Diverses Wenn die Warnlampen angehen

Einige Unternehmer verlassen sich in Krisenzeiten auf ihren Bauch, andere hingegen ziehen Konjunkturdaten für ihre Analyse vor. Welche sechs Faktoren dafür wichtig sind, zeigt eine aktuelle Studie.

Keine Krise kommt aus dem Nichts. Schon früh gibt es Warnzeichen, „aber auf die haben viele Mittelständler überhaupt nicht oder erst zu spät reagiert“, sagt Stefan Treiber, Geschäftsführer von Candidus. Die Beratungsagentur hat 150 Mittelständler nach ihrem Vorgehen in der Krise befragt. Aus den Antworten hat Treiber ein „Mittelstands-EKG“ erstellt, aus dem sich sechs entscheidende Faktoren ableiten lassen, mit denen Mittelständler besser durch die Krise kommen: Risiken erkennen und beherrschen, den Kurs schnell ändern, liquide bleiben, Kontakt zum Kunden halten, in die Forschung investieren und flexibel bleiben.

Ohne Frühwarnsystem sei ein Unternehmen aufgeschmissen, sagt Candidus-Chef Treiber. Bei wem hingegen frühzeitig die Warnlampen aufleuchten, „der weiß, was zu tun ist“. Ein Viertel der Befragten gab an, überhaupt kein Risikomanagement zu betreiben: „Die konnten nur zu spät reagieren.“

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Ist die Krise erkannt, ist Entscheidungsfreude gefragt. Die Devise lautet: Wer rechtzeitig reagieren kann, sollte das auch konsequent tun. „Das Unternehmen muss in der Lage sein, seine Geschäftsprozesse schnell und effizient umzustellen“, sagt Michael Schunda, ebenfalls Geschäftsführer bei Candidus. Das haben laut Umfrage aber nicht alle Unternehmen beherzigt: Lediglich 60 Prozent gaben an, ihre Strategie dem entsprechend umgestellt zu haben.

Wer seine Strategie ändert, muss schnell viel Geld bewegen. „Deswegen ist es umso wichtiger für den Unternehmer, ein genaues Auge auf seine liquiden Mittel zu haben“, sagt Treiber. „Dann ist es sinnvoll, das Umlaufvermögen und Warenbestände zu reduzieren und zusammen mit dem Geld aus Forderungen in der Prozessverbesserung und der Forschung einzusetzen. Damit gehe das Geld nicht in der teuren Produktionskette verloren.“ Früher haben sich nur wenige Unternehmen um solche Fragen gekümmert. Laut Studie hat sich im vergangenen Jahr die Zahl der Unternehmer, die ihre Finanzplanung überarbeiten und verbessern wollen, von 54 auf 87 Prozent erhöht.

Die Entwicklungsabteilung ist laut Treiber der beste Ort, um für den kommenden Aufschwung zu vorzubereiten: „Innovationsaufwendungen zahlen sich immer aus.“ Doch nur jedes vierte Unternehmen wagte es, mitten in der Krise das Forschungsbudget zu steigern. Bei 70 Prozent blieb es immerhin stabil.

Um zu erkennen, wann das Unternehmen mit seinen Innovationen glänzen kann, ist ein enger Kundenkontakt sehr wichtig. Dadurch erfahre der Unternehmer direkt am Markt, wann die Nachfrage wieder anzieht, und kann seine Produktion dementsprechend anpassen. Klingt einleuchtend, sagen die Firmenlenker, gleichwohl sehen 60 Prozent der Befragten deutlichen Nachholbedarf im eigenen Betrieb.

Es gibt also viel zu tun. Was benötigt wird, ist die Bereitschaft, diese Aufgaben auch anzupacken – und die Strukturen, um das zu ermöglichen. „Das Unternehmen muss sich schnell an aktuelle Marktanforderungen anpassen können“, sagt Treiber. Doch gaben lediglich 20 Prozent der Studienteilnehmer an, dass ihr Unternehmen für einen solchen Fall flexibel genug ist.

Nur wenige Mittelständler hätten allen sechs Faktoren genügend Aufmerksamkeit gewidmet. Beim Auswerten der Studie, sagen Treiber und Schunda, hätten sie keinen einzigen gefunden.

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