. Hier haben Kleinunternehmen dann einen wichtigen Vorteil: Die Informationswege sind sehr kurz. Es gibt im Vergleich zu Großunternehmen weniger Hierarchieebenen, Ideen wandern so schneller weiter.
Und: Wenn Innovation von der Unternehmensleitung vorgelebt wird, fühlen sich alle verantwortlich.

Diese Unternehmenskultur muss durch interne Maßnahmen gefördert werden. Impulse von außen sind für kleine Unternehmen immens wichtig. Schotten Sie sich nicht ab, sondern zapfen Sie externes Fachwissen an. Suchen Sie den Kontakt zu anderen Unternehmen oder Forschungseinrichtungen, denn eigene Spezialisten sind teuer. Werden in der Sportwissenschaft etwa neue Federungen für Laufschuhe entwickelt, dann könnten Sie das erste Unternehmen sein, das diese in Schuhen einbaut. Aber dafür müssen Sie stetig Kontakt halten, das kostet Zeit.

Externe Kooperationen einzugehen und am Leben zu erhalten ist aufwendig. Fehlt ein Mitarbeiter einen halben Tag, weil er eine Forschungseinrichtung besucht, dann muss die Arbeit auf weniger Schultern verteilt werden. Wenn ein Kleinunternehmen innovativ sein will, dann muss es dies dennoch priorisieren und langfristige Perspektiven schaffen.
Einfacher kann es sein, sich passiv auf dem neuesten Stand der Entwicklung zu halten und aktuelle Trends von außen zu verfolgen. Aber aktive Kooperationsprojekte bringen oft bessere Ergebnisse und für beide Seiten mehr Erfolg. Auch Kooperationen mit Einzelpersonen können fruchtbar sein, wenn im Unternehmen keine Spezialisten vorhanden sind.
Zum Beispiel für die Neugestaltung eines Produkts auch mal einen freischaffenden Designer zurate zu ziehen. Die Idee für die nächste Innovation kann von überall kommen. Seien Sie offen dafür.

Prof. Dr. Hartmut HirscH-Kreinsen leitet den Lehrstuhl für Wirtschafts- und Industriesoziologie an der TU Dortmund

Nutzen Sie Ihr praktisches Wissen!

Das Handwerk gilt insgesamt als nicht besonders innovativ. Doch das ist ein Trugschluss, wie unsere Forschungen zeigen. Auch kleine Betriebe können Prozesse und Produkte optimieren und neu erfinden. Dabei bestimmt ein ganzes Bündel an Faktoren, wie innovativ sie sind. Für den Innovationserfolg ist das Zusammenspiel all dieser Faktoren wichtig. Handwerksbetriebe sind extrem personengebunden. Der Inhaber selbst und einige Mitarbeiter sind entscheidende Treiber von Innovationen.

Das stellt einige Anforderungen an den Habitus des Meisters. Ein großes Plus ist die Erfahrung, die ältere Handwerker mitbringen. Doch sie nützt nur, wenn man sich die Bereitschaft erhält, Bestehendes immer wieder infrage zu stellen. Streifen Sie durch die Gegend! Besuchen Sie Messen, und fragen Sie, wie andere produzieren! Schenken Sie Ihren Angestellten das Vertrauen, zu experimentieren.

Offenheit für Neues gepaart mit der Erfahrung als Handwerker ist ein Motor für Innovationen.
Offenheit sollten Sie auch zeigen, wenn es um Kooperationen geht. Wechselseitiges Lernen in Netzwerken ist für große Firmen selbstverständlich. Hier können Handwerker noch viel lernen. Fragen Sie Ihre Lieferanten nach Ideen, was Sie besser machen können. Tauschen Sie sich mit anderen Betrieben aus! Für kleine Unternehmen wird diese Schnittstellenpflege immer wichtiger. Handwerker denken oft, sie würden dadurch Wissen an die Konkurrenz abgeben. Das ist eine völlig falsche Perspektive. Alle Erfahrung zeigt: Wer kooperiert, wird innovativer.
Bei Handwerkern ist viel praktisches Wissen gebündelt.

Nutzen Sie dies! Setzen Sie auf erreichbare Neuerungen, nicht auf HightechInnovationen.
Ein Tischler kann das neue Design eines Stuhls entwerfen, ohne groß zu investieren. Dennoch kann das eine Innovation sein, die nachhaltig für Erfolg sorgt.

Dr. Kerstin Cuhls arbeitet am Fraunhofer- Institut für System- und Innovationsforschung ISI in Karlsruhe

Fördern Sie Kreativität!

Aus der Perspektive der Zukunftsforschung lässt sich sagen: Technische Neuerungen allein reichen für Innovationen nicht aus. In Handwerksbetrieben sind andere Aspekte wichtiger.
Weil neue Ideen nicht im Alltag entstehen, sollte die Kreativität gezielt gefördert werden. Begeben Sie sich gedanklich auf Zeitreise, versetzen Sie sich in die Lage Ihrer Kunden. Was braucht die alte Dame wirklich nach der Renovierung in ihrem Häuschen? Der Mut, Kreativität zu entwickeln, ist ein wichtiger Faktor. Klassisches Brainstorming ist ein Anfang, aber trauen Sie sich auch an ungewöhnliche Methoden. Alle Mitarbeiter, vom Inhaber bis zum Praktikanten, sollten sich an einen Tisch setzen.

Interdisziplinär entstehen die besten Ideen. Wir haben bei der Forschung zur sogenannten RoadmappingMethode festgestellt, dass auch Handwerksbetriebe von ihr profitieren. Eine Roadmap zeigt Ziele und Meilensteine auf. Ähnlich wie bei einem Stadtplan wird alles in einem Bild zusammengefasst.

Für Handwerksbetriebe empfiehlt sich eine sehr einfache Form der Roadmap. Ein Zeitpfeil mit drei Ebenen. Oben steht die Frage: Was werden die anderen in Zukunft können? Schreiben Sie auf, welche Kompetenzen Ihre Konkurrenten und Kooperationspartner in Zukunft haben werden. In der zweiten Ebene steht, was technisch möglich sein wird. Darunter dann, was Sie mit Ihrem Unternehmen angehen wollen. Es ist wichtig, sich Zeit für die Betrachtung des Gesamtbilds zu nehmen. Wichtig dabei sind Gelassenheit und Ungestörtheit. So schwer es fallen mag, lehnen Sie sich einfach mal zurück und nehmen sich einen halben Tag Zeit, um zu diskutieren und sich gedanklich zu sortieren.

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